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#sunburnart : Herzförmiger Hautkrebs? Gefährlicher Trend zu Sonnenbrand-Tattoos

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Bei diesem Trend sehen Hautärzte rot: Junge Leute legen sich Schablonen auf die Haut - und lassen sich dann absichtlich von der Sonne verbrennen. Ist das Kunst oder krank?

Berlin | Eine Frau hat ein Herzchen auf der Haut, ein junger Mann zeigt sich mit „Batman“-Symbol auf der Brust. Für die Ewigkeit sind diese „Tattoos“, die sie im Internet präsentieren, aber mitnichten. Denn die Bildchen sind nicht vom Tätowierer gestochen - sondern von der Sonne gebrannt. Unter dem Hashtag #sunburnart (Sonnenbrand-Kunst) veröffentlichen zurzeit vor allem junge Leute solche Fotos von sich im Netz. Hautärzte warnen vor dem Phänomen.

„Den Trend stellt man spätestens dann fest, wenn man in Mallorca mal am Strand spazieren geht“, sagt der Dermatologe Thomas Dirschka aus Wuppertal. „Man sieht immer mehr Menschen, die versuchen, sich über einen Sonnenbrand eine permanente Pigmentierung an der Haut zuzulegen.“

Anbieter wie „Funtantattoo“ verkaufen entsprechende Schablonen bereits über das Internet in Dutzende Länder. Dass der Trend seine Schattenseiten hat, ist manchen scheinbar unklar: „Sieht cool aus“, sagt etwa eine junge Frau in Berlin. Tatsächlich war der Sonnenbrand für ihren Geschmack sogar von zu kurzer Dauer: „Ich hab's schon mal selber gemacht, aber es hält nicht so lange, deswegen sehe ich da nicht so viel Sinn drin. Dann lieber ein richtiges Tattoo.“

Die Zahl der Hautkrebserkrankungen nimmt laut Deutscher Krebshilfe zu. Pro Jahr werden mehr als 875.000 Menschen behandelt. Dabei zählt zu viel Sonne als Risikofaktor Nummer 1 für das Entstehen von Hautkrebs. 

Aber wie gefährlich ist das? „Das ist die entscheidende Frage, mit der wir zunehmend konfrontiert werden“, sagt Fachmann Dirschka, der auch Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen ist. „Das Problem ist, dass es im Rahmen von solchen kräftigen Sonnenbränden auch zu Mutationen an genetischen Sequenzen kommt, die für die Unterdrückung von Tumor-Reaktionen verantwortlich sind.“ Deswegen erhöhe jeder Sonnenbrand das Risiko für Hautkrebs, warnt er. Auch ein kleines Herzchen auf dem Bauch sei davon nicht ausgenommen.

„Viele sagen, ich mache das nur an Stellen, wo ich noch nie Sonne hingekriegt habe““, warnt der Dermatologe. „Da ist die Haut natürlich besonders reizbar. Zum Beispiel an den Unterarmen oder am Gesäß.“

Allerdings macht bei weitem nicht jeder bei dem zweifelhaften Trend mit: „Das ist einfach nur krank und scheußlich“, sagt ein junger Mann, der am Checkpoint Charlie in Berlin unterwegs ist. „Wie man sich sowas antun kann, kann ich nicht nachvollziehen.“

Auch auf Twitter, wo Fotos der Sonnenbrand-Tattoos kursieren, gibt es Häme. „Das ist nicht #sunburnart. Das ist Hautkrebs“, warnen etwa US-Dermatologen in dem Kurznachrichtendienst.

Manche bekamen sogar ganz unfreiwillig ein Sonnenbrand-Tattoo: „Sprüh-Sonnencreme im Wind aufzutragen, hat mir den idiotischsten Sonnenbrand überhaupt beschert“, klagt Nutzerin Gretchen Eberl. „Die Leute müssen denken, ich unterstütze #sunburnart“.

