Keine Revision : Hoeneß akzeptiert Urteil und tritt zurück

Keine Revision, kein juristisches Geplänkel: Uli Hoeneß erklärt außerdem seinen Rücktritt von allen Ämtern beim FC Bayern München.

Avatar_shz von
14. März 2014, 10:12 Uhr

München | Uli Hoeneß verzichtet auf eine Revision in seinem Steuerprozess und akzeptiert damit die Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Zudem tritt er mit sofortiger Wirkung als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern München zurück. Das teilte der 62-Jährige am Freitag in einer persönlichen Erklärung mit.

Die Persönliche Erklärung im Wortlaut:

„Nach Gesprächen mit meiner Familie habe ich mich entschlossen, das Urteil des Landgerichts München II in meiner Steuerangelegenheit anzunehmen. Ich habe meine Anwälte beauftragt, nicht dagegen in Revision zu gehen. Das entspricht meinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung. Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle ich mich. Außerdem lege ich mit sofortiger Wirkung die Ämter des Präsidenten des FC Bayern München e.V. und des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG nieder. Ich möchte damit Schaden von meinem Verein abwenden. Der FC Bayern München ist mein Lebenswerk und er wird es immer bleiben. Ich werde diesem großartigen Verein und seinen Menschen auf andere Weise verbunden bleiben, solange ich lebe. Meinen persönlichen Freunden und den Anhängern des FC Bayern München danke ich von Herzen für ihre Unterstützung.“

Der deutsche Fußball-Rekordmeister muss sich damit eine neue Führung suchen. Bis auf weiteres übernimmt Adidas-Chef Herbert Hainer den Posten des Aufsichtsratschefs, wer neuer Präsident wird, ist noch offen. Hainer äußerte sich über Hoeneß folgendermaßen: „Uli Hoeneß hat mit seinen Führungsqualitäten, seinem hohen persönlichen Einsatz und seiner herausragenden Lebensleistung immer dem Wohle des FC Bayern München gedient.“

Die Münchner Staatsanwaltschaft will Anfang der kommenden Woche entscheiden, ob sie ebenfalls auf eine Revision verzichtet, sagte Ken Heidenreich, der Sprecher der Behörde, am Freitag. Staatsanwalt Achim von Engel hatte ein deutlich höheres Strafmaß von fünf Jahren und sechs Monaten für Hoeneß gefordert. Hoeneß wird seine Haft frühestens in einigen Wochen antreten müssen.

Das Oberlandesgericht München hat darauf hingewiesen, dass das Urteil gegen Steuersünder Uli Hoeneß weiterhin nicht rechtskräftig ist. „Eine förmliche Verzichtserklärung auf Rechtsmittel ist bislang bei der Geschäftsstelle der zuständigen Strafkammer nach bisherigen Erkenntnissen noch nicht eingegangen. Eine solche Erklärung ist jedoch auch nicht erforderlich, da nach Verstreichen der Rechtsmittelfrist von einer Woche das Urteil auch ohne weitere Erklärungen seitens der Verfahrensbeteiligten in Rechtskraft erwächst“, hieß es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom Freitag.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat „hohen Respekt“ für die Entscheidung von Uli Hoeneß geäußert, das Hafturteil wegen Steuerbetrugs zu akzeptieren und nicht in Revision zu gehen. „Ich kommentiere natürlich Gerichtsentscheidungen nicht, kann aber sagen: Die Tatsache, dass Uli Hoeneß jetzt dieses Urteil so angenommen hat, nötigt mir hohen Respekt ab“, sagte Merkel am Freitag bei einem Termin mit den großen Wirtschaftsverbänden in München.

Die Allianz zollt der Entscheidung von Uli Hoeneß, sich nach seiner Verurteilung beim FC Bayern München zurückzuziehen, Respekt. „Wir danken Uli Hoeneß für seine außerordentlichen Verdienste beim FC Bayern“, heiß es am Freitag bei dem Versicherer in München. Die Allianz ist ein Sponsor und wie andere Unternehmen an der FC Bayern München AG beteiligt. „Wir haben großen Respekt vor seiner Entscheidung“, hieß es in der Erklärung weiter.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat die Entscheidung von Uli Hoeneß begrüßt, das Urteil des Landgerichts München zu akzeptieren und auf eine Revision zu verzichten. „Die Entscheidung von Herrn Hoeneß nötigt mir Respekt ab“, sagte Seehofer dem „Handelsblatt“. „Seine Erklärung zeigt, dass er ein Mensch mit Format ist. Er hat sehr verantwortlich gehandelt, indem er auf die Revision verzichtet und seine Ämter niedergelegt hat.“

Der bekannte Hamburger Strafverteidiger Gerhard Strate spricht nach der Verurteilung von Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß von einem milden Urteil und vermutet „informelle Absprachen“. „Hoeneß kann sich über dieses Urteil freuen. In Bayern gibt es bei diesen Hinterziehungssummen in der Regel eine Freiheitsstrafe zwischen acht bis zehn Jahren“, sagte Strate dem Hamburger Abendblatt.

Zum Verzicht Hoeneß' auf Revision sagte Strate: „Das ist für mich ein untrüglicher Hinweis auf informelle Absprachen.“ So relaxt, wie sein Verteidiger agiert habe, als die Summe der hinterzogenen Steuern von 3,5 Millionen Euro auf 27 Millionen Euro korrigiert wurde, könne man sich eigentlich nur verhalten, wenn man „den Sturm schon hinter sich und sein Schiff bereits in den Hafen gesteuert hat“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen