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Berufungsprozess : Kapitän Schettino wieder vor Gericht - die Katastrophe der Costa Concordia

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Vor vier Jahren rammte die Costa Concordia einen Felsen, 32 Menschen starben. Die Chronologie der Ereignisse.

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erstellt am 28.Apr.2015 | 10:13 Uhr

Florenz | Der Kapitän der Costa Concordia, Francesco Schettino, muss sich zum zweiten Mal vor Gericht verantworten. Der Berufungsprozess gegen den 55-Jährigen beginnt am Donnerstag in Florenz - mehr als vier Jahre nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes mit 32 Toten. Unter den Opfern waren auch zwölf Deutsche. Schettino wurde im Februar vergangenen Jahres in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Dagegen legten Staatsanwaltschaft und Verteidigung Berufung ein.

Was passierte genau? Die Chronologie des Unfalls und der Folgen:

13. Januar 2012: Die Havarie der Costa Concordia

Die Costa Concordia rammt einen Felsen vor der italienischen Insel Giglio. An Bord: mehr als 4200  Passagiere und Besatzungsmitglieder. Insgesamt 32 Menschen sterben bei der Havarie, unter ihnen sind auch zwölf Deutsche.

17. Januar 2012: Hausarrest für den Kapitän

Der Kommandant der «Costa Concordia», Francesco Schettino, posiert in Norwegen an Bord des Schwesterschiffes «Costa Atlantica».
Der Kommandant der «Costa Concordia», Francesco Schettino, posiert in Norwegen an Bord des Schwesterschiffes «Costa Atlantica». Foto: Rolf Niemeyer

Vorwürfe gegen den Kapitän, Francesco Schettino, werden immer lauter. Ein bizarres Gespräch zwischen ihm und der Küstenwache lässt die Ermittler vermuten, Drogen seien im Spiel. Schettino soll eigenmächtig die gefährliche Route viel zu nahe an der Küste gewählt haben, um seinem von der Insel stanmmenden Oberkellner Antonelle Tievoli die Möglichkeit zu geben Giglio zu grüßen. Schettino beteuert, dass das Riff nicht auf der Navigationskarte verzeichnet gewesen sei – obwohl der im Meer aufragende Felsen in der Region als Landmarke gilt. Eine Richterin stellt ihn unter Hausarrest. Die Vorwürfe: mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlasen des Schiffes während der Evakuierung.

24. Januar 2012: Erste Vorbereitungen

Elf Tage nach der Havarie beginnen die Vorbereitungen für das Abpumpen des Schweröls.

18. Juni 2012: Die Bergung beginnt

 

Mehr als fünf Monate nach der Havarie beginnt die Bergung des Wracks.

5. Juli 2012: Ende des Hausarrests.

Schettino wird aus dem Hausarrest entlassen. Er ist nur noch verpflichtet, in seinem Heimatort südlich von Neapel zu bleiben. Gleichzeitig wird eine Notiz für seine Anwälte öffentlich. Er sei kein Feigling, schreibt Schettino nach Angaben der italienichen Nachrichtenagentur Ansa. Außerdem lobte er demnach seine schnelle und geistesgegenwärtige Reaktion, die eine weitaus größere Zahl von Todesopfern verhindert habe. Zuvor hatte er erklärt, er habe das kenternde Schiff in Richtung Hafen geführt, um die Evakuierung einfacher zu machen. In der jüngsten Notiz erklärte er den Angaben zufolge, das Schiff „aus reinem Instinkt heraus“ rasch aus der Gefahrenzone gelenkt zu haben.

11. Juli 2012: Schettino und der banale Unfall

In einem TV-Interview spricht Schettino von einem banalen Unfall, bittet aber auch um Vergebung. Im Internet brandet Entrüstung auf.

20. Oktober 2012: Ende der Beweisaufnahme

Die «Costa Concordia» fuhr am 13. Januar 2012 auf einen Felsen und kenterte.
Die «Costa Concordia» fuhr am 13. Januar 2012 auf einen Felsen und kenterte. Foto: Maurizio Degl' Innocenti

Die einwöchige Beweisaufnahme geht zu Ende. Die Staatsanwaltschaft sieht die Verantwortung des Kapitäns bestätigt.

2. November 2012: Fortschritt am Wrack

Das Wrack der Costa Concordia ist gesichert.

10. April 2013: Vergleich für Costa Crociere

Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere einigt sich mit der Justiz auf einen Vergleich. Sie muss eine Million Euro Strafe zahlen, die Ermittlungen gegen die Gesellschaft werden eingestellt.

15. April 2013: Voranhörungen in Grosseto

Vor einem Gericht in Grosseto beginnen die Voranhörungen für einen Prozess. Die Staatsanwaltschft hatte gefordert, ein Verfahren gegen Schettino und fünf weitere Beschuligte zu eröffnen.

9. Juli 2013: Streik verzögert den Prozess

Das Gericht vertagt den Prozess gegen Schettino wegen eines Streiks der Anwälte gleich nach Beginn auf den 17. Juli.

17. Juli 2013: Prozessbeginn

Mit Verzögerung beginnt der Prozess, einziger Angeklagter ist Schettino. Ihm werden mehrfache fahrlässige Tötung sowie Körperverletzung und Verlassen des Schiffes noch während der Evakuierung vorgeworfen. Schettino drohen nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehrere Jahre Haft. Sie sieht in ihm den Hauptverantwortlichen für die Katastrophe um das Kreuzfahrtschiff.

