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Verdacht auf Beihilfebetrug : Handtaschensammlung von Osnabrücker Lehrerin wird versteigert

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Sie soll ein Vermögen ergaunert haben. Um ein Teil des Schadens zu bezahlen, müssen ihre Handtaschen dran glauben.

shz.de von
erstellt am 27.Jun.2017 | 15:51 Uhr

Osnabrück | Die Osnabrücker Staatsanwaltschaft hat beim Landgericht Anklage gegen eine Lehrerin erhoben, die über Jahre hinweg mit gefälschten Rezepten ein Vermögen ergaunert haben soll. Um einen Teil des Schadens wiedergutzumachen, wird die mondäne Handtaschensammlung der Frau demnächst versteigert.

Hintergrund: Teure Handtaschen

Für Luxustaschen werden manchmal Summen auf den Tisch gelegt, für die auch ein Kleinwagen gekauft werden könnte. Aber warum ist die Designerware so teuer?

Auf der Homepage der Marke Bottega Veneta wird in Videos gezeigt, wie die Handtaschen hergestellt werden. Die Tasche wird in Handarbeit zusammengenäht. Merkmal dieser Taschen ist das Flechtmuster des Leders, das Intrecciato, bei dem das hochwertige Leder per Hand gewebt wird. Für diese „Handwerkskunst“, wie es auf der Seite genannt wird, schnellt der Preis für eine solche Tasche schnell auf mehrere tausend Euro, je nach Größe des Stücks.

Trendforscher Peter Wippermann sieht als Grund dafür, dass die hohen Preise überhaupt bezahlt werden noch einen anderen Grund, als die beworbene Qualität des Produktes: „Bei den Designtaschen ist es häufig ein Statusgewinn innerhalb einer Insidergruppe.“ Diese Gruppe sehe dann eine besondere Wertigkeit in den Taschen, die andere auf den ersten Blick nicht unbedingt sehen würden. Der Status sei hier auch wichtiger, als die Produktqualität.

Die Osnabrücker Realschullehrerin soll nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer in den vergangenen Jahren einen massiven Beihilfebetrug begangen haben. Sie soll dabei Rezepte mehrerer Ärzte verfälscht und dann bei der Beihilfestelle eingereicht haben. Wegen einer Erkrankung habe die Pädagogin, die an einer Osnabrücker Realschule tätig ist, regelmäßig Medikamente verschrieben bekommen.

Erstattungshöhe manipuliert

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, soll die Frau mit Nagelschere und Farbdrucker in einem Zeitraum von November 2012 bis August 2016 Originaldokumente verändert und diese anschließend beim Niedersächsischen Landesamt für Bezüge und Versorgung (NLBV) eingereicht haben. In der Regel strecken Beamte die Kosten für Medikamente- und Arztrechnungen vor und reichen die Belege später zur Erstattung bei der der privaten Krankenversicherung und beim NLBV ein. Bei den Belegen für Letztgenannte soll die Frau Mengenangaben und somit die Erstattungshöhe manipuliert haben.

Anklage erhoben

Die Staatsanwaltschaft hat beim Osnabrücker Landgericht mittlerweile Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung in 112 Fällen erhoben. Die Höchststrafe dafür liegt bei bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Den monatlich entstandenen Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf rund 16.000 Euro. Im nicht rechtsverjährten Zeitraum – in diesem Fall die zurückliegenden fünf Jahre – soll die Beamtin so mehr als 900.000 Euro zu Unrecht bekommen haben. Auf die Schliche gekommen sind die Ermittler der Frau im Herbst vergangenen Jahres – offenbar durch einen Tipp aus dem NLBV. Seinerzeit durchsuchten mehrere Staatsanwälte und zahlreiche Polizeibeamte das laut Staatsanwaltschaft „luxuriös eingerichtete Einfamilienhaus“ der Frau in Osnabrück.

Handtaschensammlung unterm Hammer

Um den entstandenen Schaden zumindest in Teilen wiedergutzumachen, hat die Staatsanwaltschaft die luxuriöse Handtaschensammlung der Frau im Wert von rund 100.000 Euro eingezogen. Dazu gehören Exemplare der Edelmarken Louis Vuitton, Hermes und Bottega Veneta. Die Taschen werden über das Portal www.justiz-auktion.de gegen Höchstgebot versteigert. Die ersten Modelle, die versteigert werden, sind dort bereits online zu sehen. Laut Oberstaatsanwalt Retemeyer sind im Zuge der Ermittlungen noch mehr Vermögenswerte der Frau sichergestellt worden. Um einen Wertverlust bei den Handtaschen zu vermeiden, würden diese jetzt zeitnah unter dem Hammer landen. Die Erlöse aus dieser und möglicher weiterer Versteigerungen – offenbar wurde auch Schmuck sichergestellt – kommen der geschädigten Landeskasse zu.

Pensionsansprüche können verloren gehen

Sollte es zu einer Verurteilung kommen, könnte das der Staatsanwaltschaft zufolge auch Auswirkungen auf die Pensionsansprüche der Pädagogin haben. Der Versorgungsanspruch könne im Falle einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe verloren gehen. Ob und wann es zu einer Verhandlung kommt, muss noch von der Kammer entschieden werden.

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