Spendenaktion einer Berliner Firma : Kollegen spenden Vater Überstunden, damit er bei krankem Kind sein kann

Die 110 Mitarbeiter am Berliner Standort des Unternehmens „MTS-Systems“ zeigten Herz und spendeten für ihren Kollegen.
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Die 110 Mitarbeiter am Berliner Standort des Unternehmens „MTS-Systems“ zeigten Herz und spendeten für ihren Kollegen.

Der Mitarbeiter eines Maschinenbauunternehmens kann für sechs Monate bei vollem Gehalt bei seinem Sohn sein.

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24. Januar 2018, 10:39 Uhr

Berlin | Als der Sohn von Jens Rösener im Sommer letzten Jahres schwer krank wurde, verbrachte der Familienvater jede freie Minute bei dem 18-Jährigen. Die Diagnose: Herzmuskelschwäche. Der Schüler hatte sich bei einem Praktikum im Kindergarten mit einem Grippe-Virus infiziert. Rösener, Außendienstmitarbeiter des Berliner Maschinenbauunternehmens „MTS-Systems“, musste mit ansehen, wie sich der Zustand seines Kindes zunehmend verschlechterte. In Lebensgefahr schwebend wurde sein Sohn Kim später in eine Spezialklinik nach Heidelberg verlegt. Wie „Bild“ berichtet, zog Rösener daraufhin in einen Wohnwagen auf einem Campingplatz.

Nach dem Resturlaub und Überstunden aufgebraucht waren, wollte Rösener unbezahlten Urlaub nehmen. Doch diese Rechnung hatte der Vater ohne seinen Chef gemacht – der wollte das verhindern. Dem „Spiegel“ sagte Marcus Piepenschneider, er wolle vermeiden, dass die Familie sich auch noch finanzielle Sorgen machen müsse. Zusammen mit dem Betriebsrat entschied man sich dafür, die 110 Mitarbeiter des Unternehmens zu einer Spende aufzurufen. Wer mochte, konnte einen Teil seiner Überstunden auf das Konto von Jens Rösener übertragen.

Die Personalabteilung sammelte die Spenden – vom Hausmeister bis zum Geschäftsführer – und registrierte binnen kurzer Zeit 930 Überstunden, was etwa 116 freien Tagen entspricht. Sechs Monate lang konnte sich Rösener nun um seinen Sohn kümmern, dessen Herzleistung zwischenzeitlich auf etwa fünf Prozent absank, und musste sich keine Geldsorgen machen. In einer Email an seine Kollegen dankte er für die Hilfsbereitschaft und hofft, dass er sich irgendwann revanchieren kann. 

Mittlerweile arbeitet Rösener wieder und sein Sohn geht wieder zur Schule, um sein Fachabitur zu machen. Denn die Herzleistung des heute 19-Jährigen steigt wieder an. Allerdings wartet Kim noch immer auf ein Spenderherz. Wenn Rösener dann wieder frei braucht, könne er die restlichen Überstunden abbummeln, sagt Chef Piepenschneider, denn noch hat er sie nicht alle verbraucht und zurückfordern können die Kollegen die Stunden ebenfalls nicht. Gespendet ist eben gespendet.

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