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"Crossing Over" : Harrison Ford im Einwanderungsdrama

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Das Drama "Crossing Over" erzählt von dem hohen Preis, den die Fremden für einen Platz in der US-Gesellschaft zahlen müssen.

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erstellt am 29.Jun.2009 | 09:35 Uhr

Die Grenze nach Amerika überwinden, ankommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Dafür würden illegale Einwanderer alles tun. Das Drama "Crossing Over" erzählt von dem hohen Preis, den die Fremden für einen Platz in der US-Gesellschaft zahlen müssen. Denn im amerikanischen "Melting Pot" (Schmelztiegel) herrscht ein brutales Darwinsches "Survival of the Fittest". Mord, Raub, sexuelle Ausbeutung und staatlich subventionierte Erpressung prägen das Leben der Menschen, von denen der Film in zahlreichen Handlungssträngen erzählt. Es ist ein bedrückend düsteres Mosaik einer Gesellschaft, die Fremden auch als Folge des 11. Septembers immer weniger Raum gibt. Harrison Ford spielt an der Seite von Ray Liotta, Ashley Judd und Cliff Curtis.

Regisseur Wayne Kramer ("Running Scared") kennt die Mühlen der Bürokratie bei der Vergabe von Greencards und Pässen aus eigener Erfahrung. 1965 in Südafrika geboren, bekam er im Jahr 2000 nach jahrelangem Aufenthalt in Los Angeles schließlich die US- Staatsbürgerschaft. Die Schlussszene des Films, als vor einer Gruppe Immigranten die US-Hymne gesungen wird und feierlich die Staatsbürgerschafts-Urkunden verliehen werden, hat Kramer wohl selbst erlebt.
Einige bleiben auf der Strecke

Diese ersehnte Zeremonie erleben nicht mehr alle Filmfiguren. Einige bleiben in dem Ringen um einen legalen Aufenthalt in Los Angeles, der "Stadt der Engel", auf der Strecke. Das Drama erzählt von Abschiebung und Adoption, von zarter Hoffnung und abgründiger Verzweiflung.

Im Mittelpunkt steht der Polizist Max Brogan (Ford), der seinen Job bei der Einwanderungsbehörde mit müden Bewegungen und stumpfem Blick versieht. Ohnmächtig angesichts des täglichen Elend der illegalen Einwanderer, will er im Einzelfall helfen. Doch seine Aktivität verpufft, am Ende des Filmes verlässt ihn die Kamera in einem staubigen mexikanischen Grenzdorf. Er hat eine Todesnachricht überbracht, obgleich er doch Leben retten wollte.
Vergleichbar mit "L.A.Crash"

Regisseur Kramer orientiert sich formal an Steven Soderberghs "Traffic", dessen Aufnahmen von diesseits und jenseits der mexikanischen Grenze in Blau- und Rottöne sowie in gleißendes Licht getaucht waren. Inhaltlich ist der Vergleich zu dem oscargekrönten "L.A.Crash" offensichtlich. Doch als wollte Kramer noch etwas drauf legen, inszeniert er ein unübersichtliches Geflecht an Figuren: Ein Koreaner wird in eine Jugendgang gezwungen, ein muslimisches Mädchen wird terroristischer Umtriebe verdächtigt, ein australisches Model bietet Sex gegen eine Greencard - um nur einige der ein Dutzend miteinander verwobenen Geschichten zu nennen.

Weniger wäre im Fall von "Crossing Over" mehr gewesen - mehr Raum zur Entfaltung der verbliebenen Charaktere, mehr Zeit, um die Abgründe der Geschichten auf die Zuschauer wirken zu lassen. Das Ganze wirkt mit seinen hastig umrissenen Figuren doch eher wie eine cineastische Versuchsanordnung. Den visuellen und erzählerischen Sog seiner filmischen Vorbilder erreicht "Crossing Over" nicht. Dafür ist der gute Wille des Films - die Sensibilisierung des Zuschauers beim Thema Immigration und Chancengleichheit - zu leicht erkennbar. Wenn am Ende vor einer US-Fahne ein Mörder überführt wird, flackert mehr amerikanischer Patriotismus und Glaube an die Justiz auf, als nach den vorangegangenen düsteren Bildern glaubhaft ist.

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