Malvina, Diaa und die Liebe : Kika-Film löst Diskussionen im Netz aus

<p>Malvina und Diaa sprechen über ihre unterschiedlichen Ansichten.</p>

Malvina und Diaa sprechen über ihre unterschiedlichen Ansichten.

Der Film über die Beziehung der 16-jährigen Malvina mit ihrem Freund aus Aleppo löst im Netz eine Kontroverse aus.

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17. Januar 2018, 11:40 Uhr

„Ich habe das Problem mit ihm, dass ich oft in eine Richtung gelenkt werde, in die ich gar nicht kommen möchte“, erklärt Malvina. Sie ist 16 Jahre alt und liebt ihren mittlerweile 20-jährigen Freund Diaa über alles. Ende November 2017 strahlte der Kinder Kanal (Kika) in der „Schau in meine Welt“-Dokumentationsreihe  den Film „Malvina, Diaa und die Liebe“ (Link zur ARD-Mediathek). Seit Anfang Januar löste der Film im Netz eine heftige Kontroverse über die Berichterstattung aus.

„Ich darf keine kurzen Sachen anziehen.“ - Malvina

Die beiden streiten sich häufig, weil es kulturelle Differenzen gibt. Den Umgang damit müssen beide noch lernen. Denn Malvina ist Christin und kommt aus Deutschland. Ihr Freund Diaa ist Muslim und vor dem Krieg in Aleppo geflohen. Jetzt wohnt er in Deutschland und hat sich in Malvina verliebt. Seine und Malvinas Ansichten über ihre Beziehung gehen zum Teil weit auseinander.

„Ich kann sowas nicht akzeptieren, dass meine Frau so aussieht. Das ist total schwierig für mich.“ - Diaa

Malvina fühlt sich oft eingegrenzt von ihrem Freund, weil er nicht möchte, dass sie sich knapp bekleidet. Ebenso findet er, dass es Grenzen gibt. Er hat zum Beispiel ein großes Problem damit, wenn sie einen anderen Jungen umarmt.

„Du kannst mir aber auch nicht sagen, mit wem ich mich unterhalten darf und mit wem nicht.“ - Malvina

Diese Einschränkung möchte Malvina nicht hinnehmen. Diaa würde sie am liebsten so schnell wie möglich heiraten, damit sie immer bei ihm bleibt. „Aber daraus wird nichts“, erwidert Malvina.

In der Dokumentation sprechen die beiden offen über diese Probleme. Am Anfang waren die Streite häufiger, weil er Malvinas Kultur noch nicht gekannt habe und sie kannte seine nicht, erklärt Diaa. Trotzdem: Diaas Wertebild ist klar konservativ-islamisch geprägt, während Malvina liberal leben möchte. Sie selbst bezeichnet sich als „Emanze“. Und das Kopftuch sowie eine Konvertierung zum Islam kommen für sie nicht in Frage. Trotzdem lieben sie sich.

Stimmen im Netz und dem TV

Die beiden Jugendlichen bekommen in dem Film eine Stimme, die nur von den Betroffenen kommentiert wird. Vielen Zuschauern stößt das auf. Im Netz gehen die Meinungen stark auseinander. Viele sind verärgert und werfen dem Sender vor, frauenverachtende Werte zu vermitteln. Andere finden, dass die Dokumentation gut über die Schwierigkeiten berichtet, die viele junge Paare mit unterschiedlichen Kulturen zu bewältigen haben.

In der offiziellen Erläuterung des Kinderkanals, geht der Sender auf die Kritik ein.

„Als eine Darstellung über den Umgang mit kulturellen Unterschieden halten wir diese Dokumentation für einen wertvollen Beitrag im Gesamtspektrum.“  - Kika-Redaktion

Auch der Hessische Rundfunk, der die Dokumentation für den Kika produziert hat, kommt in der Erläuterung zu Wort: „Malvina und Diaa... sind ein Beispiel dafür, wie unterschiedliche Kulturen aufeinander zugehen. Auch wenn die äußeren Umstände schwierig sind. Beide suchen nach Kompromissen, weil es ohne die nicht geht.“

Was die Kritik zusätzlich befeuerte, waren die Funde Diaas Facebook-Seite. Dort hatte er unter anderem die Facebook-Seite des Salafisten Pierre Vogel gelikt. Der Hessische Rundfunk sagte, dass der Like eine Reaktion auf ein Gewinnspiel gewesen sei, bei dem es einen Flug nach Mekka zu gewinnen gab. 

In der Sendung „Engel fragt“ vom Hessischen Rundfunk wurde die Aufregung um die Dokumentation ebenfalls debattiert. Fernsehdirektorin Gabriele Holzner erklärte in der Sendung, dass eigentlich ein persönliches Interview mit Diaa gezeigt werden sollte. Allerdings entschied man sich dagegen, da Diaa Morddrohungen aus der extremistischen Szene erhalten habe. Holzner sagte, dass Anhängern der Szene nicht gefalle, wie modern Diaa ist, und sich von seiner Freundin zu viel sagen lasse.

Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor findet, dass es in einer Beziehung darum gehe Kompromisse einzugehen und bestimmte Positionen auszuhandeln. „Und das betrifft nicht nur syrisch-deutsche, muslimisch-christliche Beziehungen... Das betrifft doch jede Beziehung.“

Die Medienpädagogin Maya Götz findet die Tatsache, dass die Standpunkte der Protagonisten unkommentiert blieben gut. Die Sendung betreibe eine Aufklärung, die Mädchen heute haben sollten.

Dirk Spaniel, Sprecher der AfD-Landesgruppe in Hessen, empfindet Malvinas Verhalten als Unterordnung und kritisiert, dass mit der Sendung ein falsches Bild propagiert werde: Die Lösung für kulturell bedingte Konflikte in Beziehungen sei durch die Unterordnung der Frau zu lösen.

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