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Ermittler aus Wien : Heute Abend im „Tatort“: Der Tod eines Show-Diktators

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Deutschland sucht den Superstar“ im Tatort? Fast. Es stirbt nur nicht Dieter Bohlen. Die Tatort-Kritik.

So sieht Anteilnahme im Showgeschäft aus: Da baumelt Udo Hausberger, Erfinder und Jurymitglied der TV-Castingshow „Sing Your Song“, nackt und tot in seiner Villa, doch seine Frau Angelika (Aglaia Szyszkowitz) nimmt das Geschehene zur Kenntnis, wie eine zu hohe Betriebskostenabrechnung. Shit happens.

Und genau wie unsere Wiener BKA-Beamten Moritz Eisner und Bibi Fellner (Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser) geht auch Frau Hausberger zunächst von einem blöden Unfall aus, bei dem ihr Mann bei einem seiner bizarren Sex- und Drogenspielchen diesmal zu weit gegangen war. Mit wem auch immer. Erst als sie erkennt, dass mit Udos Tod ihr gemeinsames Show-Imperium zu zerfallen droht, regt sich etwas in ihr: „Ich glaube, es wird langsam Zeit für mich, zu weinen.“

Aber es war kein Unfall. Denn tief in Udos Rachen findet sich ein zerknülltes Stück Papier, die Ursache für sein Ersticken. Ein Song-Text, ausgerechnet für jenes Lied, mit dem Jung-Star Aris Graf (Rafael Haider) das Finale von „Sing Your Song“ gewinnen will. Doch von wem stammt der Text? Und wer hatte sich nun offenbar an dem skrupellosen Manager und Karrieremenschen gerächt?

Bei aller Tragik – lächeln müssen wir trotzdem. Dieter Bohlen und „DSDS“ lassen ja herzlich grüßen. Aber Uli Brée (Buch) und Regisseur Michi Riebl werfen immerhin einen bösen Blick hinter die Kulissen eines knochenharten Geschäfts. Einer Unterhaltungsmaschinerie, in der junge Menschen für die Quote verheizt und aus Träumen nur allzu oft Albträume werden.

Das geht nicht ohne Klischees und larmoyanten Singsang. Dass Moritz und Bibi aus diesem Anlass ihre eigene Beziehung hinterfragen, wir Zuschauer also endlich mal ihr armseliges Liebesleben zelebriert bekommen, das macht diesen „Tatort“ allemal reizvoll und witzig.

Eine unterhaltsame Lektion in Sachen „Liebe für Exzentriker“. Und eine Watsche für’s Privatfernsehen, das ja jenseits der Verarsche von Kalkofe und „Switch reloaded“ kaum noch Gegenwehr zu befürchten hat. Nicht verpassen!

„Tatort – Sternschnuppe“, 20.15 Uhr, ARD.

Wer als nächstes ermittelt, erfahren Sie hier.

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