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Florierender Schwarzmarkt-Handel : Kalifornien bereitet der Nuss-Diebstahl Kopfzerbrechen

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Lastwagenladungen voller Nüsse verschwinden in Kalifornien. Die Polizei ist machtlos, die Nuss-Mafia gut organisiert.

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erstellt am 22.Apr.2016 | 14:24 Uhr

Sacramento | Kupferraub an Bahnanlagen, Fahrraddiebstahl aus dem Keller im Mehrfamilienhaus oder Autoklau an der A7: Nichts ist bei Schleswig-Holsteins Dieben so begehrt wie Edelmetall und Edel-Karossen. In Kalifornien kämpft man indessen gegen eine Art Nuss-Mafia. Mehr als 30 Lastwagenladungen mit Mandeln, Pistazien, Cashews, Pekanüssen und Walnüssen sind im US-Bundestaat in den letzten sechs Monaten spurlos verschwunden. Das dürfte Allergiker freuen, Nuss-Farmern und verarbeitenden Betrieben bereitet es Kopfzerbrechen.

Die Walnuss, die Mandel oder auch die Pistazien gehören zu den größten Exportgütern in Kalifornien. Der Schaden durch die Diebstähle ist immens und schadet Farmern, Arbeitern und dem Staat gleichermaßen.

Auf dem Schwarzmarkt floriert der Handel mit den edlen und teuren Nüssen. Die verschwundenen Ladungen haben einen Schätzwert von rund 10 Millionen US-Dollar. Doch wie bekommen die Diebe ihre Hände an die Nuss? In der Tat scheint es einfach zu sein, die lange und komplizierte Lieferkette vom Anbauer bis zum Supermarkt zu infiltrieren. Irgendwo auf dem Weg geht die Nuss dann verloren. „Alles was wir bisher kannten, war der Diebstahl von Nüssen direkt von der Plantage, wo Leute dann einen Eimer voll auf einem Markt verkauft haben“, sagt der Präsident der Western Agricultural Processors Association (WAPA), Roger Isom gegenüber dem Online-Nachrichtenportal Quartz. So etwas wie jetzt habe man noch nie gesehen.

Der Vorteil der Nuss: Sie hat, anders als Elektronik, keine Seriennummer und kann weder elektronisch gekennzeichnet noch verfolgt werden. So ist es nicht nachvollziehbar, woher eine Nuss tatsächlich stammt. Ein weiterer Vorteil ist die lange Haltbarkeit der Nüsse. So ist es nicht verwunderlich, dass Nahrungsmittel und (alkoholische) Getränke Technik als meistentwendetes Gut in den USA abgelöst haben. Anders als ein Lastwagen voller Flachbildschirme, löst ein Sattelzug mit einer Nussladung in Kalifornien keinen Verdacht aus – bislang. 98 Prozent aller Pistazien und 99 Prozent aller Walnüsse in den USA werden laut Quartz in Kalifornien angebaut. Der weltweite Markt für Mandeln wird zu 80 Prozent aus dem US-Bundestaat bedient.

Die Polizei scheint machtlos zu sein. Sie muss beweisen, dass die Nüsse auf einem Lkw gestohlen sind, andernfalls darf der Fahrer mit seiner Ladung weiterfahren. Bei den Diebstählen handelt es sich zudem nicht um Raubüberfälle, die mit Gewalt ausgeübt wurden, sondern um Betrug. Die Ermittlungen der Behörden drehen sich um ein Netzwerk von Kriminellen, die sich in dem komplexen Distributionssytem von Farmern, Verarbeitungsunternehmen und Käufern gut auskennen.

Wenn eine Supermarktkette tonnenweise Pistazien bestellt, werden Vermittler bemüht, die die Abholung der wertvollen Fracht in einer Online-Auktion anbieten. Die höchstbietende Spedition erhält den Auftrag. Diese wiederum geben die Abholungsaufträge an einzelne Fahrer ab. „Irgendwo setzen die Kriminellen dann an“, berichtet Mike Boudreaux, Sheriff im Tulare County. Das geschehe durch Scheinfirmen, gefälschte Papiere und der Umleitung von Lieferungen. Oftmals wüssten nicht mal die Fahrer, dass sie etwas Kriminelles tun.

Eine Task Force soll die Fälle nun besser untersuchen. Ebenfalls sollen Farmer, Betriebe und Käufer für das Thema sensibilisiert werden. Den Schaden tragen in erster Linie die Farmer und die Arbeiter – natürlich aber auch die gesamte Wirtschaft.

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