Diskussion um Wölfe in Schleswig-Holstein : In Amerika ist der „Superwolf“ los

Coywölfe im Wildlife Science Center in Forest Lake im US-Bundesstaat Minnesota.
Coywölfe im Wildlife Science Center in Forest Lake im US-Bundesstaat Minnesota.

Ist der Wolf nun gut oder böse? Darüber diskutiert Schleswig-Holstein. In den USA hat die Debatte eine andere Dimension.

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04. Juni 2015, 13:28 Uhr

Schleswig-Holstein diskutiert über den Wolf. Für die einen ist er ein Zeichen, dass sich die Natur erholt. Für die anderen ist er eine Gefahr für Tier und Mensch.

Ein Lamm wurde bis auf Knochen und Fell komplett aufgefressen.
Thomsen
Ein Lamm wurde bis auf Knochen und Fell komplett aufgefressen.
 

Im Großraum New York ist der Wolf ebenso ein Thema, allerdings in einer genetisch veränderten Form. „Coywolf“ nennen ihn die Menschen dort. Oder auch einfach „Superwolf“.

Coyoten und Wölfe trennten sich vor ein bis zwei Millionen Jahren und lebten seitdem als zwei getrennte Arten. Auf dem nordamerikanischen Kontinent vereinen sich beide Arten seit einigen Jahren wieder: „Es sind keine Wölfe und es sind keine reinen Coyoten aus dem Westen“, sagt Javier Monzón, Evolutionsbiologe an der  Stony Brook University in New York. Die Tiere seien größer und stämmiger als Coyoten. Mit den Wolfsgenen in ihren Populationen passen sich die Coyoten dem Nahrungsangebot auf ihrer Wanderschaft Richtung Osten an.

Dort gibt es vor allem Weißwedelhirsche zu jagen, die häufigste Hirschart Nordamerikas. Für den reinrassigen Coyoten mit rund 15 Kilogramm Gewicht sind die über 100 Kilogramm schweren Beutetiere oft zu mächtig. Die Überlebenschancen im Osten des nordamerikanischen Kontinents sind mit Wolfsblut in den Adern einfach größer.

Wissenschaftler streiten, ob eine solche Vermischung von Arten positiv oder negativ zu werten ist. Oft sind die sogenannten Hybridarten überlebensfähiger und besser an ihre Umwelt angepasst. Allerdings schränken sie aus Sicht der Kritiker die Artenvielfalt ein.

Es gibt auch Fälle, in denen die Entstehung von Hybridarten Zeichen für Umweltzerstörung und Klimawandel ist. In der Beaufortsee nördlich von Kanada kommt es zur Vermischung von Eisbären und Grizzlys. Weil Eisbären auf englisch „Polarbear“ heißen, nennt man sie „Pizzlys“.

Natürlicher Hybridpartner der hiesigen Wölfe in Schleswig-Holstein wären Hunde. Die Verpaarung unter Obhut des Menschen ist verboten, dennoch gibt es Behauptungen im Internet, es leben mehrere Tausend-Wolf-Hund-Mischlinge in Deutschland.

Unfreiwillige Kreuzungen zwischen Wölfen und Hunden sind nicht bekannt. Das natürliche Fluchtverhalten der Wölfe scheint dies zu verhindern. Christina Steiner vom Schweizer Verein „CHWOLF“ sagte der Zeitschrift „Hunde“: „Die Chance, dass ein Hundehalter mit seinem Hund auf dem Spaziergang einem Wolf oder gar dem ganzen Rudel begegnet, ist äußerst gering.“ Der Wolf sei sehr scheu und meide in der Regel Begegnungen mit Menschen. Männliche Wölfe seien außerdem nicht wie Hunderüden ganzjährig zeugungsfähig, sondern nur in der sogenannten Ranzzeit im Winter.

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