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Diskriminierung : Kampf gegen Sexismus: Geschlechterneutral und politisch korrekt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch der Kampf gegen die Diskriminierung von Geschlechtern trägt den Keim ideologischer Indoktrination in sich.

shz.de von
erstellt am 01.Jul.2017 | 17:35 Uhr

Die Diskriminierung der Geschlechter, von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe oder Religion, von Behinderten und Angehörigen bestimmter sozialer Gruppen hängt ganz wesentlich vom Menschenbild ab. Ideologien spielen dabei eine Rolle, Kultur und Erziehung oder die Religion. Männer geben meist den Ton an. Christus und seine Jünger sind ebenso männlich wie der Koran frauenfeindlich. Werden die Aussagen des Propheten Mohammed so ausgelegt, wie dies viele Muslime tun, werden Männer nach einem wohlgefälligen Leben im Paradies mit 72 Jungfrauen belohnt. Sexismus pur.

Das Beispiel zeigt, welche Bilder durch Köpfe geistern. Es kommt nicht nur darauf an, was gesagt oder geschrieben wird, sondern auch darauf, wie es die Empfänger aufnehmen. Denn tatsächlich wird im Koran nichts über Sexualität im Paradies gesagt. Muslime, die mit den versprochenen 72 „Huri“ eine sexuelle Belohnung verbinden, haben vor allem Geschlechterstereotype vor Augen. Kapitalismus, Faschismus und der Kommunismus haben ebenso Menschenbilder geprägt, die für Unterdrückung, Ausbeutung, Ausgrenzung und Diskriminierung stehen. Sklaven waren einst „Handelsware“, so wie die Näherinnen in Bangladesch und anderswo bis heute von westlichen Unternehmen ausgenutzt werden.

Der Nationalsozialismus verfolgte Schwulen und Lesben, während der Kommunismus Unterdrückung durch Gleichmacherei betreibt. Das Regime in Nordkorea ist Aldous Huxleys „Schöne(r) neue(n) Welt“ am nächsten. Menschen werden in dem 1932 erschienenen Zukunftsroman künstlich in Reproduktions-Fabriken erzeugt; es bedarf nicht mehr der menschlichen Fortpflanzung durch Mann und Frau. In „Fertilisationsstationen“ entsteht der perfekte Mensch. Ob dies das Ende des Sexismus wäre, steht auf einem anderen Papier. Entmenschlichung hat viele Gesichter.

Auch der richtige und notwendige Kampf gegen die Diskriminierung von Geschlechtern trägt den Keim ideologischer Indoktrination in sich. Müssen wirklich Bilderbücher „entnormalisiert“ werden, weil sie die Vorstellung einer traditionellen Familie mit Mann und Frau in einer heterosexuellen Ehe vermitteln und homo-, trans- und bisexuelle Lebensgemeinschaften vernachlässigen? Wie tief sich das genderistisch indoktrinierte Menschenbild inzwischen ins Denken eingepflanzt hat, zeigt sich, wenn sich junge Mütter gegen Beruf und Karriere entscheiden und ihre Kinder nicht in den Kindergarten schicken, sondern zu Hause erziehen. Von „Herdprämie“ ist dann die Rede. Eine ganz neue Form der Diskriminierung von Frauen – unabhängig davon, ob Kita oder häusliche Erziehung fürs Kind besser ist.

Tatsächlich ist Sexismus trotz jahrzehntelangen Kampfes allgegenwärtig – zumal, wenn er nicht auf die Diskriminierung von Frauen reduziert wird. Die Rede ist von der Werbung. Jugend- und Schönheitswahn gehören dazu, und selbstverständlich wird kein Discounter mit muslimischen Frauen und Männern werben, obwohl diese durchaus eine relevante Käuferschicht darstellen. Nur der gesunde, smarte und vor allem kaufkräftige Mensch zählt in der Konsumwelt; Kranke, Behinderte oder sozial Schwache gibt es nicht in diesem Wohlstandsparadies.

Stattdessen orientiert sich moderner Sexismus jenseits der Geschlechter an den Gewinnern und Verlierern in zunehmend gespaltenen Gesellschaften. Das zeigt sich am wieder zunehmenden Rassismus in den USA, aber auch an neuen Unterdrückungs- und Ausgrenzungsmechanismen im Internet. Das zunehmende Cyber-Mobbing ist nach Untersuchungen amerikanischer Soziologen keine Frage von Mädchen oder Junge. Alle sind zum „schwachen Geschlecht“ geworden; jeder kann Opfer werden.

Zurück zur Gender-Bewegung, die mit einer anderen Strömung einhergeht, der „politischen Korrektheit“. Zu ihr und zum Kampf gegen den Sexismus gehört es, die Sprache, in der das Männliche dominiert, um weibliche Formen zu ergänzen. Die geschlechtergerechte Sprache erzeugt dabei viele Blüten. So beschloss die Universität Leipzig 2013 eine neue Grundordnung, in der statt der üblichen, meist männlichen Form nur noch „grammatisch feminine Personenbezeichnungen“ benutzt wurden. Männer könnten „die Amts- und Funktionsbezeichnungen dieser Ordnung in grammatisch maskuliner Form führen“, empfiehlt die Universität. Zu Deutsch heißt der männliche Professor nach dieser Grundordnung „Herr Professorin“.

Man kann es eben übertreiben. So wie die römischen Behörden, die im vergangenen Jahr zum Besuch des iranischen Präsidenten Rohani mehrere nackte Statuen auf dem Kapitol verhüllen ließen, um den Gast mit muslimischem Glauben nicht zu brüskieren. Im Genderwahn müsste die ganze abendländische Kunst zensiert werden – einschließlich Literatur und Liedgut.

Vergessen wird beim Kampf gegen Sexismus im erweiterten Sinne zudem die Betrachtung des einzelnen Menschen. So suggeriert der herrschende Inklusions-Aktionismus, dass es diskriminierend sei, Menschen mit Behinderungen in besonderen Förderschulen zu unterrichten, anstatt zu fragen, was den Betroffenen wirklich dient. Die ideologische Gleichmacherei beginnt mit der These, dass das Geschlecht nicht naturgegeben sei, sondern von den sozialen Verhältnisse geprägt werde. Und sie endet in den USA mit Kunstbegriffen, die Behinderte vor Ausgrenzung schützen sollen. Das grenzt schon mal an Lächerlichkeit – beispielsweise, wenn Kleinwüchsige als „vertikal Herausgeforderte“ bezeichnet werden.

Am Ende ist alles eine Frage des Menschenbildes und des Respektes. Das erlebte die Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller bei einem Besuch in ihrer Heimat Rumänien. Die dort lebenden Sinti und Roma, so erzählt sie, haben nichts dagegen, wenn sie – politisch unkorrekt – Zigeuner genannt werden. „Das Wort ist gut, wenn man uns gut behandelt“, sagten sie der Schriftstellerin.

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