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Riss im Larsen-C-Schelfeis : Gigantischer Eisberg in der Antarktis bricht bald ab

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Der Meeresspiegel droht dadurch erstmal nicht zu steigen – das könnte sich jedoch ändern, wenn das gesamte Schelfeis zurückgeht.

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2017 | 10:35 Uhr

Bremerhaven | