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Nach Überschwemmungen mit sieben Toten : Hochwasser in Niederbayern: Vermisstes Ehepaar unversehrt gefunden

vom

Noch immer werden Menschen vermisst, es fehlt an Trinkwasser. Die Aufräumarbeiten gestalten sich schwierig. In Nordrhein-Westfalen gibt es leichte Entwarnung.

shz.de von
erstellt am 03.Jun.2016 | 17:27 Uhr

Simbach/Hamminkeln | Zwei Tage nach der verheerenden Flutkatastrophe in Niederbayern werden am Freitag die Aufräumarbeiten in der betroffenen Region unter Hochdruck fortgesetzt. Zugleich läuft die Suche nach Vermissten weiter: Nachdem am Donnerstagabend der sechste Tote des Hochwassers in Simbach am Inn geborgen worden war und am Freitag ein Opfer im Krankenhaus starb, wurde am Freitag eine gute Nachricht bekannt: Das vermisste ältere Ehepaar wurde gerettet. Der 81 Jahre alte Mann und seine 77-jährige Frau wurden „unversehrt ausfindig gemacht“, wie die Polizei am Freitag mitteilte.

Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Frankreich: In den vergangenen Tagen gab es teils schwere Unwetter mit Überflutungen. Mehrere Menschen starben.

Unklar war, unter welchen Umständen sie gefunden und ob sie möglicherweise aus einem überfluteten Keller geholt wurden. Zeitweise hieß es, Taucher hätten nach den Senioren gesucht. In Simbach waren auch am Freitag noch Keller überflutet.

Das siebte Opfer, ein 80-jähriger Mann, habe eine Herzattacke erlitten, sagte ein Sprecher des Landratsamts Rottal-Inn am Freitag. Er sei ins Krankenhaus nach Eggenfelden gebracht worden, wo es eine Spezialstation für Herzerkrankungen gebe. Dort sei der Mann gestorben.

Die Aufräumarbeiten liefen vor dem Wochenende auf Hochtouren. Bagger waren unterwegs, um den teils meterhoch angeschwemmten Unrat beiseite zu räumen. Feuerwehren saugten mit großen Spezialschläuchen Schlamm und Wasser ab. Anwohner griffen zur Schaufel. Es werde Monate dauern, bis die Folgen der Flut beseitigt seien, hieß es. Der heftige Regen, der am Mittwoch unvermittelt über die Gegend hereingebrochen war, hat zwar aufgehört. Doch für die Aufräumarbeiten ist das nicht unbedingt günstig. „Das Problem ist, dass der Schlamm rasch abgeräumt werden muss. Wenn er einmal getrocknet ist, wird er steinhart“, erklärt ein Sprecher des Technischen Hilfswerks.

In den am schwersten betroffenen Städten Simbach am Inn, Triftern und Tann war stellenweise die Wasserversorgung ausgefallen. Eine gesicherte Wasserversorgung für die gesamte Bevölkerung hat aus Sicht des Simbacher Bürgermeisters Klaus Schmid (CSU) derzeit Vorrang bei den Aufräumarbeiten in der Hochwasserregion. Mit Hochdruck arbeiteten die Behörden daran, die Trinkwasserversorgung wieder in Ordnung zu bringen.

Allein im Landkreis Rottal-Inn wird der Schaden auf einen dreistelligen Millionenbetrag beziffert. In vielen Schulen im Landkreis fällt auch am Freitag der Unterricht aus.

Zahlreiche Flutopfer im Landkreis Rottal-Inn holten am Vormittag im Landratsamt das sogenannte Sofortgeld von 1500 Euro ab. Der Polizei machten unter anderem Schaulustige zu schaffen. Sie behinderten die Arbeiten, sagte Emmer. „Jetzt wird man aus diesem Grund die Innbrücke von Braunau nach Simbach für die Fußgänger sperren.“

Um Plünderungen zu verhindern, patrouillierte die Polizei in der Nacht im Streifenwagen durch Simbach. Am Vortag waren bereits zwei Menschen festgenommen worden, die die unübersichtliche Lage ausnutzen wollten, um ein Autoradio zu stehlen.

Die Lage im Hochwassergebiet am Niederrhein hat sich derweil in der Nacht zum Freitag ein wenig entspannt. Auch nach den erneuten Regenfällen vom Donnerstagabend blieben die Stadt Hamminkeln bei Wesel und das benachbarte Isselburg von den Fluten verschont. „Wir haben Glück gehabt“, sagte ein Sprecher des Krisenstabs des Kreises Wesel am Morgen. Man habe hoffe auf trockene Stunden.

Der Regen hatte den Wasserstand des kleinen Flüsschens Issel von sonst einem halben Meter auf zwei Meter steigen lassen. In der Nacht zum Freitag sank er am Pegel Dämmerwald auf 1,00 Meter. Hunderte Helfer sind dort im Einsatz, 68.000 Sandsäcke wurden verbaut, weitere 35.000 lagen als Reserve bereit. „Die Nacht war relativ entspannt, wir hatten die Lage gut im Griff“, sagte Konrad Decker, der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Hamminkeln.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte aber am Freitagmorgen vor zu viel Optimismus. „Es kommen neue Niederschläge nach Deutschland, die auch wieder Unwetterpotenzial haben“, sagte ein Sprecher. Wo die Unwetter genau zu erwarten sind, konnte der Meteorologe zunächst nicht sagen.

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