Nach Diebstahl von 100-Kilo-Goldmünze : Große Kunstraube der Neuzeit

Schwergewicht: Die 100-Kilo-Münze wird von drei Arbeitern in Position gewuchtet.

Schwergewicht: Die 100-Kilo-Münze wird von drei Arbeitern in Position gewuchtet.

Die Diebe in Berlin sind mit dem Taler auf der Flucht. Kunstdiebstähle sind häufig nicht erfolgreich. Ein Rückblick.

shz.de von
28. März 2017, 16:25 Uhr

Berlin | Nach dem Diebstahl einer wertvollen kanadischen Goldmünze aus einem Ausstellungshaus auf der Museumsinsel in Berlin sucht die Polizei die Täter. Unbekannte hatten in der Nacht zu Montag die Münze mit einem geschätzten Materialwert von 3,8 Millionen Euro aus dem Münzkabinett im Bode-Museum gestohlen. Die 100 Kilo schwere und 53 Zentimeter große „Big Maple Leaf“ mit dem Portrait von Königin Elizabeth II. hat einen Nennwert von einer Million kanadischer Dollar (700.000 Euro). Der Raub ist nicht der einzige große Kunstraub. shz.de mit einem Rückblick:

Deutschland 1962: Madonnenraub

Der sogenannte „Madonnenraub“ sorgte am 7. August 1962 und in den darauffolgenden Wochen für Aufsehen. Bei dem spektakulären Kunstdiebstahl entwendeten Diebe die Rosenkranzmadonna von Tilman Riemenschneider aus der Volkacher Wallfahrtskirche Maria im Weingarten. Bei dem Diebstahl wurde die Madonna beschädigt. Der Fall sorgte für große mediale Aufmerksamkeit. Das Magazin „Stern“ lobte im Verlauf ein Lösegeld von 100.000 D-Mark für die Kunstwerke aus und konnte die Rückgabe des Kunstwerks erwirken. Der Vorgang löste heftige Debatten aus. Die Madonna musste restauriert werden, bevor sie wieder in die Kirche in Volkach kam. Die Haupttäter wurden 1967 verhaftet und gestanden die Taten.

Die Riemenschneider-Madonna.
Imago/imagebroker
Die Riemenschneider-Madonna.
 

Deutschland 1989: Carl Spitzweg

Zwei Männer überwältigen im September im Schloss Charlottenburg in Berlin die Wärter und rauben zwei Bilder von Carl Spitzweg, darunter eine Fassung des Werkes „Der arme Poet“ und das Bild „Der Liebesbrief“. Von beiden Bildern fehlt jede Spur.

„Der arme Poet“: Das Bild gibt es in vier Versionen. Eine ist seit 1989 verschwunden.
dpa
„Der arme Poet“: Das Bild gibt es in vier Versionen. Eine ist seit 1989 verschwunden.
 

USA 1990: Isabella-Stewart-Gardner-Museum

In Boston (Massachusetts) stehlen zwei als Polizisten verkleidete Täter am 18. März 13 Kunstwerke aus dem Isabella-Stewart-Gardner-Museum. Darunter Werke von Jan Vermeer (das Konzert), Edouard Manets (Chez Tortoni) und drei Gemälde von Rembrandt. Die Tat und der Verbleib der Kunst ist bis heute nicht geklärt.

2013 wurde erneut der Versuch unternommen, Hinweise auf die verschwundenen Bilder zu bekommen.
dpa
2013 wurde erneut der Versuch unternommen, Hinweise auf die verschwundenen Bilder zu bekommen.

Deutschland 1994: Kunsthalle Schirn

Drei Gemälde entwendeten Diebe am 28. Juli aus der Kunsthalle Schirn in Frankfurt. Darunter „Light and Colour“ und „Shade and Darkness“ von William Turner sowie das Werk „Nebelschwaden“ von Caspar David Friedrich. Die Täter ließen sich in der Ausstellung einschließen, überwältigten in der Nacht einen Wachmann und verschwanden mit den Bildern, die von der Tate Gallery in London und der Kunsthalle Hamburg ausgeliehen waren. Zwei Diebe und ein Hehler wurden später geschnappt und 1999 zu hohen Haftstrafen verurteilt. Der Raub wurde der Jugoslawen-Mafia zugerechnet. Der Hauptdrahtzieher kam straffrei davon. Die Bilder wurden später durch die Tate Gallery sowie die Kunsthalle zurückgekauft.

