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Schwere Überschwemmungen : Japan: Suche nach Vermissten geht weiter

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Die Bilder erinnern an die Tsunami-Katastrophe vor viereinhalb Jahren: Rekordstarke Regenfälle haben große Gebiete im Osten Japans überflutet. Dabei spielen sich dramatische Szenen ab.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2015 | 13:12 Uhr

Tokio | Bei der Flutkatastrophe im Osten Japans sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Rettungskräfte suchten am Freitag in der überschwemmten Stadt Joso in der Provinz Ibaraki weiter nach 23 Vermissten, darunter zwei achtjährige Kinder. Die 45 Kilometer nördlich von Tokio gelegene Stadt war am Donnerstag überflutet worden, als Deiche eines Flusses nach heftigem Regen brachen. Zwar schien am Freitag wieder die Sonne, doch die Einsatzkräfte mussten wegen der gewaltigen Wassermassen und Zerstörungen viele weitere Bewohner mit Helikoptern und Schlauchbooten retten.

Am Vortag waren nach schweren Regenfällen die Uferbefestigungen von Flüssen gebrochen. Eine Fläche von mehr als 30 Quadratkilometern wurde überschwemmt, Häuser, Bäume und Autos fortgerissen. Schätzungen nach drang das Wasser in Tausende von Haushalten ein. Fast 7000 Häuser wurden beschädigt. Rund 150.000 Menschen im Osten des Inselreichs waren aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

Polizei, Feuerwehr und Militär bot sich nach den sintflutartigen Niederschlägen in Folge eines Taifuns ein Bild der Verwüstung. Tausende Häuser und Geschäfte sind beschädigt, manche wurden von den Wassermassen fortgespült. Straßen rissen auf, Autos trieben in den Fluten, Bäume und Strommasten lagen umgestürzt im Schlamm.

Eine 48-jährige Frau starb, als ihr Auto von den reißenden Fluten erfasst wurde. Für eine 63-Jährige in der Provinz Tochigi kam ebenfalls jede Hilfe zu spät. Ein 25-Jähriger kam ums Leben, nachdem er in einem Abflussrohr stecken geblieben war.

Hunderte hatten die Nacht über in ihren unterspülten Häusern und Geschäften ausgeharrt. In schnell eingerichteten Notunterkünften wurden die obdachlos gewordenen Bewohner mit Lebensmitteln und Schlaflagern versorgt, sie richteten sich am Freitag auf eine weitere Nacht ein. Hunderttausende Menschen im Osten des Landes waren zwischenzeitlich aufgefordert gewesen, sich vor den Naturgewalten in Sicherheit zu bringen.

Ein Fernsehbericht des philippinischen TV-Senders ABS-CBN News zeigt Bilder von den Überschwemmungen und Rettungseinsätze:

In teils dramatischen Rettungsaktionen wurden am Donnerstag mehr als hundert Menschen in Joso in der mit am schwersten betroffenen Provinz Ibaraki mit Helikoptern und Booten von Dächern und Balkonen ihrer Häuser gerettet. Am späten Abend (Ortszeit) wurden noch mindestens neun Menschen vermisst.

Luftaufnahmen von den schweren Überschwemmungen erinnerten an die Tsunami-Katastrophe, die die Region vor viereinhalb Jahren heimsuchte und bei der rund 18.500 Menschen ums Leben kamen. Das japanische Fernsehen zeigte am Donnerstag Szenen, wie Menschen in Ibaraki und der ebenfalls schwer betroffenen Provinz Tochigi mit Tüchern von Balkonen und Dächern ihrer Häuser um Hilfe riefen. Opfer schilderten, wie ihnen das Wasser innerhalb von nur wenigen Minuten bis zur Hüfte stand. Rettungskräfte und Soldaten setzten Helikopter und Schlauchboote ein, um Bewohner in Sicherheit zu bringen. Viele warteten noch spät am Tag auf ihre Rettung.

Lokalen Medienberichten zufolge wurden mindestens 20 Menschen verletzt, einige schwer. Mindestens eine Person soll von den Fluten fortgerissen worden sein. In der auch unter ausländischen Touristen beliebten Ausflugsregion Nikko wurde ein Hotel schwer beschädigt.

Auch ein Fluss in der Provinz Fukushima trat über die Ufer und schnitt Hunderte Haushalte von der Umwelt ab. In Fukushima liegt auch das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, in dem es 2011 in Folge einer Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe zum Gau gekommen war. Wegen der Regenfälle drohte Wasser vom Gelände der Atomruine ins Meer zu fließen. Ein Regierungssprecher erklärte, die Strahlung des Regenwassers liege „ausreichend“ unter den zulässigen Grenzwerten.

Eine der Ursachen der teils rekordhohen Regenfälle ist ein Taifun, der am Vortag über Zentraljapan hinweggezogen war. Obgleich der Sturm später über dem Meer zu einer Tiefdruckzone abklang, warnte die Meteorologische Behörde für den Osten und Nordosten vor den Gefahren durch den starken Regen. Auch im Raum Tokio wurde noch bis zum frühen Freitag weiterer starker Regen erwartet.

Was ist ein Taifun?

Ein Taifun ist ein tropischer Wirbelsturm in Ost- und Südostasien sowie im nordwestlichen Pazifik. Er entsteht durch ein starkes Tiefdruckgebiet und zählt zu den schwersten Naturkatastrophen. Häufig entstehen Schäden nicht nur durch hohe Windstärken, sondern auch durch starke Niederschläge. So kann es zu Überschwemmungen und Erdrutschen kommen. Der verheerendste Taifun im 20 Jahrhundert war der Taifun Nina. Im August 1975 fegte er durch Teile Chinas. Zwei große und zehn kleinere Staumauern brachen, 100.000 Menschen kamen in den bis zu zehn Meter hohen Flutwellen ums Leben.

Schon Tage bevor ein Taifun auf Japan trifft, berichtet das japanische Fernsehen ausführlich über den Verlauf. Die Meteorologische Behörde in Tokio warnt vor Überschwemmungen und Erdrutschen und nennt die genaue Menge an Niederschlägen. Die Menschen in den bedrohten Gebieten werden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Diesmal waren die Schäden besonders heftig, da mehrere Uferbefestigungen an Flüssen den teils rekordhohen Niederschlägen nicht standhalten konnten.

 
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