„Mitgehangen“ : Heute im „Tatort“: Familie unter Mordverdacht

Verkorkste Beziehungen und Geschäfte: Katrin Grevel (Lavinia Wilson, links), Mitarbeiter Otto Ziemer (Sebastian Hülk, Mitte) und Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär, rechts) in der Reifenhandlung der Familie Grevel. WDR/Thomas Kost
Verkorkste Beziehungen und Geschäfte: Katrin Grevel (Lavinia Wilson, links), Mitarbeiter Otto Ziemer (Sebastian Hülk, Mitte) und Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär, rechts) in der Reifenhandlung der Familie Grevel.

Der neue Tatort erzählt eine Geschichte von Versagen, Verlust und Verrat – die aber nicht so richtig rüberkommt.

Avatar_shz von
18. März 2018, 16:15 Uhr

Da wird sich der Zuschauer schon durchwursteln. Dachte sich offenbar Regisseur Sebastian Ko und führt die Kölner Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) zunächst in den Knast, wo am Fensterkreuz seiner Zelle Matthes Grevel hängt (Moritz Grove). Suizid! Folgerichtig lautet das erste Wort in diesem „Tatort“: „Scheiße!“ Max ist bedient.

Wieso, weshalb, warum sich Familienvater Grevel das Leben nahm, verrät uns Ko dann immer noch nicht (Buch: Johannes Rotter). Erst serviert er uns noch die nächste Leiche. Und zwar in Gestalt des jungen Autonarrs und Tuningfreaks Florin Baciu, der tot im Kofferraum seiner Karre liegt – auf dem Grund eines Kölner Baggersees. Dann darf es bei uns „Klick“ machen. Denn Ko stellt nun die Verbindung zwischen den beiden Toten her, indem er uns die Geschichte der Familie Grevel erzählt, die weder mit ihrer geerbten Reifenhandelsfirma noch mit sich selbst klarkommt. Mutter Katrin (Lavinia Wilson) hadert mit Weichei Matthes, Sohn Simon (Alvar Goetze) macht auf Pubertät.

Bis Florin auftaucht, Teilhaber der Firma wird und mit seinen Kontakten in die Tuningszene den Laden wieder florieren lässt. Beliebt macht ihn sein Erfolg dennoch nicht. Aber bei wem wurde aus der Antipathie so ein Hass, dass er Florin töten musste? Bei Matthes Grevel? War sein Suizid in der U-Haft etwa ein Eingeständnis seiner Schuld?

Das können wir uns alles Stück für Stück zusammenreimen. Denn je tiefer uns Ko in das Dilemma aus verkorksten Beziehungen und Geschäften führt, desto durchsichtiger wird das Unglück der Grevels. Eine Geschichte von Versagen, Verlust und Verrat.

Prickelnd anzusehen ist das jedoch nicht. Und sowohl Behrendt und Bär als auch die empathisch aufspielende Komparserie haben ihre liebe Not, dieses Familiendrama fühlbar in Szene zu setzen. Wenn dann selbst der Gang zur Currywurst-Bude nix hilft, ist es wohl wirklich schlecht um das Kölner Team bestellt. Aufgepasst! Wann haben sich Max und Freddy zuletzt so angebrüllt?

> „Tatort – Mitgehangen“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Zum Tod des früheren „Tatort“-Kommissar-Darstellers Jochen Senf hat das Erste am Sonntagabend sein Programm geändert. Nach einem neuen Kölner „Tatort: Mitgehangen“ hoben die Programmverantwortlichen um 21.45 Uhr den fast 14 Jahre alten „Tatort: Teufel im Leib“ vom Saarländischen Rundfunk (SR) ins Programm. Er ersetzt den britischen Krimi „Inspector Mathias – Mord in Wales: Feuernacht“.

Bei „Teufel im Leib“ handelt sich um den 17.und vorletzten Fall von Kriminalhauptkommissar Max Palu, den Jochen Senf von 1988 bis 2005 innerhalb der „Tatort“-Reihe spielte. Zusammen mit Regisseur Hans-Christoph Blumenberg schrieb er damals auch das Drehbuch.

Erstmals gesendet wurde der Krimi am 14. November 2004. Der Fall spielt in der „mondänen Welt der plastischen Chirurgie“, wie es von der ARD heißt. Unter anderem wirken auch Jessica Schwarz und Sky du Mont, Leslie Malton und Christian Berkel mit.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen