zur Navigation springen

Batman-Prozess in Colorado : Kino-Amoklauf in Aurora: Todesstrafe gefordert

vom

Vor drei Jahren stürmte James Holmes als „Joker“ die „Batman“-Premiere und tötete zwölf Menschen. Nun beginnt der Prozess.

Centennial, Colorado | Zumindest ein Punkt wird sowohl für die Staatsanwaltschaft als auch für die Anklage unstrittig sein, wenn am Montag im Prozess um den Kino-Amoklauf von Colorado die Eröffnungsplädoyers beginnen: Der Angeklagte James Holmes hat die ihm zur Last gelegten Taten begangen. So hat der 27-Jährige bereits zugegeben, im Juli vor drei Jahren zwölf Menschen erschossen, 58 verletzt und Hunderte in der Stadt Aurora terrorisiert zu haben. Die wichtigste Frage, die das Bezirksgericht in Centennial, einem Vorort von Denver, zu klären hat, wird daher sein, ob Holmes zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war oder nicht.

Der frühere Student der Neurowissenschaften war im Sommer 2012 während einer nächtlichen Vorführung eines neuen „Batman“-Films in der Stadt Aurora mit Gasmaske und Schutzweste vermummt in einen Kinosaal eingedrungen. Als er Rauchbomben warf und Tränengas versprühte, glaubten einige Kinobesucher zunächst, es handle sich um einen Werbegag - bis die tödlichen Schüsse durch das Kino peitschten.

Holmes selbst hat angesichts der 166 Anklagepunkte auf „nicht schuldig“ plädiert - wegen Unzurechnungsfähigkeit. Zumindest optisch hatte er auch schon früher Anlass gegeben, in diese Richtung zu denken: Nämlich als die Polizei ein Foto von ihm nach der Tat veröffentlichte, das ihn mit wildem Blick und orange gefärbten Haaren zeigte. Dabei erinnerte die Aufnahme an den wohl bekanntesten Bösewicht der „Batman“-Comics - den Joker.

Da ihm im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe droht, hat die Verteidigung auf „nicht schuldig“ plädiert und darauf verwiesen, ihr Mandant sei seit langem psychisch krank gewesen und habe den Amoklauf während einer besonders schweren Phase begangen. So habe sich Holmes vor seiner Tat einer Psychologin der Universität offenbart. Diese hatte sich anschließend an die Polizei gewandt und berichtet, der junge Mann habe sie bedroht und stelle womöglich eine „Gefahr für die Öffentlichkeit“ dar.

Die Anklage hingegen will im Prozess betonen, dass Holmes seine Tat monatelang plante, sich ein Waffenarsenal sowie Tausende Schuss Munition zulegte und seine Wohnung mit mehreren Sprengfallen versah, die ganz offensichtlich für die Ermittler gedacht waren. Das lasse auf scharfen Verstand und Schuldfähigkeit schließen.

Angesichts einer solchen Ausgangslage liegt die Beweislast nun auf Seiten der Staatsanwaltschaft. Sie muss für eine Verurteilung die aus 19 Frauen und fünf Männern bestehende Jury davon überzeugen, dass Holmes' geistige Gesundheit außer Zweifel steht. Unter den Geschworenen befindet sich mindestens ein Mitglied, das öffentlich bekannte, dass die Todesstrafe „die Ausnahme von der Regel“ bleiben sollte. Sollte die Jury Holmes wegen Unzurechnungsfähigkeit für nicht schuldig befinden, dürfte er voraussichtlich in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden.

Kommen die Geschworenen jedoch zu dem Schluss, der Angeklagte war sehr wohl zurechnungsfähig - und somit schuldig -, dann wird in einer separaten Anhörung darüber entschieden, ob Holmes ins Gefängnis muss oder hingerichtet wird.

Noch vor gut zwei Jahren berichteten US-Medien unter Berufung auf Gerichtsunterlagen, dass Holmes' Anwälte angeboten hätten, ihr Mandant bekenne sich schuldig, wenn die Staatsanwaltschaft im Gegenzug auf die Forderung nach der Todesstrafe verzichtet. Die Anklage lehnte das Angebot ab, ihr Ziel blieb die Hinrichtung des Delinquenten. Die Anwälte sahen somit wohl keinen anderen Weg, als auf unzurechnungsfähig zu plädieren.

Das ablehnende Verhalten der Staatsanwaltschaft wurde heftig kritisiert, besonders in Aurora, wo der Prozess die Stadt noch einmal schmerzlich an die wohl düstersten Stunden in ihrer Geschichte erinnern dürfte.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Apr.2015 | 07:29 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen