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Adventskalender : Heute: Der Organist unter der Decke

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ohne Singen und Musizieren läuft bei Eckhard Bürger zu Weihnachten nichts - und der Zimbelstern von St. Aegidien in Lübeck muss sich drehen

Weihnachten werden wieder viele Gottesdienstbesucher in der Lübecker St. Aegidien-Kirche hinaufschauen zur prächtigen Orgel. Der eindrucksvolle Prospekt entstand 1625 mitten im Dreißigjährigen Krieg. Doch weniger die Schnitzereien oder die beiden Posaunenblasenden Engel zur rechten und linken Seite werden die Blicke auf sich ziehen, sondern der goldene Zimbelstern hoch oben an der Orgel. Bei „Oh, du Fröhliche“ wird er sich drehen und über eine Welle das Glockenspiel in Gang setzen, dass das Orgelspiel begleitet. „Ohne Zimbelstern geht es nicht“, sagt der Organist und Kantor von St. Aegidien, Eckhard Bürger. Als er 2008 nach Lübeck gekommen war und den Zimbelstern nicht von Anfang bis Ende des Weihnachtsliedes durchlaufen ließ, erntete er hinterher Kritik. Ob mit oder ohne Orgelklang, der Zimbelstern habe sich bei „Oh, du Fröhliche“ die ganze Zeit zu drehen und seine Glocken müssen eben läuten.“

Wer Gastkonzerte jenseits der Gottesdienste in St. Aegidien besucht, kann beim Blick auf das Instrument in der kleinsten – aber einer der feinsten – aller fünf Hauptkirchen in der Lübecker Altstadt schon mal etwas anderes entdecken als den Zimbelstern. Manchmal kommt es vor, das Eckhard Bürger hinter der großen Orgel, die an 2,50 Meter dicken Wänden hängt, über Leitern bis zur höchsten Ebene des eichenen Prospekts klettert und von dort den Klängen lauscht. „Oben ist die Akustik besonders gut“, sagt er. Natürlich hält er sich hinter den Schnitzereien verdeckt. Aber ganz auszuschließen sei es nicht, dass man ihn schon mal zwischen den Engel entdecke.

Weihnachten kann dies nicht passieren. Erstens spielt Bürger dann selbst die Orgel. Und zweitens muss er immer wieder die dreißigstufige Treppe nach unten rennen, um im Chorraum mehr als hundert Stimmen zu dirigieren. Zwei Kinderchöre, einen Jugendchor und den großen Bach-Chor leitet er – insgesamt 125 Kinder und Jugendliche sowie gut 120 erwachsene Sängerinnen und Sänger. Das Weihnachtsoratorium und Magnificat von Johann Sebastian Bach, das bei den Konzerten am vierten  Adventssonntag, 16 und 19.30 Uhr, auf dem Programm steht, gehört zu den Höhepunkten der Chorarbeit.

Nach seinem Studium der Kirchenmusik in Halle/Saale absolvierte Bürger auch noch ein Zusatzstudium an der Musikhochschule Lübeck, das er mit dem Konzertexamen im Fach Orgel abschloss. Mindestens ebenso groß wie die Liebe zu seinem Instrument ist seine Begeisterung für die Chorarbeit. Sie hat ihn schließlich in Kinder- und Jugendzeiten geprägt. Der heute 44-Jährige wuchs in Stendal in der ehemaligen DDR auf, wo der Vater Pastor am Dom war. Mit „Kirche“ und Kirchenmusik hatten der Staat und viele Gleichaltrige wenig im Sinn. Eckhard Bürger aber fieberte als Schüler in jedem Jahr den Singwochen entgegen, die er mit 80 anderen Jugendlichen verbrachte. „Meine ganzen Freunde fand ich durch die Kirchenmusik. Und natürlich wurden wir auch dadurch zusammengeschweißt, dass wir eine Minderheit waren“, sagt er. So machte Bürger auf dem Kirchlichen Oberseminar in Potsdam-Hermannswerder – eine von zwei kirchlichen Schulen in der DDR – sein Abitur. Mit Orgelmusik als Prüfungsfach.

Das Gemeinschaftsgefühl, das er selbst als junger Mensch beim Singen und Musizieren erlebt hat, möchte er den Sängerinnen und Sängern in seinen Chören weitergeben. Musik und Freundschaft gehören für ihn zusammen. So wird Heilig Abend bei den Bürgers mit ihren vier Kindern vor der Familienfeier am ersten  Weihnachtstag mit Freunden gefeiert. Zwischen den Gottesdiensten mit Orgel und Chorgesang, versteht sich. Und was wird daheim gemacht? Natürlich: „Viel gesungen und musiziert.“

Wenn der Organist und Kantor von St. Aegidien auf der Empore sitzt, freut er sich über den Besuch von Kindern, die gern das hölzerne Gitter im Prospekt öffnen und von oben auf das Kirchenschiff schauen. Selbst hat Bürger an der Orgel nicht einmal einen Spiegel. Er lausche, wann sein Einsatz kommt, sagt er. Das reiche. So hört er auch die Gottesdienstbesucher, die in die Weihnachtslieder einstimmen. Musik mache die Menschen fast zu Engeln, lacht der Organist. Um das zu unterstreichen, zeigt er auf die geschnitzten Engel im Orgelprospekt. „Die unteren Engel haben Flügel, die oberen Figuren haben keine. Musik verbindet halt. So werden wir ihnen und sie uns ähnlich.“

Kirchenkonzerte

Samstag, 17.30 Uhr:
St. Nikolai-Kirche, Flensburg
Kerzen und Musik zum 4. Advent, Charles Marie Widor (Symphonie Gothique) und Improvisationen, Pastor Thomas Bornemann, Lesungen, Michael Mages, Orgel, Eintritt frei – Kollekte am Ausgang

Samstag, 11 Uhr:
Peter-Paul-Kirche, Bad Oldesloe
Musik zum 4. Advent mit dem Vokalensemble a capriccio
Eintritt frei

Samstag, 19.30 Uhr
Nikolaikirche, Plön, Johann Sebastian  Bach – „Weihnachtsoratorium“, Kantaten I - III - IV
Therese Meinig, Sopran
Britta Seesemann, Alt
Friedrich von Mansberg, Tenor
Michael Pommer, Bass
Plöner Kantorei und Orchester
Leitung: KMD Henrich Schwerk

Sonntag, 19 Uhr
St. Andreaskirche, Haddeby
Mobago-Weihnachtskonzert, Sonderpreise

Sonntag, 17 Uhr
St. Nikolai-Kirche, Kappeln
Advents- und Weihnachtsliedersingen, Kinderkantorei und Kantorei St. Nikolai
Eintritt frei, Spende erbeten

Sonntag, 10 Uhr
Marienkirche, Bad Segeberg
Chormusik im Gottesdienst: Der Segeberger Bachchor singt unter der Leitung von Andreas J. Maurer-Büntjen weihnachtliche Klänge zum Thema „Magnificat“

Sonntag, 19 Uhr
St. Nikolai-Kirche, Flensburg
Weihnachts-Concerto, Richard Wester trifft Michael Mages

... und Sylvia Wieland: Sopran
Richard Wester: Saxophon & Flöte
Michael Mages: Orgel
Eintritt: 15 Euro

Donnerstag, 26. Dezember, 10 Uhr, St. Nikolai-Kirche Flensburg
Musica Sacra zum Weihnachtsfest
Festliche Weihnachtsmusik, Kammerensemble des Sankt Nikolai Chors, Liturgie: Pastor Thomas Bornemann, Orgel: Michael Mages.
Eintritt frei – Kollekte am Ausgang
 

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