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„Team Wallraff“ bei RTL : Keim is King: Hygienemängel beim Burger-König

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Günter Wallraff ist für seinen Enthüllungsjournalismus bekannt. Der Burger-King-Check rufen tausende Fastfood-Fans auf den Plan. Die Hygienemängel bei Franchise-Nehmer Erol Yildiz traten einen Shitstorm los.

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erstellt am 29.Apr.2014 | 16:16 Uhr

Ratingen / München | „Team Wallraff: Reporter Undercover“ heißt die neue Dokumentationsform um Günter Wallraff, die am Montagabend erneut für einen Aufreger sorgte. Wallraff schickte seinen Investigativ-Journalisten Alexander Römer alias Bewerber „Tobias“ mit versteckter Kamera in verschiedene Burger-King-Filialen des Franchisenehmers Erol Yildiz, der mit seiner Yi-Ko Holding GmbH im vergangenen Jahr rund 90 Filialen in Mittel- und Süddeutschland übernommen hatte.

In dem neuen RTL-Format soll künftig Enthüllungsjournalismus betrieben werden. Günter Wallraffs „Schüler“ lernen das Handwerk des großen deutschen Enthüllungsjournalisten, und bereits die erste Folge beim Web-Schuhladen „Zalando“ deckte fragwürdige Arbeitsbedingungen auf und schlug hohe Wellen. Am Montag war nun Burger-King an der Reihe. In typischer Boulevardmanier präsentierte der Privatsender mit reichlich Musik und Theatralik das Unheil für Fastfood-Fans.

Was Schüler Römer aber dokumentierte, lässt sich nicht herunterspielen: Kleine und große Hygienemängel. Zu den Verstößen zählten das Umetikettieren von Haltbarkeitsdaten bei Salat und geschnittenen Tomaten oder auch das zu lange Aufbewahren von Burger-Fleisch. Die Mitarbeiter verpressen in ihrer Arbeitskleidung den Müll im Hinterhof in den Tonnen oder putzen die Toiletten. Danach stehen sie mit derselben Kleidung wieder in der Küche, verarbeiten Fleisch und Gemüse.  „Das hat den Trend zur Toilette“, kommentierte der RTL-Experte und Lebensmittelkontrolleur Bernd Stumm.

Erol Yildiz möchte Geld verdienen, wirkt schamlos und eiskalt. Es wird nichts weggeworfen, was man dem Kunden nicht noch irgendwie auf den Teller legen kann. In einer Filiale in Ratingen bei Düsseldorf konnte „Team Wallraff“ Proben entnehmen. Es fanden sich Darmkeime. Zuletzt entlockten die Undercover-Ermittler sogar einer Mitarbeiterin die Empfehlung, nicht für Yildiz zu arbeiten. „Tobias“ bekommt den Job - für einen Stundenlohn von 7,71 Euro brutto. Der Stress ist vorprogrammiert: 20 Burger muss er sich merken, 20 Sekunden darf ein Burger dauern. Tobias braucht 41 Sekunden. Zu lange.

Burger King äußert sich in der gesamten Sendung nicht zu den Vorwürfen. Die Reporter halten zwei Schreiben mit Fragen an Yildiz und seine Holding in die Kamera. Seit Ende März sind diese per Einschreiben verschickt.Wallraff und sein Team haben keine Antwort bekommen.

Gleich nach der Sendung erlebte der Facebook-Auftritt von Burger King Deutschland, aber auch ausländische Vertretungen wie etwa die Facebook-Seite des US Konzerns eine Welle der Empörung. Immerhin 654.000 Fans zählt allein die Deutsche Seite. Seit gestern ist von „Würger King“ die Rede, Fans kehren der Seite den Rücken, propagieren „Nie wieder Burger King“ oder machen Werbung für das vegane Leben. Natürlich erreichen die verschiedenen Fan-Seiten der Burgerkette ebenso unzählige Links zur Dokumentation vom Montagabend. Tausende Kommentare, in denen sich Nutzer über die Missstände bei Burger King aufregen und Fragen nach Hygiene-Kontrollen aufwerfen.

Unter einem Posting des Konzernes, das bereits vom 23. April dieses Jahres ist, sammeln sich derzeit mehr als 1000 Kommentare, dabei ging es Burger King ursprünglich um die Einführung eines neuen Burgers: Den Hot Chili Chicken.

Bei Twitter sorgten die Burger-King-Enthüllungen für massenweise Tweets.

Auch auf der internationalen Seite mit 6,9 Millionen Fans äußert sich die Wut der Burger-Fans unter einem in diesem Zusammenhang leicht grotesk wirkenden Post: „Love is infinite“ (Liebe ist unendlich). Mehr als 500 Kommentare weisen auf die Dokumentation Wallraffs hin. Für viele endet die Liebe zu Burger King innerhalb eines Abends.

Der Fastfood-Konzern selbst äußerte sich erst am Dienstagmittag und bis dahin auch nur zaghaft. Man habe „keinerlei Toleranz und Akzeptanz“ für die Handlungen des Franchise-Nehmers. Aufgrund der RTL-Recherchen, bei denen der Franchisenehmer Yildiz negativ aufgefallen war, arbeite man nun an einem „Aktionsplan“ für den Unternehmer.

Die Sendung haben die Verantwortlichen bei Burger King Deutschland aber wohl „intensiv verfolgt“, dennoch verweist das Unternehmen darauf, dass es sich bei Erol Yildiz um einen „rechtlich und wirtschaftlich” unabhängigen Unternehmer handelt. Die Angelegenheit sei aber „von höchster Bedeutung“ und die Ergebnisse aus der Sendung „sehr beunruhigend“, heißt es in einer Nachricht an die Facebook-Fans. Der Aktionsplan sehe ein Intensiv-Training aller Mitarbeiter sowie des Managements vor, „um sicherzustellen, dass alle relevanten Vorgaben und Prozesse eingehalten werden”. Fest steht, dass das Image des Fastfood-Giganten einen herben Dämpfer bekommen hat. Günter Wallraff aber wird weiter Skandale aufdecken. Solange zieht ein weiterer Shitstorm im Internet seine Kreise.

Ein fader Beigeschmack bleibt aber. Es ist nicht das ohnehin unspektakuläre Essen der Fastfood-Ketten, sondern vielmehr ein weiterer unbedachter Shitstorm, der nichts ändert und vergisst: Nicht alle Filialen haben diese Probleme. Oder wie Robert Michel, ein WebTV-Star auf seinem Harald-Schmidt-Fake-Account, sagt:

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