Studie der AOK : In vielen Familien mangelt es an Bewegung

Ein Jugendlicher nimmt an einem Diätprogramm teil. /Illustration
Ein Jugendlicher nimmt an einem Diätprogramm teil. /Illustration

Fünf Minuten auf dem Rad - und die Puste geht aus. Spielkonsole, TV und Handy scheinen bei manchen Kindern das Toben im Freien abgelöst zu haben. Diesen Eindruck bestätigt nun eine Krankenkassenstudie. Was muss passieren?

shz.de von
02. Juli 2018, 16:17 Uhr

Und ewig lockt die Couch: In vielen deutschen Familien kommt Bewegung laut einer Krankenkassenstudie zu kurz. Gleichzeitig verbringen schon kleine Kinder mehr Zeit mit Medien als gut für sie wäre. Das geht aus der AOK-Familienstudie 2018 hervor, die in Berlin vorgestellt wurde.

Die Ergebnisse zu Übergewicht und Bewegungsmangel seien ein «klares Alarmsignal», erklärte die Krankenkasse. Ein Grund für das Phänomen sei Zeitmangel der Eltern.

Die Untersuchung basiert neben Experteninterviews auf eigenen Angaben von knapp 4900 Familien mit Kindern zwischen 4 und 14 Jahren. Jede dritte Familie bekennt sich dazu, dass Bewegung in der Freizeit für sie keine oder eher keine Rolle spiele. Und nicht einmal die Hälfte der Familien gab an, mit Kindern täglich zum Beispiel zu Fuß zu gehen oder Rad zu fahren. Besonders inaktiv zeigten sich Familien, in denen die Eltern übergewichtig oder fettleibig sind - dies traf auf mehr als jeden zweiten befragten Elternteil zu.

Nur jedes zehnte Kind sei so aktiv wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen - «ein fast skandalöser Befund», sagte Jutta Mata vom Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie der Uni Mannheim, die die Studie wissenschaftlich begleitete. «Man könnte von einer Aktivitätskrise eigentlich sprechen.» Allerdings fallen die Werte zu diesem Punkt in anderen Untersuchungen höher aus - wenn auch in der Tendenz ähnlich.

Daten aus der Langzeitstudie KiGGS des Robert Koch-Instituts (RKI) etwa zeigen: Auf 60 Minuten mäßige Bewegung am Tag, wie sie die WHO als Minimum empfiehlt, kommt im Smartphone-Zeitalter noch ein Viertel der Kinder und Jugendlichen. Auf ein Pensum von mindestens 90 Minuten Sport pro Woche bringt es gut die Hälfte der Mädchen zwischen 3 und 17 Jahren, bei den gleichaltrigen Jungen sind es rund 63 Prozent.

In die KiGGS-Studie flossen Daten von mehr als 12 000 Kindern ein. Sie zeigt auch: Entgegen der häufigen Annahme ist der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder in den vergangenen Jahren nicht mehr angewachsen - die Zahlen stagnieren laut RKI «auf hohem Niveau».

Die AOK-Studie schlägt aber auch in Sachen Mediennutzung Alarm: 59 Prozent der Vier- bis Sechsjährigen nutzten Medien länger als die empfohlenen täglichen 30 Minuten, am Wochenende überschreiten diese Grenze sogar 84 Prozent der Kinder aus dieser Altersgruppe. Bei den Sieben- bis Zehnjährigen - hier liegt die Empfehlung bei 60 Minuten - sieht es wenig besser aus.

Dabei müssten Familienmitglieder im durchgetakteten Alltag nicht noch extra Trainingseinheiten einplanen: Expertin Jutta Mata rief vielmehr dazu auf, nach Optionen im Alltag zu schauen: «Also, gibt es einen Weg, den ich zu Fuß gehen kann, gibt es eine Treppe, die ich noch hochsprinten kann, gibt es einen Fahrradausflug, den man machen kann.»

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, verwies auf die Vorbildfunktion von Eltern, wenn es um gesunde Ernährung, Bewegung und Sport gehe. In der Familienstudie gaben jedoch nur elf Prozent der Eltern an, regelmäßig mindestens 150 Minuten pro Woche moderat Sport zu treiben - damit verfehlt auch der Großteil der Erwachsenen die WHO-Empfehlungen.

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