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Bornheim in Nordrhein-Westfalen : Heftige Reaktionen auf Schwimmbadverbot für männliche Flüchtlinge

vom

Weil eine Gruppe Asylbewerber badende Frauen belästigte, darf jetzt kein männlicher Flüchtling mehr zum Schwimmen kommen.

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2016 | 13:55 Uhr

Bornheim/Rheinberg | Die nordrhein-westfälische Stadt Bornheim bei Bonn sperrt ihr Hallenbad für männliche Flüchtlinge. Die Stadt habe ihnen den Zugang verboten, weil sich immer mehr Besucherinnen und Angestellte über sexuelle Belästigungen durch Männer aus einer nahen Asylbewerberunterkunft beschwerten, sagte Sozialdezernent Markus Schnapka am Freitag. Dabei habe es sich nicht um Straftaten gehandelt. Es ging vielmehr um verbale Attacken, sagte Schnapka dem „Express“.

Nach den Übergriffen an Silvester in Köln und Hamburg ist in Deutschland eine Debatte über die Flüchtlingssituation in Deutschland entbrannt. Immer wieder sorgen Zwischenfälle wie in Bornheim in diesen Tagen für ein großes Echo in den Medien und sozialen Netzwerken.

Das Verbot sei bei den Bewohnern der Unterkunft auf Verständnis gestoßen. Schnapka hatte zuvor alle Bewohner der Unterkunft zu einer Versammlung zusammengerufen. „Sobald wir von den Sozialdiensten die Mitteilung bekommen, dass die Botschaft angekommen ist, beenden wir diese Maßnahme wieder“, sagte Schnapka und bestätigte damit mehrere Medienberichte.

Die Stadt Bornheim teilte mit, die Flüchtlinge hätten Ausweise, mit denen sie bisher preiswerter ins Schwimmbad gekommen seien. Anhand dieser Ausweise könne man sie erkennen und ihnen den Zutritt verweigern.

Das Sperren von Schwimmbädern für Flüchtlinge wie in Bornheim lässt sich nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen juristisch kaum halten und in der Praxis nicht durchsetzen. Ein Zutrittsverbot wie es die Stadt bei Bonn jetzt praktiziert, lehne der Verband ab, sagte dessen Sprecher Joachim Heuser, am Freitag auf Anfrage. Möglichen Problemen mit männlichen Flüchtlingen will die Gesellschaft durch klare Verhaltenshinweise vorbeugen.

Die bereits bestehenden und in den Bädern aushängenden Sicherheitstipps würden ergänzt, kündigte der Sprecher der Gesellschaft an. In vielen Sprachen solle darauf hingewiesen werden, dass auch im Schwimmbad die Würde und die Persönlichkeitsrechte von Frauen und Männern geachtet werden müssen und vor allem körperliche Berührungen oder mündliche Anspielungen untersagt sind.

Zu ähnlichen Vorfällen ist es in einem Schwimmbad in Netphen (Kreis Siegen-Wittgenstein) gekommen. Die Polizei ermittelt dort wegen eines möglichen Sexualdelikts. Eine Gruppe von Asylbewerbern hatte dort weibliche Badegäste belästigt. Auch in in Neumünster war in dieser Woche ein Einsatz der Polizei im Bad am Stadtwald gemeldet worden. Eine 13-Jährige fühlte sich von einer Gruppe Ausländer im Alter zwischen 13 und 15 Jahren belästigt. Es habe sich jedoch nicht um eine strafbare Handlung gehandelt, sagte ein Polizeisprecher. Zwei Jugendlichen wurde ein Platzverweis erteilt.

Auf Twitter reagierten viele mit Unverständnis auf die Maßnahmen in Bornheim:

Ein Twitter-Nutzer fordert sogleich ein Strandverbot für deutsche Männer auf Mallorca...

...oder ebenfalls Badeverbote für aufdringliche Deutsche.

Und ein anderer Nutzer hält das Ende der Fahnenstange für erreicht.

Es gibt auch Befürworter der Aktion.

Ein Twitterer äußert bereits Sorgen, nach Köln und jetzt Bornheim könnte das Jahr 2016 ziemlich eklig werden.

Bornheim will das Schwimmbadverbot für männliche Flüchtlinge aus den Unterkünften in der Nachbarschaft in der nächsten Woche wieder aufheben. Das erklärte Bürgermeister Wolfgang Henseler am Freitag im Gespräch mit dem Bonner „General-Anzeiger“ nach Angaben der Zeitung. Am Montag werde der Verwaltungsvorstand darüber beraten, an welchem Tag das Verbot aufgehoben werde. Ob die schnelle Abkehr von dem Verbot mit der hitzigen Diskussion zusammenhängt, ist nicht bekannt.

Bereits am Donnerstag sorgte die Entscheidung der Stadt Rheinberg am Niederrhein, ihren Karnevalsumzug abzusagen, für heftige Diskussionen im Netz. Dabei spielte laut Vertreter der Stadt auch die Nähe des Zugs zu einer Flüchtlingsunterkunft eine Rolle. Ein Sicherheitskonzept wäre dafür erforderlich gewesen. Der zuständige Orsoyer Karnevalsverein hatte in der Kürze der Zeit keines mehr einreichen können. Der Umzug sei aber nicht nur wegen der Nähe zur Unterkunft abgesagt worden, betonte die Stadt.

Nach den Übergriffen vermutlich arabischer und nordafrikanischer Männer in der Kölner Silvesternacht habe man Angst, sagte Liane Weyers, eine Rheinberger Bürgerin. „Aber wir sind in Deutschland und das ist unsere Tradition. Was geben wir demnächst auf? Weihnachten?“

Aus anderen Kommunen wurden solche Rosenmontags-Absagen bislang nicht bekannt. Allerdings hat die Polizei in einigen Großstädten wie Köln oder Essen bereits eine Urlaubs- und Freizeitsperre für ihre Beamten an Rosenmontag ausgesprochen. In Münster sagte eine Sprecherin am Freitag: „Wir werden unsere Beamten an bestimmten Brennpunkten gut verteilen.“

 

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