20. Juli 2013: Haftstrafen - ohne Prozess

Vier Crewmitglieder und ein Manager von Costa Crociere erhalten ohne Prozess Haftstrafen bis zu knapp drei Jahren. Sie hatten ihre Schuld eingeräumt, um die Strafen zu mindern.

16./17. September 2013: Die Concordia „steht“ wieder

Zu diesem Zweck wurden 30 Schwimmkästen an den Seiten des ehemaligen Kreuzfahrtschiffs angebracht, um den Schiffskörper in seine endgültige Position zu bringen. Das Wasser wurde schrittweise abgelassen und mit Druckluft herausgepresst, bis die Behälter endgültig leer waren.
Zu diesem Zweck wurden 30 Schwimmkästen an den Seiten des ehemaligen Kreuzfahrtschiffs angebracht, um den Schiffskörper in seine endgültige Position zu bringen. Das Wasser wurde schrittweise abgelassen und mit Druckluft herausgepresst, bis die Behälter endgültig leer waren. Foto: dpa

Das Wrack der Costa Concordia wird wieder aufgerichtet und stabilisiert. Die Bergungsaktion dauert 19 Stunden.

 

1. Februar 2014: Todesfall am Wrack

Ein Taucher stirbt bei Bergungsarbeiten am Wrack.

3. April 2014:  Wer trägt die Schuld?

Schettino gibt laut einem Medienbericht den Offizieren alle Schuld an dem Unglück.

30. Juni 2014: Schicksal besiegelt

Die Regierung entscheidet, dass das Wrack nach Genua geschleppt und dort verschrottet werden soll.

14. Juli: Letzte Vorbereitungen

 

21. Juli 2014: Die Costa Concordia aus der Luft am Tag vor ihrem Abtransport.
21. Juli 2014: Die Costa Concordia aus der Luft am Tag vor ihrem Abtransport. Foto: dpa

Mit dem Aufschwimmen des Wracks beginnt die entscheidende letzte Phase der komplizierten Bergung. In den folgenden Tagen wird das Schiff für den Abtransport vorbereitet. Am 21. Juli geht es los - einen Tag später als geplant.

27. Juli 2014: Die letzte Reise der Costa Conordia

Die Costa Concordia im Schlepptau nach Genua.
Die Costa Concordia im Schlepptau nach Genua. Foto: dpa

Der frühere Luxusliner trifft in Genua ein. Die letzte Reise des Kreuzfahrtriesen ist zu Ende. Für die Bergung des havarierten Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia und Entschädigungszahlungen an die Passagiere muss die italienische Reederei Costa Crociere nach eigenen Angaben mindestens 1,5 Milliarden Euro aufbringen, berichtet Focus. Das sind 500 Millionen mehr, als noch vor rund einem Jahr geschätzt.

3. November 2014: Das letzte Opfer

Das vermutlich letzte Opfer wird gefunden, ein bislang vermisster indischer Kellner. Die Leiche des Mannes wird in einem Teil des Schiffes gefunden, der bisher wegen der Zerstörung nicht zugänglich war. In der Kleidung sei auch ein Ausweis gefunden worden, der den Namen des Kellners trage, berichtet Ansa.

13. Dezember: Schettino räumt Mitschuld ein

Bisher hat Schettino die Richter und die Öffentlichkeit mit seiner lockeren Art, mit der er über das Unglück spricht, schockiert. Jetzt räumt der Ex-Kapitän vor Gericht eine Mitschuld ein.

26. Januar 2015: Plädoyers

Die Staatsanwaltschaft fordert mehr als 26 Jahre Haft für Schettino.

9. Februar 2015: Plädoyer der Verteidigung

Schettino hat nach Ansicht seiner Anwälte nach der Havarie der „Costa Concordia“ mit seinem Handeln eine noch größere Katastrophe verhindert. „Ob Schettino richtige oder falsche Entscheidungen getroffen hat? Richtige! Wenn er sofort die Evakuierung angeordnet hätte, wären 4000 Menschen gestorben“, sagte sein Anwalt Domenico Pepe am Montag vor dem Gericht im toskanischen Grosseto. Schettino habe nach dem Unglück freiwillig alle Schuld auf sich genommen, erklärte Pepe laut Nachrichtenagentur Ansa. Pepe wies die Vorwürfe der Anklage zurück, die Schettino als „unvorsichtigen Idioten“ bezeichnet und eine Haftstrafe von 26 Jahren und drei Monaten gefordert hatte. „Schettino ist eine anständige Person. Wenn der Staatsanwalt ihn als einen Idioten bezeichnet, ist das eine Beleidigung.“ Die Verteidigung fordert einen Freispruch.

11. Februar 2015: Das Urteil

Das Gericht im toskanischen Grosseto veruteilt Schettino in erster Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft - unter anderem wegen mehrfacht fahrlässiger Tötung. Das Gericht spricht spicht den Mann in allen Anklagepunkten schuldig, bleibt jedoch deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. „Es ist eine übertriebene Strafe, die viel, viel zu hoch ist. Aber das wichtige ist, dass er nicht verhaftet wurde, das ist eine positive Sache“, sagt Schettinos Anwalt Domenico Pepe. „Jetzt werden wir sehen, ob dieses Urteil im Berufungsprozess bestätigt wird.“ Auch die Staatsanwaltschaft legt gegen das Urteil Berufung ein. Schettino bleibt auf freiem Fuß: Das Urteil gegen ihn ist noch nicht rechtskräftig

28. April 2016: Der Berufungsprozess beginnt

In Florenz beginnt der der Berufungsprozess gegen den 55-jährigen Francesco Schettino.

Mit dpa

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