Aber warum holen sich Menschen überhaupt freiwillig einen Sonnenbrand? „Die Haut ist natürlich eine soziokulturelle Projektionsfläche“, sagt Dirschka. „Ich glaube, dass die Motive in die Richtung gehen, dass man versucht, eine Individualität zu erzeugen.“ In der Hinsicht hätten die Sonnenbrand-Symbole etwas mit tatsächlichen Tattoos gemeinsam.

Wer sich mit Sonnenschutz eincremt, bevor er sich eine Schablone auf die nackte Haut legt, geht zwar verantwortungsbewusster an den zweifelhaften Trend heran - vom Dermatologen gibt es aber auch dafür kein grünes Licht. „Es gibt keinen kompletten UV-Schutz“, betont er. Je nach Hauttyp sei aber besondere Vorsicht geboten.

„Julio Iglesias kann den ganzen Tag mit nacktem Oberkörper in der Sonne sitzen - dem passiert nicht so viel. Aber wenn Boris Becker das Gleiche macht, hat er ein ganz hohes Risiko“, meint Dirschka. „Aber ein dunkler Hauttyp bedeutet nicht, dass man das sorglos machen kann.“

Denn letztlich bedeuten Sonnenbrand-Tattoos vor allem eines: grundlosen Schmerz. „Natürlich tut das weh. Das ist blasig, das ist entzündet, das schwillt an, das dauert lange, bis es abheilt, dann brennt jedes Duschen hinterher“, sagt der Dermatologe. „Warum jemand sowas macht, weiß ich nicht. Vernunftbezogene Gründe scheint es dafür nicht zu geben.“

#Sunburnart      

Ein von @ilaydauyank gepostetes Foto am

#Sunburnart      

Ein von @ilaydauyank gepostetes Foto am

Worauf man beim Sonnenschutz achten sollte:

Die meisten Sonnencremes und -sprays schützen gut vor UVB-Strahlen. Urlauber sollten aber auch auf den UVA-Schutz achten. Er beträgt am besten mindestens ein Drittel vom angegebenen Lichtschutzfaktor, der sich auf UVB-Strahlen bezieht. Darauf weist die Stiftung Warentest hin, die 19 Produkte geprüft hat. Alle 19 Produkte bekamen die Note „gut“ beim Schutz vor UVB-Strahlen. Sie lassen ungeschützte Haut verbrennen. UVA-Strahlung lässt die Haut frühzeitig altern und fördert Falten. Beide Arten können zu Hautkrebs führen. Ob Creme oder Spray, das kommt jeweils auf die individuellen Vorlieben an. Manche mögen Aerosol-Sprays, weil man sich damit auch alleine gut einsprühen kann. Aber Kinder sollten die Sprays nicht nutzen, weil die Gefahr besteht, dass sie die Mittel einatmen, sagt Bockholt. „Bei Sprays empfehlen die Experten sich zweimal einzusprühen, um die Haut eben genug zu schützen,“ sagt Ina Bockholt von der Stiftung Warentest. Die Faktoren 30 und 50 sind besonders für Kinder geeignet, sowie für empfindliche Menschen und solche, die in Länder in Äquatornähe reisen, wo die Strahlung besonders hoch ist. Menschen mit sehr heller Haut, roten oder hellblonden Haaren und Sommersprossen gehören zu den empfindlichen Hauttypen - ihr Eigenschutz reicht zum Teil weniger als zehn Minuten, teil die Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA) mit. Sie müssen auf einen hohen Schutzfaktor achten. Der Faktor gibt an, um wie viel Mal sich die Eigenschutzzeit der Haut verlängert. Zudem kann der UV-Index helfen, das eigene Sonnenbrandrisiko einzuschätzen und sich entsprechend zu schützen. Er gibt die Stärke der ultravioletten Strahlung an. Das BfS veröffentlicht im Internet montags, mittwochs und freitags eine Drei-Tages-Prognose des UVI.
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erstellt am 05.Aug.2015 | 10:43 Uhr

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