„Nebelschwaden“ von C.D. Friedrich.
dpa
„Nebelschwaden“ von C.D. Friedrich.

Niederlande 2002: Van Gogh

Bei einem Einbruch ins Van-Gogh-Museum in Amsterdam werden die Van-Gogh-Gemälde „Zeegezicht bij Scheveningen“ (Meeressicht bei Scheveningen 1882) und „Het uitgaan van de Hervormde Kerk te Nuenen“ (Die Kirche von Nuenen mit Kirchgängern 1884/1885) gestohlen. Die Diebe waren in der Nacht mit einer Leiter über das Dach in das Museum eingestiegen und unerkannt entkommen. Sie wurden später gefasst und 2005 zu Haftstrafen von mehr als drei Jahren verurteilt. 2016 werden beide Bilder im Haus eines neapolitanischen Drogenbarons sichergestellt. Die Malereien konnten erst mit Zustimmung der Italienischen Justiz im Januar 2017 nach Amsterdam zurückkehren. Die Gemälde waren leicht beschädigt, aber in relativ gutem Zustand, bestätigte das Museum. Der Wert der Bilder wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt.

Ein italienischer Polizist mit dem Bild von van Gogh.
dpa
Ein italienischer Polizist mit der Meeressicht bei Scheveningen.

Norwegen 2004: Edvard Munch

Die Temperaversion „Schrei“ von 1910 und eine Version von „Madonna“ des Malers Edvard Munch wird am 22. August aus dem Munch-Museum in Oslo gestohlen. 2006 wurden sechs der mutmaßlich sieben Täter geschnappt. Bei einer Razzia können am 31. August desselben Jahres die Bilder sichergestellt werden. Die Schäden an den Bildern waren groß. Sie mussten restauriert werden. Schon 1994 war der „Schrei“ in einer Version von 1893 aus der norwegischen Nationalgalerie gestohlen worden. Drei Monate später wurde das Bild gefunden und die Täter im Anschluss verurteilt.

2008 wurden die restaurierten Bilder (hier „Schrei“) erstmals wieder der Öffentlichkeit gezeigt.
dpa
2008 wurden die restaurierten Bilder (hier „Schrei“) erstmals wieder der Öffentlichkeit gezeigt.
 

Austalien 2007: A Cavalier

Am 10. Oktober stiehlt ein Unbekannter aus der Art Gallery of New South Wales in Sydney ein Selbstbildnis des niederländischen Malers Frans Van Mieris. Das nur 20x16 Zentimeter große „A Cavalier“ ist rund eine Million Dollar wert. Das Bild wurde gestohlen, während die Gallery geöffnet hatte.

Schweiz 2008: Sammlung Bührle

Bewaffnete Räuber dringen am 10. Februar in das Haus der Sammlung Bührle ein und stehlen insgesamt vier Gemälde im Gesamtwert von 180 Millionen Franken. Die Bilder „Der Knabe mit der roten Weste“ von Paul Cézanne, „Blühende Kastanienzweige“ von Vincent van Gogh, „Mohnfeld bei Vétheuil“ von Claude Monet und „Ludovic Lepic und seine Töchter“ von Edgar Degas tauchen später wieder auf. Am 18. Februar 2008 und am 11. April 2012 wird bekannt, dass die Bilder wiederentdeckt wurden.

Lukas Gloor, Direktor der G.E.Bührle-Sammlung vor zwei der wieder aufgetauchten Bilder. Van Goghs „Blühende Kastanienzweige“ (links) und Monets „Mohnfeld bei Vétheuil“.
dpa
Lukas Gloor, Direktor der G.E.Bührle-Sammlung vor zwei der wieder aufgetauchten Bilder. Van Goghs „Blühende Kastanienzweige“ (links) und Monets „Mohnfeld bei Vétheuil“.
 

USA 2009: Andy Warhol

Am 13. September wird aus dem Haus eines Sammlers in Los Angeles eine Porträt-Serie von Andy Warhol gestohlen. Der Wert der Bilder unter anderem von Sportstars wie Pelé wird auf zehn Millionen Dollar geschätzt. Die Bilder sind bis heute verschwunden.

