Indoraptor vs. T-Rex : „Jurassic World 2“: Was taugt „Das gefallene Königreich“?

<p>Kinder lieben Dinos - diese allerdings mit Vorbehalt. Szene aus 'Jurassic World 2: Das gefallene Königreich'.</p>

Kinder lieben Dinos - diese allerdings mit Vorbehalt. Szene aus "Jurassic World 2: Das gefallene Königreich".

Chris Pratt versagt in „Jurassic World 2“, der Indoraptor auch. Bayonas „Das gefallene Königreich“ will zuviel.

shz.de von
05. Juni 2018, 21:52 Uhr

Am 6. Juni kommt „Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“ ins Kino. Was taugt die Fortsetzung der Nummer fünf in der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten?

Es geht um alles: „Jurassic World 2“

„Gott kommt in dieser Geschichte nicht vor“, sagt Jeff Goldblum. Der Star aus Steven Spielbergs Original-Film ist für einen Gastauftritt in die Jurassic-Welt zurückgekehrt, hat in diesem Fall aber unrecht. In „Jurassic World 2“ kommt alles vor: Vulkane und Dinosaurier, verrückte Wissenschaftler, bellende Söldner, scheiternde Liebende und halt auch Gott. Mit J. A. Bayona führt ein spanischer Horrorfilmer Regie, da bleiben Schauerbilder vom himmlischen Strafgericht nicht aus. Tatsächlich gibt es diesmal sogar eine Arche Noah. Denn der Blockbuster inszeniert das Massensterben des Mesozoikums im Kleinen nach, indem er auf dem Gelände des Saurierparks einen Vulkan ausbrechen lässt und die Geschichte über die Rettung der letzten lebenden Saurier entwickelt. ("Jurassic World" erfolgreicher als „Jurassic Park“? Auch inflationsbereinigt? Fakten zum Film)

Der Auftakt ist noch gut

„Jurassic World 2“ beginnt mit einer nächtlichen Unterwasser-Expedition zu nun verwilderten Dinosauriern. Die Atmosphäre ist bedrohlich, die Monstren blitzen nur kurz im Schein einer Signalboje auf, und der erste Protagonist des Films stirbt für einen so grausamen Gag, dass man fast glaubt: Womöglich ist hier mal ein Blockbuster gelungen, dem Stimmung wichtiger ist als Überwältigung. An einer kompletten Neuerfindung der Marke dürfte allerdings kaum einer interessiert gewesen sein; der Vorgänger „Jurassic World“ (2015) hat 1,7 Milliarden Dollar eingespielt. Das ergibt Rang fünf der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Das vollgestopfte Resultat sieht nun so aus, als hätte Bayona deshalb einfach beides machen wollen: den Vorgänger toppen und was ganz Neues probieren.

<p>Zurück beim T-Rex: In 'Jurassic World 2: Das gefallene Königreich' muss Chris Pratt die Dinos vor einem Vulkanausbruch retten.</p>
Universal Pictures

Zurück beim T-Rex: In "Jurassic World 2: Das gefallene Königreich" muss Chris Pratt die Dinos vor einem Vulkanausbruch retten.

„Jurassic World 2“ zerfällt in zwei Teile

Die erste Hälfte spielt in den Ruinen des Vergnügungsparks und beschränkt sich darauf, das Vorbild zu überbieten: Das neue Monster ist eine Kreuzung der beiden beliebtesten Dinos aus „Jurassic World 1“; und in den Dino-Stampeden regnen nun auch noch brennende Felsen auf die Helden herab. Dass Bayona den Overkill selbst nicht ernst nehmen kann, zeigt sein verrutschter Tonfall: Selbst ein Sympathieträger, den von oben Lava und von hinten ein Fleischfresser bedrängt, wird in seiner berechtigten Panik zur Lachnummer. Warum auch nicht. Mit Chris Pratt, dem schlechtesten Schauspieler seiner Preisklasse, legt ja auch der Hauptdarsteller jede Szene komisch an, egal, wer ihn inszeniert. Chris Pratt zu animieren würden dem Film auf jeden Fall einen größeren Dienst erweisen als drei animierte Saurier.

Die zweite Hälfte des Films spielt im Anwesen eines moribunden Dinopark-Milliardärs, das oben eine Art Spukhaus ist und im Keller Frankensteins Werkstatt beherbergt. Hier setzt Bayona seine Akzente: Kinderzimmer werden vom Grauen heimgesucht (sowie von Bayonas Stammschauspielerin Geraldine Chaplin); und der äußere Schrecken gefräßiger Tiere weicht dem inneren qualvoller Familiengeheimnisse. Als Einzelbild ist das suggestiv, es ergibt nur kein Ganzes.  (Von „Meg“ bis „Equalizer 2“: die Sommer-Blockbuster 2018)

Der Indoraptor - ein gespaltener Charakter

Das gilt sogar für den zentralen Schurken der Geschichte, den Indoraptor, der in jeder Sequenz etwas anderes ist: Am stimmungsvollsten inszeniert Bayona ihn dort, wo er die Film-Dinos am meisten verbiegt: Wenn seine Klaue nach dem Kind greift, wird das Tier zum magischen Bett-Monster, auf dem Dach des alten Gemäuers turnt er wie ein lebender Wasserspeier. Stark überhöhende Szenen lassen den Indoraptor aber auch als Gottes Strafe des menschlichen Hochmuts erscheinen; als Höllengeburt der Gen-Technik wird er später von seinen versteinerten Ahnen gerichtet. Dann wieder banalisiert die Geschichte den Killer: Als waffenfähige, auf Knopfdruck parierende Zuchtbestie gerät er in gefährliche Nähe zu dressierten Affen.  („Solo“ scheitert an der Kasse: Woran hat es gelegen?)

In einer Orgie der Beliebigkeit sind die Dinosaurier in „Jurassic World 2“ einfach alles: rettender Held (T-Rex), Ersatzkind (Velociraptor), Clown (ein torkelnder Mini-Dino, der mit seiner Stirnplatte Gefängniswände und Gangster umrennt). Nur eines sind sie nicht mehr: die absichtsvolle Analogie zum Größenwahn des Blockbuster-Kinos. In Spielbergs „Jurassic Park“ schwenkte die Kamera noch lustig das Merchandising-Regal des Dino-Parks ab, das dieselben Artikel zeigte, die dann auch der Film verkaufte. Von dieser Selbstironie ist nicht mehr viel übrig geblieben. 

„Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“. USA 2018. R: J. A. Bayona. D: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard. 128 Minuten, ab 12 Jahren.

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