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Panorama

24. November 2017 | 03:04 Uhr

Hoch zu Ross auf Krabbenfang

vom

Belgiens "Paardenvissers" reiten seit Jahrhunderten auf Kaltblutpferden durch die Brandung - jetzt wollen Fischer in die Welterbeliste

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Oostduinkerke | Wenn Bernard Debruyne fischen geht, steigt er aufs Pferd und reitet ins Meer. Auf Jorka, einem muskulösen Brabanter-Kaltblut, bewegt er sich durch die Brandung, dorthin, wo Krabben am Meeresgrund liegen. Was skurril klingt, hat im belgischen Küstenort Oostduinkerke eine lange Tradition. Die "Paardenvissers", wie die Pferdefischer auf Niederländisch heißen, könnten es demnächst sogar auf die Unesco-Liste des Weltkulturerbes schaffen.

"Man muss eine Liebe haben fürs Meer und für die Pferde", sagt Debruyne, ein lässiger 50-Jähriger mit grauen Bartstoppeln. Eine Liebe mit Geschichte: Mindestens seit dem 17. Jahrhundert ziehen die berittenen Krabbenfischer von Oostduinkerke auf ihren Riesenrössern ins Meer, im Schlepptau zwei Holzbretter und Netze. Die schleifenden Bretter schrecken die im Sand liegenden Krabben auf - sie springen hoch und landen im Netz.

"Brav und ein Arbeitspferd" muss das Tier sein, das für seinen Reiter bis zur Brust ins Wasser geht, erklärt Marius Dugardein. Das setze "blindes Vertrauen" auf beiden Seiten voraus, meint der 68 Jahre alte Seebär. Nach mehr als vier Jahrzehnten als Fischer sattelte er um - aufs Pferd.

Ganz sachte lernen die Pferdefischer ihre Tiere an. Die hätten am Anfang gar nicht so viel Scheu vor dem Wasser, sondern vielmehr Respekt vor dem ungewohnten Rauschen der Wellen. Und Debryne sagt grinsend: "Wir mögen unsere Pferde oft mehr als unsere Frauen. Ein Pferd gibt nicht Kontra."

Überhaupt haben die tierischen Kraftpakete mit dem Gewicht eines Kleinwagens die Ruhe weg: Wenn sie erst zwischen Hunderten Sommergästen im Watt stehen, dann sind die Riesentiere längst Routiniers. Kinder wimmeln, Kameras knipsen - auch die Pferdefischer sind Zuschauer gewohnt. Bis zu drei Stunden fischen die Männer mit ihren Pferden, für Touristen verkürzen sie ihren Ausflug auf eine Stunde. Wenn jeder Zug über das Jahr gesehen acht Kilogramm Krabben liefert, sind die Fischer zufrieden, sagt Yvonne König vom Tourismusbüro.

Mit dem Pferd auf Krabbenfang, das geht nur bei Ebbe, sagt der 18-jährige Yoshi Delancker, der Jüngste unter den zwölf Pferdefischern. Die erhoffte Beute mag es nicht allzu lau und ist deshalb erst weiter draußen zu finden - bei Niedrigwasser sei sie noch erreichbar. Hauptsaison ist zwischen Februar und Mai und von September bis November. Doch für Touristen gehen die Pferdefischer auch im Sommer ins Wasser, der Stadtrat revanchiert sich mit einem Zuschuss und kostenlosem Weideland. Die Figur des Pferdefischers ist schließlich der Werbeträger Oostduinkerkes schlechthin, mit Denkmälern am Strand und einem aus Büschen zurechtgeschnittenen Pferdefischer an der Straßenecke.

Einen weiteren Schub erhoffen sich König und ihre Kollegen von Tourismusbüro und Fischereimuseum von einer Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco. Jahrelang feilte der Ort an der Bewerbung, im Dezember soll das zuständige Komitee der Unesco, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, in ihrer Sitzung im aserbaidschanischen Baku entscheiden.Die einst an vielen westeuropäischen Küsten verbreitete Pferdefischerei war stets ein Nebenerwerb für jene, die bereits ein Pferd im Stall hatten. "Es ging immer um die Rentabilität", erklärt König. Das scheint auch heute noch so zu sein - Pferdefischer Debruyne zum Beispiel stellt hauptberuflich Handtücher in einer Textilfabrik her.

In einem alten Holzofen und mit Blick auf den Strand bereiten die Pferdefischer ihren Fang zu. "Man braucht Wasser, Salz und noch etwas anderes - das Geheimnis des Fischers", erklärt Eddy DHulster, mit 70 der älteste Pferdefischer. Er sieht auf den Kochtopf. "Wenn Sie mich fragen, ist das viel, viel Liebe!"

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