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"Die Schachspielerin" : Infiziert vom Spiel der Könige

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Hélène ist eine unscheinbare Frau, die sich ihr Geld als Putzfrau verdient. Plötzlich entdeckt sie ihre Passion für das Schachspielen. Diese Leidenschaft verändert ihr Leben.

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2010 | 04:55 Uhr

Sie hat sich längst eingerichtet in ihrer häuslichen Routine, Überraschungen hält das Leben für Hélène (Sandrine Bonnaire) schon lange nicht mehr bereit. Ihren Job als Zimmermädchen in einem Ferienhotel an der korsischen Westküste absolviert sie mit engelsgleicher Geduld, die Ehe mit dem Hafenarbeiter Ange (Francis Renaud) ist in die Jahre gekommen, die 15-jährige Tochter Lisa zieht es in die Fremde.
Aber eines Tages beobachtet Hélène auf dem Balkon ein amerikanisches Pärchen, das in eine Partie Schach vertieft ist, und von diesem Moment an fühlt sich die stille Frau von dem königlichen Spiel magisch angezogen. Ihre Welt besteht ab sofort aus 64 Feldern, ein Bezirk, in dem kein Weg an der mächtigen Dame vorbeiführt.
Finten und Rochaden auf dem Brett bedeuten Hélène die Welt
Die deutsch-italienische Regisseurin Caroline Bottaro erzählt in ihrem nuancenreich inszenierten Spielfilmdebüt die Geschichte einer Emanzipation, die nicht kämpferisch oder plakativ, sondern mit bedächtigen Zügen in die Tat umgesetzt wird. Dabei ist Bottaros atmosphärisch dichte Adaption des Romans "Die Schachspielerin" von Bertina Henrichs ganz auf die grandiose Hauptdarstellerin Sandrine Bonnaire ("Biester", "Die Farbe der Lüge") zugeschnitten, die wieder einmal ebenso natürlich wie glaubwürdig auftritt. Ihre Hélène ist infiziert vom Schachvirus, sie spielt nachts am Küchentisch gegen einen Computer, bevor sie in dem exzentrischen Eigenbrötler Dr. Kröger (Kevin Kline), bei dem sie eigentlich als Putzhilfe arbeitet, endlich den adäquaten Partner findet - nicht für erotische Seitensprünge, sondern immer nur für die Finten und Rochaden auf dem Brett, das ihr die Welt bedeutet.
Dabei wandelt dieser angenehm altmodische Schauspielerfilm, in dem die grandios zerklüftete Küstenlandschaft Korsikas einen schönen Kontrast zur strengen Quadratur des Schachspiels bildet, grandios auf dem schmalen Grat zwischen Betulichkeit und Poesie. Es kommt auf jedes Detail an: Ein Farbklecks, der an Hélènes Kleid hängenbleibt, als sie ihren Mann besucht, der gerade ein Boot anstreicht. Oder die geisterhafte Stille in der mondänen Villa des verwitweten Dr. Kröger, und immer wieder das entschlossene Gesicht von Sandrine Bonnaire, die mit energischer Geduld und Beharrlichkeit ihre Ziele erreicht - auf dem Schachbrett und in ihrem Leben.

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