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Nach Veröffentlichung durch Entdecker : „Gold-Zug“ in Walbrzych: Zweifel an Bodenradarbild

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Nachdem die Entdecker an die Öffentlichkeit getreten sind, mehren sich die Zweifel an der Existenz eines versteckten Nazi-Zuges.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2015 | 11:53 Uhr

Krakau/Walbrzych | Mit einem Bodenradarbild wollen die angeblichen Entdecker eines deutschen Panzerzugs aus dem Zweiten Weltkrieg Berichte über ihren Fund untermauern - doch ein Experte meldet Zweifel an der Aufnahme an. „Das ist eine Fotomontage mit zwei Aufnahmen unterschiedlicher Auflösung. Das ist mit bloßem Auge zu sehen, es reicht (die Aufnahme) zu vergrößern und die Pixel zu vergleichen“, sagte Wieslaw Nawrocki vom Institut für zerstörungsfreie Prüfverfahren in Krakau der Zeitung „Gazeta Wyborcza“.

Die Dimension, um die es in dem Fall des angeblich in der Region Walbrzych (Waldenburg) entdeckten, verschütteten Panzerzuges aus der NS-Zeit geht, wird spätestens dann deutlich, wenn der Begriff „Hitler-Tagebücher“ fällt. Das schreibt der Geschichtsjournalist und Publizist Boguslaw Woloszanski. In seinem Blog rät er allen heute Beteiligten dazu, aus dem „Stern“-Skandal von 1983 um die gefälschten Handschriften des Führers zu lernen: „Das war (damals) einfach dumm. Was den Zug heute betrifft, habe ich noch nicht gehört, dass irgendeine wissenschaftliche Autorität die Existenz bestätigt hätte. Stattdessen gibt es viele Zweifel.“

Die beiden Männer, die nach eigenen Angaben den Zug in einem 50 Meter tiefen Schacht in Niederschlesien entdeckt haben, waren am Freitag nach mehrwöchigen Spekulationen über den Fund im niederschlesischen Walbrzych an die Öffentlichkeit getreten. Mit Details halten sie sich vorerst zurück. Weltweit macht die Entdeckung des vermeintlichen „Goldzugs“ Schlagzeilen - das wildeste Gerücht besagt, dass der Zug mit Raubgold der Nationalsozialisten beladen sein könnte.

Nawrocki sagte, die auf der Webseite der beiden Schatzsucher präsentierte Aufnahme sei kein typisches Bodenradar-Bild, es mache eher den Eindruck eines Laserscans. Er vermute ein „neues, aber ziemlich billiges“ Untersuchungsgerät: „Ich kann nicht glauben, dass es solche Wunder zustande bringt.“

Niederschlesien ist der nordwestliche Teil der Region Schlesien. Es erstreckt sich um den Mittelllauf der Oder und liegt heute zum größten Teil in Polen. Görlitz in Sachsen ist Zentrum des deutschen Teils von Schlesien.  Von 1919 bis 1938 und von 1941 bis 1945 war Niederschlesien eine eigenständige preußische Provinz mit der Hauptstadt Breslau. 1945 wurden die Landesteile östlich der Oder-Neiße-Linie unter polnische Verwaltung gestellt.
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