"Mit Dir an meiner Seite" : Groschenroman mit profillosen Charakteren

Miley Cyrus als Ronnie Miller und Liam Hemsworth als Will Blakelee in dem Drama 'Mit dir an meiner Seite' von Julie Anne Robinson. Foto: Touchstone Pictures/Sam Emerson SMPSP/ddp
Miley Cyrus als Ronnie Miller und Liam Hemsworth als Will Blakelee in dem Drama "Mit dir an meiner Seite" von Julie Anne Robinson. Foto: Touchstone Pictures/Sam Emerson SMPSP/ddp

Marketingtechnisch ist die Verfilmung von Nicholas Sparks Buch "Mit Dir an meiner Seite" ein Hit - aus filmischen Gesichtspunkten schneidet das Werk weniger gut ab.

shz.de von
28. April 2010, 03:34 Uhr

Aus reinen Marketing-Gesichtspunkten könnte die Ausgangsbasis für den Film "Mit Dir an meiner Seite" kaum besser sein: Das Drehbuch basiert auf einem Roman von Besteller-Autor Nicholas Sparks ("Wie ein einziger Tag", "Message in a Bottle") und in den Hauptrollen sind Teenie-Superstar Miley Cyrus und ihr derzeitiger Freund Liam Hemsworth zu sehen - ein Traumpaar, nicht nur auf der Leinwand. Aus rein filmischen Gesichtspunkten schneidet der Film allerdings weniger gut ab.
"Mit Dir an meiner Seite" ist der erste Spielfilm von Regisseurin Julie Anne Robinson, die zuvor nur Fernsehserien gedreht hat. Er erzählt die Geschichte von Ronnie (Cyrus), einem Mädchen, das die Scheidung seiner Eltern nicht verkraftet und sich von ihrem Vater Steve (Greg Kinnear) entfremdet hat. Weil es in der Schule nicht sonderlich gut läuft und Ronnie ihr großes Talent - das Klavierspielen - verkümmern lässt, schickt ihre Mutter sie zusammen mit ihrem jüngeren Bruder für die Sommerferien zum Vater in einen kleinen Badeort an der Küste.
Im Fokus der Kritiker: Teenie-Star Miley Cyrus
Nach anfänglichen Problemen nähern sich Vater und Tochter wieder an - vor allem auch, weil das Töchterchen sich zum ersten Mal verliebt hat und mit ihrem Leben plötzlich rundum zufrieden ist. Doch das Glück bleibt nicht lange ungetrübt. Der schöne neue Freund Will (Hemsworth) hat ein dunkles Geheimnis und auch Ronnies Vater hat seiner Familie etwas Entscheidendes verheimlicht.
Besonders im Fokus von Publikum und Kritikern steht Teenie-Star Miley Cyrus. Als Sängerin "Hannah Montana" in der gleichnamigen Disney-Serie ist sie mit ihren 17 Jahren schon zum Idol einer ganzen Generation geworden und hat Millionen gescheffelt. Mit ihrer Hauptrolle als Ronnie in der Familiengeschichte wollte sie ihr Image als Kinderstar ablegen und den Sprung ins ernsthafte Schauspielfach schaffen. Das ist ihr nicht geglückt.
Die vorhersehbare Handlung lässt kein Klischee aus
Cyrus spielt die Wandlung vom bockigen Teenager mit spöttisch verzogenem Mund hin zur selbst- und verantwortungsbewussten jungen Frau klischeebeladen und ohne Tiefgang und Wärme. In übertriebenen Gesten und wenig glaubhafter Mimik scheint ihre Paraderolle "Hannah" - die Dank ihres Slapstick-Charakters auf große Gesten spezialisiert ist - allzu oft durch. Nach wenig schmeichelhaften Reaktionen auf den Film in den USA hat Cyrus aber schon angekündigt, sie wolle jetzt zum ersten Mal Schauspielunterricht nehmen.
Dass sie in ihrer Rolle nicht überzeugen kann, liegt allerdings auch an der weitgehend unoriginellen Geschichte des Films. Die Handlung zieht sich wie ein Kaugummi ohne Überraschungen und Höhepunkte. Dafür drückt "Mit Dir an meiner Seite" gnadenlos auf die Tränendrüse - und macht gerade dadurch alles Rührende zunichte. Weil die vorhersehbare Handlung kein Klischee auslässt, driftet sie gar von Zeit zu Zeit ins unfreiwillig Komödiantische ab statt für einen Kloß im Hals und Tränen in den Augen zu sorgen.
Was von den Vermarktern als "wunderschöne Geschichte über Familie und Freundschaft, das Erwachsenwerden, die erste Liebe und zweite Chancen im Leben" beschrieben wird, ist leider nicht viel mehr als ein schlecht geschriebener Groschenroman mit blassen, profillosen Charakteren. Der Einzige, dem man - zumindest zum Ende des Films hin - die Emotionen abnimmt, ist der zwölfjährige Bobby Coleman in der Rolle von Ronnies kleinem Bruder Jonah. Selbst der erfahrene Greg Kinnear ("Besser geht"s nicht", "Little Miss Sunshine") bleibt in der Rolle des Vaters merkwürdig farblos.

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