Tödlicher Schuss auf 18-Jährigen : Hausbesitzer in Hannover erschießt mutmaßlichen Einbrecher

Ein Mann hört Geräusche auf seinem Grundstück und sieht nach. Er entdeckt drei Unbekannte. Dann greift er zur Waffe.

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09. Juni 2015, 10:51 Uhr

Hannover | Ein Hausbesitzer hat in der Nacht zum Dienstag in Hannover einen mutmaßlichen Einbrecher niedergeschossen. Wie die Polizei mitteilte, erlag der 18-Jährige in den frühen Morgenstunden seiner schweren Schussverletzung im Krankenhaus. Die Einsatzkräfte hatten den jungen Mann wenige hundert Meter vom Haus entfernt gefunden. Er war lebensgefährlich verletzt und musste vor Ort wiederbelebt werden. Anschließend wurde er in einem Krankenhaus operiert.

In Deutschland sterben laut Statistischem Bundesamt jährlich rund 70 Menschen durch Schusswaffen bei Angriffen und Unfällen. Hinzu kommen etwa 750 Selbstmorde. Nach Recherchen der Zeitung „Die Zeit“ wurden 2013 mindestens 27 Menschen durch registrierte Schusswaffen getötet. 5,5 Millionen legale Schusswaffen sind in Deutschland registriert. Sie verteilen sich auf 1,45 Millionen Besitzer, meist Jäger, Sportschützen oder Sammler.

In den Landkreisen Nordfriesland, Ostholstein, Segeberg, und Steinburg sind unter 100 Schusswaffen pro 1000 Einwohner registriert, in den Kreisen Schleswig-Flensburg, Dithmarschen, Rendsburg-Eckernförde, Plön und dem Herzogtum Lauenburg sind es knapp über 100. Die Städte Flensburg, Kiel, Neumünster und Hamburg weisen weit geringere Zahlen auf. Hier sind im Schnitt knapp 30 Waffen registriert. Über 150 sind es dagegen in Regionen Bayerns oder Niedersachsens. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg (NDS) sind es zum Beispiel 186 pro tausend Einwohner. Details und eine Karte gibt es hier.

Der 40-jährige Hausbesitzer hatte nach eigenen Angaben in der Nacht Geräusche auf seinem Grundstück gehört. Als er nachsehen wollte, habe er drei Unbekannte angetroffen. Bei einem der Männer soll der 40-Jährige eine Waffe entdeckt haben, wie er später laut Polizei sagte. Deshalb sei er ins Haus zurückkehrt und habe seine eigene Handfeuerwaffe geholt. Anschließend habe er einen einzelnen Schuss abgegeben. Die genauen Hintergründe, weshalb er schoss, sind noch unklar. Die Unbekannten flüchteten zu Fuß in verschiedene Richtungen. Der 40-Jährige alarmierte daraufhin die Polizei.

Von den anderen beiden Einbrechern fehlt noch jede Spur. Die Polizei sucht sie mit einem Großaufgebot und einem Hubschrauber. Wie ein Sprecher erklärte, hatte der Hausbesitzer eine Genehmigung für den Besitz der Schusswaffe. Gegen ihn wird nun wegen des Verdachts auf Totschlag ermittelt.

Einen ähnlichen Fall gab es im Dezember 2010 in Sittensen bei Hamburg. Damals starbt der 16-jährige Neumünsteraner Labinot S. durch Schüsse aus der Waffe eines 81-jährigen Hausbesitzers. Der Jugendliche albanischer Herkunft war am 13. Dezember 2010 mit vier Komplizen von seinem Wohnort Neumünster zur Villa des alten Mannes gefahren. Der Plan der Gruppe: Sie wollten den wohlhabenden Rentner überfallen. Der Tipp soll von einer Neumünsteraner Prostituierten gekommen sein.

Als Ernst B., der als Jäger auch Schusswaffen besitzt, gegen 21.55 Uhr zu seinem Hundezwinger gehen wollte, wurde er plötzlich von den fünf teilweise maskierten Tätern ins Haus gedrängt. Sie forderten Geld und nahmen ihrem Opfer zunächst das Portemonnaie ab. Danach durchsuchten sie das Anwesen, fanden im Obergeschoss einen Tresor. Beim Versuch, den massiven Schrank zu öffnen, lösten sie Alarm aus und flüchteten auf das weitläufige Grundstück. Labinot rannte offenbar gerade über die Terrasse, als der Rentner mit einer Pistole hinter der Gruppe her schoss. Er traf den 16-Jährigen. Der Junge brach zusammen und starb an seinen schweren Verletzungen. Im Juli 2011 wurden seine drei Komplizen wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb Jahren sowie vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Der 81-jährige Todesschütze wurde erst im Oktober 2014 wegen Totschlags zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es: „Der Rentner gab die Schüsse aus Angst um sein Leben bewusst ab, überschritt dabei aber die Grenzen der Notwehr“.

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