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Überschwemmungen in Südniedersachsen : In Hildesheim steigen die Pegelstände – Entspannung in anderen Hochwassergebieten

vom
Aus der Onlineredaktion

In Goslar hat es aufgehört zu regnen, in Hildesheim hingegen schlägt die Feuerwehr Alarm.

shz.de von
erstellt am 27.Jul.2017 | 08:50 Uhr

Hildesheim/Goslar | Im von Überschwemmungen bedrohten Hildesheim in Niedersachsen hat sich die Lage in der Nacht wieder zugespitzt. „Die Pegelstände steigen wieder, das ist keine gute Nachricht für uns“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Donnerstagmorgen.

Je länger das Wasser gegen die feuchten Sandsäcke drücke, desto schlechter sei das, hieß es. Im niedersächsischen Goslar und in den Hochwassergebieten in Sachsen-Anhalt denken die Menschen hingegen schon ans Aufräumen. „Wir hoffen natürlich, dass alles hält“, betonte der Sprecher der Feuerwehr in Hildesheim. Um die bedrohten Dämme zu festigen, schichteten die Helfer Hunderte Sandsäcke auf – wie hier auf dem Marktplatz in Wernigerode am Donnerstagmorgen:

In Wernigerode heißt es am Donnerstag: „Die Lage entspannt sich zusehends.“

In Wernigerode heißt es am Donnerstag: „Die Lage entspannt sich zusehends.“

Foto: dpa

Am Mittwoch hatten die Menschen dort noch aufgeatmet, weil der Pegelstand gesunken war – am Donnerstagmorgen stieg das Wasser aber wieder auf 7,03 Meter. Zuvor hatte der Pegelstand die Rekordmarke von 7,15 Metern erreicht.

Hintergrund: Klimaforscher sehen weitere Zunahme von Wetterextremen

Ein Sommer mit Stark- und Dauerregen über mehrere Tage wird nach Ansicht von Potsdamer Klimaforschern in Deutschland bald nicht mehr nur Ausnahme sein. „Ganz ,normale' Bilderbuchsommer, trocken und mit Temperaturen um die 25 bis 30 Grad über mehrere Wochen werden immer seltener“, sagte der Meteorologe Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung der Deutschen Presse-Agentur. Normal werden nach seiner Einschätzung zunehmend längere Trockenperioden und Hitzephasen, gefolgt von Stark- und Dauerregen.

„Es gibt erste Hinweise, dass der Klimawandel nicht nur die Temperaturen allmählich steigen lässt“, sagte Hoffmann. Das sei schon einige Zeit zu beobachten. Da sich die Arktis stärker erwärme als der Rest der Welt, verändere das auch die Zirkulation in der Atmosphäre. „Ein häufiger Wechsel von Wetterlagen mit Unwetterpotenzial könnte die Folge sein“, sagte der Meteorologe. „Und wenn die Atmosphäre potenziell wärmer ist, fallen Niederschläge intensiver aus.“ Tagesrekorde bei Hitze um 40 Grad in Süddeutschland im Vorjahr oder sintflutartige Regenfälle wie Ende Juni in Berlin seien dann ohne weiteres häufiger möglich.

Die Folgen seien fast vorhersehbar, sagte Hoffmann. In urbanen Ballungszentren hätten die Wassermassen keinen Raum, überfluteten Straßen und Keller. Die Kanalisation könne die Wassermengen kaum aufnehmen. „Es bleibt nur übrig, sich auf Wechselspiele der Extreme einzustellen“, sagte Hoffmann. Das Potsdamer Institut beschäftigt sich mit Themen in den Bereichen Klimawirkung, globaler Wandel und Nachhaltige Entwicklung.

In Goslar entspannte sich die Lage dagegen. „Am meisten freuen wir uns darüber, dass es hier nicht mehr regnet“, sagte ein Sprecher der Einsatzleitung am Donnerstagmorgen. Die Pegelstände fielen, einige Straßen blieben aber noch gesperrt. „Wir erwarten hier am Donnerstag frische Einsatzkräfte. Dann werden wir die Lage begutachten und überlegen, was zu tun ist“, sagte der Sprecher.

Das Landratsamt des Goslarer Kreises hob in der Nacht den Katastrophenalarm auf. Hunderte Helfer waren im Einsatz, um Schäden zu beseitigen. Einige Keller wurden leergepumpt. Wie hoch die Schäden sind, stand zunächst nicht fest. Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk hatte am Mittwoch von Kosten in Millionenhöhe für Sanierung und Renovierung gesprochen.

Auch in der von Überflutungen gebeutelten Harzregion in Sachsen-Anhalt stehen am Donnerstag die Aufräumarbeiten an. „Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagte der Oberbürgermeister von Wernigerode, Peter Gaffert (parteilos). Die Experten vom Landesamt für Hochwasserschutz und vom Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt gingen davon aus, dass die Pegelstände in den kommenden Tagen sinken. „Die Lage entspannt sich zusehends“, sagte ein Sprecher der Einsatzstelle im Landkreis Harz am frühen Donnerstagmorgen. Die Pegelstände fielen langsam und viele Feuerwehrleute kehrten erschöpft in die Wachen zurück. „Was an dieser Stelle auch mal erwähnt werden sollte, sind die vielen, vielen zivilen Helfer, die überall mit anpacken. Das ist toll!“, betonte der Sprecher.

Einsatzfahrzeuge vom Technischen Hilfswerk in Bad Harzburg waren in der Nacht zu Donnerstag im Dauereinsatz.

Einsatzfahrzeuge vom Technischen Hilfswerk in Bad Harzburg waren in der Nacht zu Donnerstag im Dauereinsatz.

Foto: dpa

Enorme Regenmengen hatten kleine Bäche in der Harzregion zu reißenden Fluten werden lassen, Straßen und Häuser standen unter Wasser. Einsatzkräfte sicherten in der Nacht zum Donnerstag den Flusslauf der Holtemme, damit Mahndorf bei Halberstadt nicht überflutet wird.

Auf der Facebook-Seite „Dein Harz“ wurden Videos von den Überschwemmungen in Bad Harzburg, wo die Radau über die Ufer getreten ist, gepostet:

 

Für die kommenden Tagen gaben Meteorologen Entwarnung: Der Dauerregen geht zu Ende, Tief „Alfred“ zieht nach Osten ab, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Der Regen höre damit zwar nicht auf, aber die Intensität lasse nach. Sommerlich-schön wird es allerdings nicht.

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