Wegen Klimaschutz : Kein Ostfriesenwitz: Familie von Langeoog verklagt EU

Ein Luftbild der Insel Langeoog.

Ein Luftbild der Insel Langeoog.

Eine ostfriesische Familie von der Insel Langeoog macht ernst: Sie verklagt die EU und verfolgt damit ein hehres Ziel.

shz.de von
24. Mai 2018, 18:18 Uhr

Berlin | Eine Familie von der Nordsee-Insel Langeoog hat die Europäische Union verklagt, damit der Staatenverbund mehr für den Klimaschutz tut. Mit ihr fordern neun weitere Familien aus Europa, Kenia und Fidschi vor dem Gericht der Europäischen Union einen besseren Schutz ihrer Grundrechte, wie die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch am Donnerstag mitteilte. Die klagende Familie Recktenwald wohnt seit vier Generationen auf der ostfriesischen Insel Langeoog. Sie sieht ihre Heimat und ihr als Familienbetrieb geführtes Hotel und Restaurant durch den steigenden Meeresspiegel bedroht.

Maike und Michael Recktenwald stehen vor ihrem Restaurant «Seekrug» auf der ostfriesischen Insel Langeoog.
Germanwatch/dpa

Maike und Michael Recktenwald stehen vor ihrem Restaurant «Seekrug» auf der ostfriesischen Insel Langeoog.

„Was für den Klimaschutz beschlossen wurde, muss auch kontrolliert werden“, sagte die Klägerin Maike Recktenwald. Sie fordert größere Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel. „Wir gehen täglich mit dieser Thematik um, im Gespräch mit Winzern und Landwirten oder wenn wir an den Strand gehen“, sagte die Hotelbesitzerin. Die Stürme würden heftiger, entsprechend seien mehr Küstenschutzmaßnahmen notwendig. 

Gegen klimaschädliche Gase

Die Klage richtet sich gegen den Europäischen Rat und das Parlament. Die Familien wollen erreichen, dass die EU die Emissionen klimaschädlicher Gase stärker eindämmt sowie die Klima- und Energieziele für 2030 nachbessert. Aktuell peilt die EU eine Verringerung der Emissionen um 40 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990 an.

Laut Germanwatch sind die Kläger besonders bedroht von Folgen des Klimawandels – also von Wassermangel, Überschwemmungen, dem Rückzug von Eis und Schnee, vom steigenden Meeresspiegel sowie von mehr Stürmen und Hitzewellen. Ihr Prozessvertreter, der Bremer Professor Gerd Winter, erklärte: „Grundrechte der EU waren bisher vor allem Vehikel des wirtschaftlichen Wachstums. Sie garantieren aber auch, dass ein Klima erhalten bleibt, welches Leben, Arbeit und Eigentumsgebrauch ermöglicht.“

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