Frankreich 2010: Picasso, Matisse und Co

Aus dem Musée d'art Moderne de la Ville de Paris werden am 20. Mai fünf Gemälde gestohlen. Darunter Werke von Pablo Picasso, Henri Matisse, George Braque, Amedeo Modigliani und Fernand Léger. Ihr Wert wird auf rund 109 Millionen Euro geschätzt. Das wertvollste gestohlene Werk ist vermutlich das kubistische Bild „Le pigeon aux petits pois“ („Taube mit Erbsen“) des spanischen Jahrhundert-Malers Picasso. Von den Bildern fehlt bislang jede Spur. Der Dieb bricht über ein Fenster ein. Mehr als sechs Jahre nach dem spektakulären Kunstdiebstahl werden drei Männer zu mehrjährigem Freiheitsentzug verurteilt. Die höchste Haftstrafe von acht Jahren bekam der 49-jährige Dieb. Zwei Hehler erhielten sieben beziehungsweise sechs Jahre.

„Le pigeon aux petits pois“ („Taube mit Erbsen“) des spanischen Jahrhundert-Malers Picasso.
dpa
„Le pigeon aux petits pois“ („Taube mit Erbsen“) des spanischen Jahrhundert-Malers Picasso.
 

Niederlande 2012: Monet, Picasso, Matisse

Bei einem Einbruch in die Rotterdamer Kunsthal werden sieben Gemälde aus der Kunsthalle gestohlen. Darunter Lucian Freuds (Woman with Eyes Closed, 2002), Paul Gauguins (Femme devant une fenêtre ouverte, dite la Fiancée, 1888), Jacob Meijer de Haans (Autoportrait, zwischen 1889 und 1891), Henri Matisses (La Liseuse en Blanc et Jaune, 1919), Claude Monets (Charing Cross Bridge, London und Waterloo Bridge, London, jeweils 1901) und Pablo Picassos (Tête d’Arlequin, 1971). Die Werke hatte der Rotterdamer Geschäftsmann Willem Cordia der Kunsthalle ausgeliehen. Als Täter wurde der Rumäne Radu Dogaru ausgemacht. 2013 wurde bekannt, dass dessen Mutter alle Bilder verbrannte, um ihren Sohn zu schützen.

Nur noch die Haken hängen an der Wand der Kunsthal Rotterdam. Das Bild ist weg.
dpa
Nur noch die Haken hängen an der Wand der Kunsthal Rotterdam. Das Bild ist weg.
 

Italien 2015: Raub von Castelvecchio

Aus der Kastellburg (Castelvecchio) werden am 19. November 17 Gemälde im Wert von rund 15 Millionen gestohlen. Die Räuber gingen äußerst professionell vor. Vermutlich handelten sie auf Bestellung. Unter den Bildern ist „Die Wachtel-Madonna“ von Antonio Pisanello, „Die Heilige Familie mit der Heiligen“ von Andrea Mantegna und „Die Dame von Licnidi“ von Peter Paul Rubens. Sie gelten als unverkäuflich. Im Mai 2016 wurden die Werke im südukrainischen Gebiet Odessa nahe der Grenze zur Republik Moldau wiedergefunden. Seit Juni wurden die Werke in Kiew ausgestellt, bis sie im Dezember 2016 zurück nach Italien gebracht wurden. Die Täter wurden vier Monate nach der Tat festgenommen. Es soll sich um zehn moldauische und drei italienische Staatsbürger handeln. Auch der Wachmann, der in der Nacht Dienst hatte, wurde inhaftiert.

Ukrainische Polizeibeamte mit den sichergestellten Bildern aus Verona.
Imago/Itar-Tass
Ukrainische Polizeibeamte mit den sichergestellten Bildern aus Verona.
 

Österreich 2003: Raub der Saliera

Ein Alarmanlagenexperte stiehlt am 11. Mai die „Saliera“ von Benvenuto Cellini aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Der Wert des Salzfässchens des florentinischen Künstlers wird auf 40 Millionen Euro taxiert. Vergeblich versucht der Dieb, Geld zu erpressen. Er stellt sich Anfang 2006 der Polizei und führt sie zu dem gestohlenen Kunstwerk. Im Herbst 2006 wird er zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt, kommt aber 2008 wegen guter Führung frei.

Die „Saliera“ von Benvenuto Cellini.
dpa
Die „Saliera“ von Benvenuto Cellini.
 
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