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Kuala Lumpur : Herrenlose Boeing 747: Besitzer meldet sich

vom

Wer hat seine Jumbo-Jets in Malaysia vergessen? Per Zeitungsannonce konnte der Besitzer jetzt gefunden werden.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 15:14 Uhr

Kuala Lumpur | Wer hat seine Jumbo-Jets in Malaysia vergessen? Der Flughafen in Kuala Lumpur hat Anfang der Woche den Besitzer von drei vermeintlich herrenlosen Boeing 747 gesucht - und zwar per Zeitungsannonce. Darin fordert der Betreiber des Airports den „unauffindbaren Eigentümer“ auf, sich zu melden. Am Freitag erklärte das malaysische Luftfrachtunternehmen Swift Air Cargo, es sei Besitzer der Boeings.

Das Unternehmen erklärte: „Wir haben die Flugzeuge gar nicht vergessen!“ Hintergrund sind offenbar Verwicklungen zwischen beiden Seiten. Er habe sich seit Monaten mit Managern des örtlichen Flughafenbetreiber MAHB getroffen, zuletzt am 12. Oktober, sagte SWIFT-Besitzer Blue Peterson.

Wenn Flugzeuge geparkt werden, kommt das den Gesellschaften teuer zu stehen. Denn dabei fallen nicht nur Parkgebühen, sondern später auch Kosten für Wartungsarbeiten an.

Danach seien weitere Briefe hin und her geschickt worden. Stattdessen habe der Flughafenbetreiber der Welt erklärt, der Besitzer der Flugzeuge werde vermisst. Der Anwalt von SWIFT, Syed Amir Syakib Arsalan, erklärte, die Maschinen seien im Juni von einer Firma in Hongkong gekauft worden. Eine Kopie des Kaufvertrags liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Ein Vertreter von MAHB konnte zunächst nicht erreicht werden.

In der Anzeige hieß es unter drei Fotos der Logo-freien Jumbo-Jets, der Besitzer sei „unauffindbar“. Würden die Maschinen nicht innerhalb von 14 Tagen abgeholt, werde MAHB sie verkaufen. Mit dem Geld sollten ausstehende Unkosten und Schulden beglichen werden. Flughäfen verlangen unter anderem Parkgebühren für Flugzeuge.

So merkwürdig die Geschichte zunächst klingt: Flugzeuge, die monate- oder jahrelang auf Flughäfen herumstehen und nicht abheben, sind keine Seltenheit. „Ein Teil der Weltflotte ist ständig geparkt. Wenn es für Airlines nicht so gut läuft, stellen sie ein paar Maschinen ab und warten, bis die Zeiten besser werden oder sie Käufer finden“, sagt der Luftfahrtberater Heinrich Großbongardt in Hamburg.

Immer wieder geht es - wie jetzt wohl auch in Malaysia - um Rechtsstreitigkeiten. Besonders viel Aufmerksamkeit bekam im Jahr 2011 die Maschine des thailändischen Kronprinzen Maha Vajiralongkorn. Die Boeing 737 wurde auf dem Flughafen in München gepfändet, weil die thailändische Regierung einem deutschen Baukonzern Geld schuldete. Erst als Thailand nach einmonatigem Hin und Her eine Bankbürgschaft von 38 Millionen Euro hinterlegte, wurde das Flugzeug losgekettet.

Oder die Maschinen bleiben einfach deswegen am Boden, weil sie nicht mehr fliegen können. In einem Hangar im Himalaya-Staat Nepal zum Beispiel steht derzeit eine A330 von Turkish Airlines. Im März hatte das Flugzeug dort im dichten Nebel eine Bruchlandung hingelegt. Die Techniker erklärten: Können wir nicht reparieren. Jetzt solle die Maschine zerlegt und in Einzelteilen in die Türkei gebracht werden, sagt Pawan Khadka, ein Mitarbeiter von Turkish Airlines in Kathmandu.

Auf dem Flughafen in Istanbul habe er neulich sogar mindestens zehn alte Flugzeuge gesehen, sagt der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. „Die trugen Aufschriften von Airlines wie Bosphorus Airways, die es gar nicht mehr gibt.“ Wahrscheinlich seien die Zertifikate abgelaufen, der Versicherungsschutz weg. „Wer soll die noch übernehmen, flugfertig machen, betanken und wegfliegen?“, fragt er.

Doch auch ausrangierte Maschinen können noch zu etwas gut sein - etwa als Ersatzteillager. „Gerade in Ländern mit Embargos wird aus den Maschinen alles Mögliche herausgenommen“, sagt Jörg Handwerg von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Da die Fluggesellschaften etwa im Iran über viele Jahre hinweg nichts von Boeing und Airbus kaufen konnten, schlachteten sie Maschinen für Ersatzteile aus.

Auch Air India ließ eine Maschine von Januar bis September als Ersatzteillager auf dem Boden. Aber keine alte Kiste, sondern einen ihrer 21 Boeing-Dreamliner, wie ein Sprecher der Airline bestätigte. Großbongardt schlägt da im Geiste die Hände über dem Kopf zusammen. „Ein solches Verkehrsflugzeug stehen zu lassen, bedeutet monatlich einen entgangenen Umsatz von weit über einer Million Euro“, sagt er.

Werden die großen Flughäfen zu Flugzeug-Friedhöfen? Immerhin werden jedes Jahr rund 1500 Verkehrsmaschinen gekauft und nur etwa halb so viele außer Dienst gestellt. Nein, meint Peter Pletschacher, Präsident des deutschen Luftfahrt-Presse-Clubs. Mobile Teams könnten um die Welt reisen und Flugzeuge vor Ort verwerten.

Die meisten alten Maschinen werden ohnehin fachgerecht auf Spezial-Flughäfen entsorgt, etwa auf der Davis-Monthan Air Force Base im US-amerikanischen Arizona, wo sie wegen des Wüstenklimas wenig rosten. Dort werden die Flugzeuge zerlegt und die noch brauchbaren Teile - oft etwa die Triebwerke und die Instrumente - weiterverkauft.

Der Rest - etwa das Aluminium - wird eingeschmolzen. „Manchmal aber kosten der Flug dorthin und das ordnungsgemäße Verschrotten mehr, als die Kiste noch einbringt“, sagt Großbongardt. Dann würden die Flieger hin und wieder irgendwo in Afrika oder Südamerika geparkt.

In Äthiopien etwa dient eine Boeing 737 als Restaurant. Und am Rande von Indiens Hauptstadt Neu Delhi begrüßt der pensionierte Airforce-Techniker Bahadur Chand Gupta jeden Tag Menschen in seinem Airbus 300. Die meisten von ihnen können sich keines der jährlich mehr als drei Milliarden verkauften Flugtickets leisten. Für 50 Rupien (68 Cent) bekommen sie bei Gupta trotzdem das Gefühl, abzuheben.

 

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