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Aggressives Bakterium : Kastaniensterben – Alleen in SH in Gefahr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bakterien und Parasiten befallen die imposanten Stadtbäume in Schleswig-Holstein – für viele gibt es keine Rettung.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2016 | 13:59 Uhr

In ganz Schleswig-Holstein sterben die Kastanien – und offenbar gibt es keine Möglichkeit, dies zu stoppen. So fürchtet die Stadt Schleswig, dass die Bäume in wenigen Jahren komplett aus dem Stadtbild verschwunden sein werden – besonders um die prächtige Kastanienallee auf Schloss Gottorf in Richtung Barockgarten sorgen sich die dortigen Umweltdienste der Stadtwerke. Hier stehen noch 56 der 120 Schleswiger Kastanien.

Stadtwerke-Mitarbeiter Arne Kähler und Mathias Frahm entdeckten diese Woche bei einem Ortstermin erneut zwei kranke Kastanien-Bäume. Man erkennt es mit bloßem Auge. Denn der Stamm sieht so aus, als würden – laienhaft gesprochen – dunkle Tränen aus seiner aufgebrochenen Rinde hervortreten. „Ja, es hilft nichts – die Bäume müssen bald weg, bevor das morsch werdende Geäst zur Gefahr für Passanten wird“, sagen die Umweltexperten.

Schuld daran ist ein aggressives Bakterium, das sogenannte Pseudomonas-Bakterium, das erstmals 2007 in Deutschland nachgewiesen wurde. Es infiziert die Kastanienbäume und bereitet damit den Weg für den Befall mit verschiedenen holz-zersetzenden Pilzen. Diese Pilze sind es, die dann das dramatische Ende der Kastanie herbeiführen – ausgerechnet einer Baumart, die seit Jahrhunderten vor allem städtische Grünanlagen prägt. Forstwirtschaftlich spielt die Kastanie bei uns keine Rolle.

Wie viele Bäume in Schleswig-Holstein betroffen sind, lässt sich laut Waldbau-Experte Jens-Birger Bosse von den Landesforsten nicht beziffern. „Ich rechne nicht mit einem apokalyptischen Szenario, wie einige es an die Wand malen. Aber trotzdem ist die Situation bedenklich“, sagt er. Denn es sind nicht nur die Bakterien, die den Bäumen zusetzen. Auch die Miniermotte lässt die Bäume erkranken – und sie dann ebenfalls zum leichten Opfer für tödliche Pilze werden.

In Gefahr sind laut Bosse vor allem Bäume, die an „suboptimalen Standorten“ stehen. „Aus ökologischer Sicht könnte man sagen: Willkommen in der Wirklichkeit.“ Nur sehr starke Bäume können sich erfolgreich zur Wehr setzen.

Der Forstexperte hofft, dass sich die Lage mittelfristig beruhigt und dann „auf niedrigem Niveau einpendelt“ – davon, dass Schleswig-Holstein komplett kastanienfrei wird, geht er nicht aus. „Es wird jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit weiter Verluste geben.“

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