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Überschwemmungen in Triftern, Simbach und Tann : Katastrophenalarm in Bayern: Vier Tote gefunden

vom

Das Wasser steht meterhoch, Menschen werden ausgeflogen. Es gibt Opfer.

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2016 | 06:16 Uhr

Triftern | Land unter in Bayern: Der Landkreis Rottal-Inn hat wegen schwerer Überschwemmungen in mehreren Gemeinden Katastrophenalarm ausgelöst. Besonders betroffen sind nach Angaben der Behörden Triftern bei Pfarrkirchen und Simbach am Inn sowie die Gemeinde Tann.

In den vergangenen Tagen waren bei schweren Unwettern und Hochwasser im Süden Deutschlands vier Menschen ums Leben gekommen.

In Simbach wurden am Mittwochabend drei Menschen tot aufgefunden. Die Leichen seien von Tauchern gegen 20.30 Uhr in einem überschwemmten Haus entdeckt worden, teilten Polizei und das Landratsamt in Pfarrkirchen mit. Die näheren Umstände der Todesfälle und die Identität der Opfer sind zunächst nicht bekannt. Die Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen. Michael Fahmüller, der Landrat des Kreises Rottal-Inn, zeigte sich tief betroffen. „Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, sagte der CSU-Politiker. Kurz darauf wurde eine Frau tot in einem Bach in der Nachbargemeinde Julbach entdeckt. Eine weitere Person wird vermisst. Berichte, wonach die Person in der Gemeinde Zeilarn bereits tot geborgen worden sei, bestätigte die Polizei am Donnerstagmorgen nicht.

In dem Ort musste unter anderem die Polizeidienststelle evakuiert werden. „Da steht das Wasser meterhoch“, sagte ein Polizeisprecher. Bilder kursieren auf Twitter.

In Triftern wurde der Ortskern am Mittwoch überschwemmt. Nach Polizeiangaben wurden Menschen mit Hubschraubern von Hausdächern gerettet. „Es herrscht Land unter. Die Wassermassen kamen sehr schnell“, sagte Emil Bumberger von der Polizei in Pfarrkirchen am Mittag. „Die Situation hat sich in den letzten Stunden dramatisch zugespitzt. Der ganze Ortskern wurde von dem Altbach überspült“, sagte der Bürgermeister von Triftern Walter Czech (CSU). Am Abend beruhigte sich die Lage vor Ort.

Bilder von Twitternutzern zeigen das Ausmaß der Überflutungen in Simbach und Triftern.

Kinder in Schule eingeschlossen

Von den Wassermassen waren auch die Schule und die beiden Kindergärten von Triftern betroffen. Etwa 250 Schulkinder waren bis zum Abend noch in ihren Klassen, da Zufahrtswege vom Wasser abgeschnitten waren. Zum Glück liegt das Gebäude auf einem Berg. Offen war zunächst, ob die Kinder die Nacht in der Turnhalle verbringen müssen. Am Abend konnte die Feuerwehr die Kinder befreien und den Eltern übergeben.

Eine Frau ist in ihrem Haus in Triftern eingeschlossen.
Eine Frau ist in ihrem Haus in Triftern vom Wasser eingeschlossen. Foto: dpa
 

Rettungshubschrauber seien im Einsatz, um von den Wassermassen eingeschlossene Menschen zu retten, sagte Czech. Die Zufahrtsstraßen und Brücken sind überschwemmt. Verletzte habe es in Triftern bislang aber nicht gegeben, betonte der Bürgermeister. Neben zahlreichen Feuerwehren ist auch die Wasserwacht im Einsatz. „Alles, was wir verfügbar haben, ist im Einsatz“, hieß es vom Polizeipräsidium Niederbayern.

Rettungshubschrauber sind in Triftern im Einsatz, um vom Hochwasser eingeschlossene Anwohner zu befreien.
Rettungshubschrauber sind in Triftern im Einsatz, um vom Hochwasser eingeschlossene Anwohner zu befreien. Foto: dpa
 

Ein Video eines Facebook-Nutzers zeigt das steigende Wasser in Triftern:

Und auch ein Youtube-Video der „Passauer Neuen Presse“ zeigt die Naturgewalten in Triftern:

Polizisten seien auch von Grenzübergängen abgezogen worden. Auch auf österreichischer Seite herrsche Alarmbereitschaft.

Erste Bewegtbilder gibt es auch aus der Gemeinde Tann.

In Regen wurde eine Schulklasse bei einem Bootsausflug vom Unwetter überrascht. 20 Kinder strandeten auf einer Insel und mussten gerettet werden. Ein Mädchen erlitt einen Schock, eins eine Unterkühlung. „Letztlich ist das aber glücklich ausgegangen“, sagte der Polizeisprecher. Zuletzt hatten erst in der Nacht zu Montag Unwetter gewütet und Wassermassen vor allem in Mittelfranken mehrere Orte überflutet.

Hintergrund: Die Städte Trifter, Tann und Simbach

Triftern ist ein Markt im Landkreis Rottal-Inn in Niederbayern. Der Ort hat etwas über 5000 Einwohner und liegt nahe der Kreisstadt Pfarrkirchen.

Simbach am Inn ist der größte der drei am massivsten betroffenen Orte. 9690 Einwohner leben direkt am Inn, der die natürliche Grenze zum Nachbarland Österreich bildet. Braunau am Inn (Österreich) und Kirchdorf am Inn grenzen direkt an Simbach an. Von dem Hochwasser sind etwa 32.000 Menschen direkt oder indirekt betroffen. Das Rathaus im Jugendstil, die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt sowie St. Mariä Empfangnis sind vom Wasser bedroht.

Tann ist mit 3900 Einwohnern kleiner als Triftern und liegt etwa 13 Kilometer nordöstlich von Simbach. Die Stadt beherbergt mehrere kulturhistorisch wertvolle Gebäude, wie die klassizistische Pfarrkirche St. Peter und Paul oder den historischen Marktplatz im „Inn-Salzach-Stil“.

 

Auf einer Karte sind die betroffenen Orte zu sehen:

Starkregen auch in anderen Regionen

 

Starkregen machte den Menschen auch in Hannover zu schaffen. In Leipzig standen zeitweise einige Straßen unter Wasser. „Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht schnell genug aufnehmen“, sagte ein Feuerwehrsprecher. In einem Leipziger Krankenhaus musste die Feuerwehr Wasser aus der Notaufnahme abpumpen. Die Bahnstrecke zwischen Dresden und Prag, die am Dienstag überspült worden war, wurde hingegen wieder für den Verkehr freigegeben. Der DWD warnte aber vor neuen Gewittern, Starkregen und Hagel im Osten.

Die Pegelstände an Rhein, Nahe und Mosel fielen nach einem sprunghaften Anstieg zu Wochenbeginn zunächst wieder. Das Hochwassermeldezentrum in Rheinland-Pfalz teilte am Mittwoch mit, dass an zahlreichen Messpunkten sinkende Pegel gemeldet worden seien. Allerdings ist auch dort in den kommenden Tagen mit weiterem Regen zu rechnen. Die Wetterlage war zu labil, um vorherzusagen, wo und in welchem Ausmaß der Wasserstand erneut klettern könnte.

In Baden-Württemberg, wo das Tief „Elvira“ bereits am Sonntagabend schwere Verwüstungen angerichtet hatte, ging das Aufräumen weiter. Nach wie vor müssen Massen von Schlamm, Schutt und Trümmer beseitigt werden. Vier Menschen waren dort bei dem Unwetter ums Leben gekommen.

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