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Terrormiliz in Syrien : IS tötet 20 Menschen bei Vormarsch auf Kobane

vom

Bei einem Überraschungsangriff auf Kobane sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. In einem Dorf richtete der IS ein Massaker an.

shz.de von
erstellt am 25.Jun.2015 | 15:09 Uhr

Kobane | Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben bei einem Angriff auf ein Dorf südlich der nordsyrischen Grenzstadt Kobane mindestens 20 Menschen getötet. Unter den Opfern in dem Ort Bacha Batan seien auch Zivilisten, die im Kampf gegen den IS zu den Waffen gegriffen hätten, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag. Auch fünf IS-Kämpfer seien ums Leben gekommen, bevor sich die Dschihadisten zurückgezogen hätten.

Der IS war am Morgen bei einem Überraschungsangriff erneut bis in die nordsyrische Grenzstadt Kobane vorgedrungen. Bei den heftigen Gefechten in der Stadt seien mindestens acht Extremisten und zwölf Kurden ums Leben gekommen, erklärten die Menschenrechtler.

Der IS hatte die vor allem von Kurden bewohnte Grenzstadt bereits im vergangenen Jahr angegriffen und große Teile Kobanes eingenommen. Mit Hilfe von Luftangriffen der internationalen Koalition gelang es den kurdischen Volksschutzeinheiten in monatelangen Kämpfen jedoch, die Dschihadisten zurückzudrängen. Ende Januar wurde Kobane endgültig befreit. Kämpfe und Luftangriffe haben jedoch große Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. Erst in den vergangenen Wochen war langsam wieder Leben nach Kobane zurückgekehrt.

Am Morgen hatte sich am Grenzübergang mit der Türkei auch ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Aktivisten aus der Stadt berichteten von weiteren Explosionen. Dutzende Menschen seien getötet worden, die meisten von ihnen Zivilisten, sagte ein Korrespondent des lokalen syrischen Radiosenders Arta FM.

Ihm zufolge gibt es deutliche Hinweise, dass die IS-Kämpfer von türkischem Gebiet aus Kobane angegriffen haben. Auf der syrischen Seite der Grenze hätten die Kurden zahlreiche Kontrollpunkte errichtet, die die IS-Kämpfer nicht hätten passieren können. Derzeit seien nur wenige Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) in der Stadt, da diese an anderen Fronten gegen den IS kämpften. Kurden-Sprecher Idriss Nassan erklärte, die Gefechte gingen weiter, die Lage sei aber unter Kontrolle.

Die Türkei wies die Vorwürfe zurück, die Terrormiliz Islamischer Staat habe Kobane von türkischem Gebiet aus angegriffen. Die Extremisten seien aus Richtung der syrischen Stadt Dscharablus bis nach Kobane vorgedrungen, teilte das Büro des Gouverneurs der Grenzprovinz Sanliurfa am Donnerstag laut der türkischen Nachrichtenagentur DHA mit.

Der neue IS-Angriff erfolgte nur wenige Tage, nachdem die Extremisten im Norden Syriens schwere Niederlagen gegen die Kurden einstecken mussten. In der vergangenen Woche hatten die Volksschutzeinheiten die weiter östlich gelegene Grenzstadt Tell Abjad befreit. Am Dienstag nahmen sie den Ort ein Ain Issa und rückten bis auf rund 50 Kilometer an die syrische IS-Hochburg Al-Rakka heran. Die Extremisten verloren durch die Niederlagen ihre wichtigsten Nachschubwege in die Türkei.

IS-Kämpfer griffen am Donnerstag auch die östlich von Kobane gelegene Stadt Hasaka an. Bei heftigen Kämpfen seien mindestens 20 Dschihadisten und 30 Anhänger des syrischen Regimes getötet worden, erklärte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Extremisten hätten einige Teil der Stadt eingenommen.

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