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"Der Informant!" : Kapitalismuskritik aus den USA

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Steven Soderbergh erzählt in "Der Informant!" von einem unglaublichen Fall von Wirtschaftsspionage. Matt Damon spielt in dieser wahren Geschichte den FBI-Informanten Mark Whitacre.

shz.de von
erstellt am 04.Nov.2009 | 12:28 Uhr

Berlin Steven Soderbergh gehört zu den Regisseuren, die sich mit jedem Film "neu erfinden". Mit jedem neuen Werk vollzieht er stilistisch und thematisch eine Kehrtwende zum Vorgängerfilm. Das gilt auch für seinen neuen Film "Der Informant!", der auf das zweiteilige Revolutionsepos "Che" folgt. Noch nicht in den deutschen Kinos zu sehen war das formal experimentelle Low-Budget-Drama "The Girlfriend Experience".
"Der Informant!" lässt sich am ehesten als "satirische Komödie" oder besser noch als Starvehikel für Matt Damon bezeichnen. Basierend auf einem realen Fall erzählt der Film die Geschichte von Mark Whitacre, einem Topmanager des mächtigen US-Konzerns ADM. Dieser informierte Anfang der 90er Jahre das FBI über illegale Preisabsprachen seines Arbeitgebers und betätigte sich in den folgenden Jahren als Informant und Undercoveragent der Behörde.
Psychotischer Gauner oder verkannter Volksheld
Über Whitacres Beweggründe - immerhin war er ein Spitzenverdiener mit besten Karriereaussichten - gab es im Lauf der Jahre mehrere Versionen, die höchst gegensätzliche Bilder des Mannes und seiner Motive zeichnen. Für die einen ist er ein psychotischer Gauner, der von seinen eigenen Verfehlungen ablenken wollte, für die anderen ein verkannter Volksheld, der die korrupten Machenschaften des amerikanischen "Big Business" offenlegte. Soderbergh entscheidet sich tendenziell für die erste Variante.
Mark Whitacre, wie Soderbergh ihn inszeniert und Matt Damon ihn verkörpert, ist ein manisch-depressives, egomanes Schlitzohr, das sowohl seine Arbeitgeber als auch das FBI jahrelang an der Nase herumführt. Das ist sehr amüsant und unterhaltsam anzusehen, nur gehen Whitacres tatsächliche Verdienste dabei in einem Sammelsurium aus skurrilen Situationen, schrägen Charakteren und geschmacklosen Kostümen unter. Soderbergh und sein Drehbuchautor Scott Burns haben auf eine wie auch immer ausgerichtete moralische Komponente verzichtet und ihren Film auf Oberflächenreize ausgerichtet.
Zynische Gags und ein paar halbgare Kommentare
Sie verlassen sich dabei auf ihren Hauptdarsteller Matt Damon, der in fast jeder Szene präsent ist. Mit Schnurrbart, Hornbrille und leichtem Übergewicht erinnert Damon an Philip Seymour Hoffman in "Owning Mahowny", der in einem anderen Umfeld von einer ähnlich unglückseligen Verquickung von Geld, Gaunerei und psychischer Labilität erzählte.
In Tonfall, Ausstattung, Musik, Figurenkabinett und Absurdität ähnelt "Der Informant!" einem Coen-Film. Speziell "Burn after Reading" kommt einem beim Sehen immer wieder in den Sinn. Aber wo den Coens eine meisterhafte Farce über amerikanische Befindlichkeiten gelang, beschränkt Soderbergh sich auf zynische Gags und ein paar halbgare Kommentare zu Kapitalismus und Konsumgesellschaft. Die tiefste Erkenntnis des Films besteht darin, dass es nicht immer hehre Motive sind, die einen Mann zum Kämpfer für eine hehre Sache machen.

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