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Missbrauchsvorwürfe gegen Filmproduzenten : Jetzt ermittelt auch die Polizei gegen Harvey Weinstein

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein italienisches Model gibt an, von dem Filmproduzenten missbraucht worden zu sein.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 08:16 Uhr

Los Angeles | Die Polizei in Los Angeles ermittelt wegen Missbrauchsvorwürfen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag. Ein mögliches Missbrauchsopfer sei von der Polizei befragt worden, sagte Polizeisprecher Sal Ramirez. Der Vorfall aus dem Jahr 2013 werde nun von den Ermittlern untersucht. Nähere Angaben zu dem möglichen Opfer machte der Sprecher zunächst nicht.

Der Weinstein-Skandal war nach einem Bericht der „New York Times“ ins Rollen gekommen, wonach der einflussreiche Hollywood-Produzent („Pulp Fiction“, „The King's Speech“) über Jahrzehnte Schauspielerinnen und Mitarbeiterinnen seiner Firma belästigt und in einigen Fällen missbraucht hat. Der Zeitung zufolge hielt Weinstein mindestens acht Frauen mit Schweigegeld davon ab, an die Öffentlichkeit zu gehen. Weinstein bestreitet, Frauen zum Sex gezwungen zu haben. Im Internet melden sich seit dem Skandal unter dem Schlagwort „#metoo“ („Ich auch“) zahlreiche Frauen in aller Welt zu Wort, die belästigt oder missbraucht wurden.

Der „Los Angeles Times“ zufolge soll es sich um eine 38-jährige Schauspielerin aus Italien handeln. Demnach soll die Frau, die auch als Model arbeitet, angegeben haben, 2013 in einem Hotel in Beverly Hills sexuell missbraucht worden zu sein. Die Frau wird von dem US-Anwalt Dave Ring in Los Angeles vertreten. Sie wollte vorerst anonym bleiben, hieß es.

Weinsteins Sprecherin Sallie Hofmeister reagierte am Donnerstag auf die neuen Vorwürfe. „Mr. Weinstein kann sich natürlich nicht zu anonymen Anschuldigungen äußern, aber er weist Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex eindeutig zurück“, heißt es in der Mitteilung.

Das mutmaßliche Opfer schilderte der „Los Angeles Times“, dass sie Weinstein kurz bei einem italienischen Filmfest in Los Angeles gesprochen habe. Danach sei er „ohne Warnung“ in der Lobby ihres Hotels erschienen. Er habe auf ihr Zimmer kommen wollen, doch sie habe „nein“ gesagt. Er habe dann an ihre Tür geklopft und gesagt, er wollte nur mit ihr sprechen, sagte die Frau.

Dann sei er „sehr aggressiv“ geworden. Er habe sie ins Badezimmer gezogen und dort vergewaltigt. „Als er ging, hat er so getan, als sei nichts passiert“, schilderte die Frau.

In dem Zeitungsinterview gibt sie weiter an, dass sie Angst gehabt habe, Weinstein bei der Polizei anzuzeigen. Sie habe aber einem Priester, einem Freund und einem Kindermädchen von dem Vorfall erzählt.

Der „Times“ zufolge ist die Frau in Italien als Schauspielerin und Model bekannt. Zur Zeit des angeblichen Vorfalls habe sie mit ihren drei Kindern in Italien gelebt, inzwischen lebe sie aber in Kalifornien.

Mehr als 40 Frauen haben sich in den letzten Tagen mit Vorwürfen von sexuellen Belästigungen bis Vergewaltigungen gegen Hollywood-Mogul Weinstein (65) zu Wort gemeldet. Auch die Polizeibehörden in New York und London kündigten bereits an, Ermittlungen gegen Weinstein aufnehmen zu wollen. Die New Yorker Polizei wolle eine eigentlich bereits abgeschlossene Ermittlung gegen Weinstein aus dem Jahr 2004 neu aufrollen, hieß es.

Vorwürfe sexuellen Missbrauchs auch aus Großbritannien

Auch die Polizei in London erwägt nach britischen Medienberichten ein Ermittlungsverfahren gegen den Produzenten. Scotland Yard bestätigte kürzlich auf Anfrage, dass die Polizei den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs prüfe, der von den Kollegen in Liverpool weitergeleitet worden sei. Es handele sich um einen Vorfall aus den 80er Jahren.

Deutsche Schauspielerin spricht über sexuelle Belästigung

Im Weinstein-Skandal wird immer deutlicher, dass Sexismus und Übergriffe auch in der deutschen Film- und Fernsehbranche ein Thema sind. Schauspielerin Nina Brandhoff (43) sagte „Spiegel Online“, sie schätze die meisten ihrer Kollegen sehr, „aber leider gibt es auch welche, die ihren Status als Hauptdarsteller ausnutzen“. Einer habe ihr während einer Drehpause das T-Shirt hoch gezogen, um drunter zu schauen. „Einer anderen Schauspielerin steckte er einfach seine Zunge ins Ohr. Er belästigt fast jede Frau am Set. Alle bekommen es mit. Aber keiner sagt etwas, dazu ist er für die Serie zu wichtig.“

Die deutsche Schauspielerin Nina Brandhoff.

Die deutsche Schauspielerin Nina Brandhoff.

Foto: dpa

Zuschauer kennen Brandhoff aus Auftritten in Serien wie „Um Himmels Willen“, „SOKO München“ und „Die Rosenheim-Cops“. Erst vor Kurzem habe sie von einem Regisseur, der ihr eine Rolle in Aussicht gestellt habe, den Satz zu hören bekommen: „Ich würde jetzt gern deine Brüste aus deinem Ausschnitt holen und daran herumspielen.“ Bei „Spiegel Online“ meldeten sich dem Bericht zufolge Dutzende Frauen, die Ähnliches erlebt haben, aber nicht mit Namen darüber sprechen wollten.

 

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