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Panorama

23. Oktober 2017 | 16:10 Uhr

Jagd auf Seehunde?

vom

Dänemark: Angeltourismus und Fischerei fordern Regulierung der Bestände

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

kopenhagen | Nach einem ersten Anlauf bereits im letzten Jahr werden nördlich der Grenze in diesem Sommer erneut Rufe nach einer Jagd auf Seehunde laut: Manchem in Dänemark werden die niedlichen Tiere zu viel. Dem Angeltourismus und der Fischerei sind sie zunehmend ein Dorn im Auge.

Colin Seymour, Tourismuschef in Varde nördlich von Esbjerg, gibt dem boomenden Seehundbestand die Schuld an einem beträchtlichen Rückgang der Lachse in der Mündung der Varder Au. Sie grenzt direkt ans Wattenmeer. Statt 451 Lachsen im letzten Jahr seien dort im jetzigen Sommer lediglich 30 an Land gezogen worden.

"Weniger Lachse ergeben weniger Angler und damit weniger Übernachtungen", lautet die Rechnung, die Seymour aufmacht. Er appelliert deshalb, Möglichkeiten für eine Regulierung der Seehundbestände zu untersuchen. Der Angeltourismus ist in Dänemark ein umsatzstarker Zweig des Fremdenverkehrs.

Die Branchenorganisation der Berufsfischer hat bei der Natur- und Wirtschaftsbehörde in Kopenhagen beantragt, bei der Bornholm vorgelagerten Insel Christiansø Seehunde schießen zu dürfen. "Die Seehunde und ihr Appetit bedrohen einige Fischer in ihrer Berufsausübung", sagt Thomas Thomsen, Vorsitzender des Fischereivereins von Bornholm.

Nach einer Zählung des Fischerei- und Seefahrtsmuseums in Esbjerg im vergangenen Jahr hat sich der Bestand der Seehunde beträchtlich auf 38 500 erhöht. Das Museum verweist darauf, dass 40 Prozent der gefangenen Lachse Biss-Spuren von Seehunden aufweisen.

Asbjørn Holm, Seehund-Experte des Museums, meint, dass der Bestand eine Regulierung vertragen könnte - warnt aber vor zu großen Erwartungen. "Konsequenz wird sein, dass die Tiere ihr Verhalten ändern. Sie lernen schnell, wenn ihnen die Menschen etwas Böses wollen. Das wird auch einen verstörenden Effekt auf den ganzen Bestand haben." Die Tiere würden ihre Fortpflanzungsplätze verlagern. Damit würde es schwieriger für Touristen, die Tiere zu beobachten.

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