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"Federicos Kirschen" : Kino kurios zum Kyoto-Protokoll

vom

Kleinbauer Federico kämpft wie ein Don Quijote gegen ein Kohlekraftwerk.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2010 | 05:40 Uhr

Was für Don Quijote die Windmühlen waren, ist für den asturischen Kleinbauern Federico das heimische Kohlekraftwerk. Die amüsante wie melancholische Komödie "Federicos Kirschen" des spanischen Regisseurs José Antonio Quirós schildert den scheinbar aussichtslosen Kampf eines Außenseiters gegen den Rest der Welt. Der kauzige Protagonist (Celso Bugallo) setzt alle seine Hoffnungen auf die Kyoto-Vereinbarungen und tauft sogar das gerade geborene Kalb auf den Namen des Klimaschutzprotokolls. Doch Unterstützung und Hilfe bekommt er unerwartet von ganz anderer Seite.

Der Schotte Pol Ferguson (Gary Piquer) schreibt Reiseführer und genießt sein ungebundenes Leben im Wohnmobil. In einem beschaulichen Tal im nördlichen Spanien streikt der Motor plötzlich und bis die Ersatzteile in diesem idyllischen wie abgelegenen Fleckchen Erde ankommen, wird viel Zeit vergehen. Pol und Federico verbindet bald eine enge Freundschaft, obwohl die beiden nicht verschiedener sein könnten.
Kohlekraftwerk statt Naturschönheiten

Eigentlich wollte der schottische Weltenbummler über die Naturschönheiten der Umgebung schreiben, jetzt steht er betroffen vor dem riesigen Kohlkraftwerk, das wie eine Festung das Land überragt. Seit 30 Jahren setzt sich der schrullige Kleinbauer für Umweltschutz und C02-Regulierungen ein, denn der Ascheregen zerstört die Anbaugebiete und sein Lebenswerk. Nur ist das Kraftwerk der einzige Arbeitgeber der Region, und so macht sich der störrische Federico bei Nachbarn und sogar seiner Familie unbeliebt.

José Antonio Quirós ist in Asturien geboren, kennt die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Region aus eigener Anschauung. Viele vergleichen seinen Film mit "Local Hero" oder "Erin Brockovich". Er ist aber anders und gerade darin liegt sein Charme. Es sind die kleinen Gesten, die ihn liebenswert machen. Wie Federico seinen prachtvollen Kirschbaum vor dem gefährlichen Regen schützt, sich einfach nicht von Milchkuh und Kalb trennen will, das erinnert an "Cinema Paradiso", wo der kleine Junge und spätere Regisseur die weggeworfenen Zelluloid-Streifen wie einen Schatz hütet und versteckt. Genauso ist Federico, ein großes, oft unvernünftiges Kind und zugleich von einer menschlichen Güte, die rührt und beeindruckt.
Voller kurioser Einfälle

Celso Bugallo ist die perfekte Besetzung für die Rolle des verschrobenen Kauzes, ein glückloser Ritter und versponnener Idealist, der für seine Ziele alles aufs Spiel setzt. Unerschrocken erklimmt er trotz seines Alters den Schornstein des Kohlekraftwerks, demonstriert in erster Reihe, ist pfiffig, durchtrieben, couragiert. Er lässt keine Gelegenheit aus, sich lächerlich zu machen, landet vorübergehend im Knast, während die Zahl seiner Gegner wächst. Er hat auch unerwartet Erfolge zu verzeichnen, zumindest einen entscheidenden Etappensieg, obwohl sich am Ende der sogenannte Fortschritt nicht aufhalten lässt und sich der Traum vom Kyoto-Protokoll nicht erfüllt.

Das Drehbuch (Dionisio Pérez/Ignacio del Moral) ist voller kurioser Einfälle und unerwarteter Wendungen, die mancher amerikanischen Komödie dieser Tage fehlen. Asturien, auch das grüne Spanien genannt, ist eine malerische Kulisse für die sozialen und emotionalen Verstrickungen innerhalb der Dorfgemeinschaft.

"Federicos Kirschen" wird im Original mit Untertiteln gezeigt. Auf Festivals war das Echo auf den Film positiv. Er bekam mehrere Preise. Nur: wer sich für den Umweltschutz engagiert, will es meist ernster, andere hingegen befürchten vielleicht genau das Gegenteil - politisch-dogmatisches Kino - aber Sorgen dieser Art sind bei diesem Film völlig unbegründet.

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