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Tödliche Polizeischüsse in USA : „Kein neues Ferguson“ - Friedliche Proteste nach Polizeischüssen

vom

Feidin Santana will kein Held sein. Der 23-Jährige filmte die tödlichen Schüsse eines weißen Polizisten auf einen Schwarzen in North Charleston. Doch nach der Aufnahme bekam er es mit der Angst zu tun.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2015 | 12:54 Uhr

Ein weißer Polizist erschießt einen unbewaffneten schwarzen Verdächtigen. In Ferguson (Missouri) führte das vor sieben Monaten zu schweren Krawallen - in anderen Orten der USA folgten nach ähnlichen Fällen häufig gewaltsame Demonstrationen. Doch in North Charleston im Südstaat South Carolina, einst die Wiege des Bürgerkrieges, blieb es nach dem schockierendem Tod von Walter Scott vergleichsweise ruhig. Proteste vor dem Rathaus waren inbrünstig, aber verliefen friedlich - Ausschreitungen gab es nicht.„Wir wollen kein neues Ferguson“, sagte James Johnson, Präsident des lokalen Büros der Bürgerrechtsbewegung National Action Network zur „Washington Post“. „Die Gemeinde ist sehr verärgert. Es ist wichtig, die Gemeinde zu beruhigen, bevor die Sache aus den Fugen gerät.“

Der Zwischenfall in North Charleston am vergangenen Samstag hat in den USA für Empörung gesorgt. Der 23-Jährige war zufällig auf dem Weg zur Arbeit auf die Auseinandersetzung gestoßen und habe diese auf dem Handy gefilmt. Der Polizist habe ihn nicht beim Filmen sehen.

Die Stadtoberen reagierten geschickt, nachdem das grausame Handyvideo um die Welt ging. Es zeigt, wie der Polizist Michael Slager achtmal von hinten auf Scott schießt, während dieser wegläuft.

 Slager wurde nach der Veröffentlichung wegen Mordes angeklagt und gefeuert. Der Bürgermeister besuchte die Opferfamilie, betete mit Angehörigen.

Viele Amerikaner sind sicher, dass vor allem der Urheber des Videos Schlimmeres verhindert hat. Weil Feidin Santana am Samstag auf dem Weg zur Arbeit als Friseur geistesgegenwärtig sein Handy zückte und auf den Aufnahmeknopf drückte, ist der Fall ziemlich eindeutig.

Die Bilder isolieren Slager, der in seinem Polizeibericht Notwehr angab, und verhindern jede Vertuschungsgefahr. Anders als in Ferguson gibt es niemanden, der den Beamten deckt. „Mir wurde schlecht von dem, was ich sah“, sagte der städtische Polizeichef Eddie Driggers.

Der Urheber des Videos von den tödlichen Schüssen eines weißen US-Polizisten auf einen Schwarzen im Bundesstaat South Carolina hat nach eigenen Angaben überlegt, die Aufnahmen zu löschen.

Er habe sich jedoch entschieden, das Video publik zu machen, nachdem er den Polizeibericht über den Vorfall in North Charleston gelesen hatte, sagte der 23-jährige Mann dominikanischer Abstimmung am Mittwoch dem Sender NBC. Dieser schien demnach nicht mit den Tatsachen übereinzustimmen.

Bevor er die Aufnahme startete, hätten der Polizist und der 50 Jahre alte Afroamerikaner eine körperliche Auseinandersetzung gehabt, sagte der junge Mann in dem Exklusivinterview weiter. „Sie waren auf dem Boden. Ich erinnere mich, dass der Polizist die Kontrolle über die Situation hatte.“ Das Opfer habe nur weglaufen wollen und sei keine Bedrohung gewesen.

Nach den Todesschüssen hatte sich der Polizist auf Notwehr berufen. Er habe um sein Leben gefürchtet, weil der Mann ihm nach einer Verkehrskontrolle seine Elektroschock-Waffe entrissen habe. In dem Video scheint es aber so, als habe er seinen Elektroschocker erst nach den Schüssen neben den 50-Jährigen gelegt. Mittlerweile hat auch die Bundespolizei FBI mit Ermittlungen begonnen.

Zuletzt hatten in den USA mehrere Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze Empörung ausgelöst:

Eric Garner: Der 43-Jährige wird Mitte Juli 2014 bei einem Polizeieinsatz in New York getötet. Er stirbt an den Folgen eines Würgegriffs. Er wurde des illegalen Zigarettenverkaufs verdächtigt. Der Mann litt an Asthma. Es wird keine Anklage gegen den weißen Polizisten erhoben.
Tamir Rice: Der 12-Jährige stirbt Ende November 2014 in Cleveland im Bundesstaat Ohio nach Schüssen aus einer Waffe eines weißen Polizisten. Eine Waffenattrappe, die der Junge in den Händen hielt, befanden die Beamten für echt. Der Polizist schoss binnen Sekunden auf den Teenager.
Rumain Brisbon: Der 34-Jährige wird in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona im Dezember 2014 von einem weißen Polizisten erschossen. Zwei Schüsse treffen den Mann. Bei einer Auseinandersetzung vermutete der Polizist eine Waffe in der Tasche Brisbons.
Michael Brown: In Ferguson (Missouri) kommt es zu tagelangen Unruhen, nachdem im August 2014 ein Beamter den unbewaffneten afroamerikanischen Teenager Michael Brown erschossen hatte.
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