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Letzte Sendung : Günther Jauchs bizarrer Abschied mit Gegendarstellung

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Aus der Onlineredaktion

Günther Jauch ist bekannt dafür, gegen Boulevardmedien vorzugehen. Nun hat der Bauer-Verlag zurückgeschlagen.

Berlin | Die letzte Politik-Talkshow von Günther Jauch verlief wie so viele andere vorher in den vergangenen viereinhalb Jahren. Der 59-Jährige hakte seinen Fragekatalog ab – und ein eloquenter Gast rettete die Sendung. So geschehen auch am Sonntagabend, als Jauch die nach ihm benannte Show noch einmal moderierte. Rede und Antwort stand ihm Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Günther Jauch ist eine deutsche TV-Legende. Sein Ausflug in eine ARD-Sonntag-Abend-Talkshow gilt jedoch bei vielen als missglückt: Zu wenig nachgefragt, Gesprächsführung entglitten, das sind zwei gängige Kritikmuster. Dass er ausgerechnet in seiner letzten Sendung nicht das letzte Wort behält, sorgt zu seinem Abschied noch einmal für Gesprächsstoff.

Jauch wollte von dem CDU-Politiker wissen, ob er nach dem Ende der Wahlperiode 2017 weiter in der Bundespolitik mitmischen oder aussteigen wolle. Schäuble, der nichts Konkretes dazu sagen wollte, erklärte dem verdutzten Gastgeber: „Ich habe nur gehört, Sie wollen die Sendung gar nicht mehr fortsetzen. Sonst könnten wir ja dieses Gespräch in zwei Jahren führen.“

Der Minister rang Jauch ein Lächeln ab. Der Moderator sagt schließlich leicht neckisch: „So verführerisch diese Antwort ist, sie könnte mich wiederum nicht dazu verführen, die Sendung noch zwei Jahre länger zu machen.“

Der Aussage merkte man an, dass Jauch die Nase voll von Politik-Talk hat. Pinar Atalay ließ sich die Chance denn auch nicht nehmen, zum Abschluss einer Schalte ins Tagesthemen-Studio Jauch „alles Gute für die Zukunft" zu wünschen. Schäuble meinte: „Dem Wunsch schließe ich mich an.“ Jauch dankte allen Zuschauern, dass sie ihm „so wunderbar die Treue gehalten“ hätten. Er appellierte an die Fernsehnation, „dieses Vertrauen“ auch seiner Nachfolgerin Anne Will angedeihen zu lassen. „Wünsche Ihnen alles Gute - und jetzt noch einen schönen Abend.“

Damit war Jauchs Zeit als Polit-Talker vorbei. Wäre da nicht der bizarre Auftritt von Tom Junkersdorf gewesen, ehemals Chefredakteur der Boulevardzeitschrift „Closer“, die beim Bauer-Verlag erscheint. Jauch ist bekannt dafür, sich mit Revolverblättern anzulegen. Sobald es um teilweise auch winzige oder scheinbar unbedeutende Details seines Privatlebens geht, zieht er vor Gericht mit dem Ziel, Aussagen zu unterbinden oder Gegendarstellungen durchzusetzen.

Mitunter wird er vorsorglich aktiv und warnt Redaktionen - etwa wie 2006 vor seiner Hochzeit - unter Androhung juristischer Schritte, im Detail zu berichten. Der Blog Topfvollgold, der journalistische Fehlleistungen und blanken Unsinn aus Klatschzeitungen aufs Korn nimmt, hat einige bizarre Beispiele aufgeführt.

Jauch begründet sein entschiedenes Vorgehen gegen Berichterstattung über sein Privatleben damit, dass er es ablehne, „das Vermögen von denjenigen, die diesen Dreck produzieren, noch zu vermehren“. Die Zeitschrift „Closer“ musste eine Gegendarstellung von Jauch dreimal hintereinander drucken, weil dessen Anwalt bei den ersten zwei Versuchen Dinge entdeckt hatte, die den Vorgaben des Gerichts, das in dem Fall entschieden hatte, nicht entsprachen. Irgendwann beschlossen Junkersdorf und der Bauer-Verlag ganz offenkundig, den Spieß umzudrehen. 

Unmittelbar nach dem Ende der letzten Jauch-Sendung am Sonntagabend erschien – definitiv unerwartet für den Zuschauer – das Statement von Junkersdorf, verlesen von einem Sprecher. In der Sendung vom 13. April 2014 ging es - vor allem mit Blick auf den Unfall von Formel-1-Legende Michael Schumacher - um die Frage, wie weit Medien im Umgang mit Prominenten gehen dürften.

Jauch blendete ein Schriftlaufband ein mit all jenen Zeitschriften, die seinen Angaben zufolge einen Auftritt in der Sendung abgelehnt hatten. Junkersdorf, der inzwischen beim Bauer-Verlag anderen Aufgaben nachgeht, erklärte: „Hierzu stelle ich fest: Am Freitag vor der Sendung hat eine für ,Closer' tätige Medienagentur der Produktionsfirma meine Teilnahme an der Sendung angeboten. Dies wurde abgelehnt.“

Die Gegendarstellung ist Folge einer längeren juristischen Auseinandersetzung. Junkersdorfs Widerspruch war Anfang des Jahres schon einmal kurz vor dem Abspann einer Jauch-Sendung verlesen worden. Dem Vorgang kommt gerade deshalb grundlegende Bedeutung für künftige Platzierungen von Gegendarstellungen im Fernsehen und in Videos zu. In Print-Produkten ist es Pflicht, den inhaltlichen Widerspruch auf der Seite zu bringen, wo das stand, was der Kläger beanstandet. Wird auf einer Titelseite etwas behauptet, dem erfolgreich vor Gericht widersprochen wird, muss die andere, also die „siegreiche“ Version auf dem Titel veröffentlicht werden.

Offenbar reichte dem Bauer-Verlag die Form beziehungsweise die Platzierung der erstmals verlesenen Gegendarstellung nicht aus. Allerdings durfte Junkersdorf seine Sicht der Dinge auch am Sonntagabend nicht innerhalb der Sendung verlesen lassen. Jedoch setzte der Bauer-Verlag durch, den Widerspruch ein zweites Mal unterzubringen. 

Auffällig ist an der Stelle, dass Jauch nach der ersten Ausstrahlung der Gegendarstellung noch widersprochen hatte, aber offenkundig nun darauf verzichtete. Ob als Folge eines Gerichtsentscheids oder freiwillig, wurde nicht bekannt. Im Januar hatte die Redaktion erklärt, „zu dem Zeitpunkt“, als die fragliche Agentur Junkersdorf „als Teilnehmer der Sendung vorgeschlagen“ habe, sei vom Bauer-Verlag „eine Teilnahme an der Sendung ,Günther Jauch' für alle Chefredakteurinnen und Chefredakteure aller Titel des Hauses Bauer abgesagt“ worden.

Bei Twitter sorgte die Gegendarstellung zum Abschied von „Günther Jauch“ gleich für Gesprächsstoff. Unter anderem twitterte TV-Moderator Jan Böhmernann („Neo Magazin Royale“)

„Spiegel“-Autor Markus Feldkirchen findet die Gegendarstellung zum Abschied „unwürdig“.

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erstellt am 30.Nov.2015 | 10:26 Uhr

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