Familie : Gute Tattoo-Studios ähneln einer Arztpraxis

Handschuhe sind ein gutes Zeichen: Beim Tätowieren ist Hygiene oberstes Gebot.  
Handschuhe sind ein gutes Zeichen: Beim Tätowieren ist Hygiene oberstes Gebot.  

Tattoos zieren den Körper von ungefähr jedem zehnten Deutschen. Gesetzliche Vorschriften zu Qualifikationen und Weiterbildungen für Tätowierer gibt es nicht. Ein gutes Tattoo-Studio fällt durch hohe Hygiene-Standards und Freundlichkeit auf.

shz.de von
09. September 2013, 15:16 Uhr

Ein kleiner Schmetterling auf der Schulter, ein Strichcode im Nacken oder Sterne am Handgelenk: Vor allem Jugendliche wollen mit Tattoos Gefühle ausdrücken. Oder die Bilder und Symbole sollen einfach nur den Körper verzieren. Aber welchen Tätowierer lässt man an solch ein wichtiges Projekt? «In einem professionellen Studio sollte es vor allem sauber sein, auch ein Rauchverbot ist selbstredend», sagt Mario Flöter. Flöter ist Tätowierer in Trittau (Schleswig-Holstein) und Vorstandsmitglied der Deutschen Organisierten Tätowierer (DOT).

Ein gutes Tattoo-Studio ist hell, gut durchlüftet und vor allem desinfiziert. Die Arbeitsbereiche sind ähnlich wie die von Ärzten ausgestattet: leicht abwaschbare Oberflächen und Böden, Waschbecken, Desinfektionsmittel, Abfalleimer und Liegen mit Einwegtüchern.

Einen guten Tätowierer erkennen Jugendliche an seinen bisherigen Arbeiten, die er im Studio auf Fotos zeigt. «Außerdem wird er jede noch so blöde Frage professionell und freundlich beantworten», sagt Flöter. Ist einem der Tätowierer unsympathisch, rät der Experte, ein anderes Studio aufzusuchen. Bei einer Vorbesprechung klärt der Tätowierer über Risiken, Komplikationen und Allergien auf - im besten Fall mündlich und schriftlich.

Im Vorfeld sollten sich Jugendliche gründlich Gedanken über das Motiv machen. Flöter rät, vor allem die Körperstelle mit Bedacht zu wählen - auch mit Blick in die Zukunft. «Ein nicht verdeckbares Tattoo kann bei der Jobsuche hinderlich sein.» In einem professionellen Studio weisen Tätowierer auch darauf hin.

Das Tattoo wird mit sterilen Nadeln und Einweghandschuhen gestochen. Alle Einweginstrumente sollten vor den Augen des Kunden ausgepackt werden. Eine Pflegeanleitung klärt Kunden über die Heilung auf: Dreimal täglich sollten sie ein frisch gestochenes Tattoo waschen und eincremen. Auf Sport und Saunagänge verzichten sie besser einige Tage lang. Auch direkte Sonneneinstrahlung tut dem Tattoo nicht gut. Nach zwei Wochen sind die Stiche in der Regel abgeheilt. «Sollte es wirklich zu Komplikationen kommen, sollte man zuerst den professionellen Tätowierer aufsuchen», empfiehlt Flöter. In ernsten Fällen schickt er den Kunden zum Arzt.

Viele Studios tätowieren mit einer Einverständniserklärung der Eltern schon 16-Jährige. «Nach unseren Erfahrungen ist es aber sinnvoll, sich erst ab 18 Jahren tätowieren zu lassen», sagte Flöter. «Da Minderjährige körperlich noch gar nicht ausgewachsen sind, würde sich eine Tätowierung beim Wachstum stark verändern.»

DOT-Hygienerichtlinien für Tätowierer

Barmer-GEK-Broschüre Körperschmuck

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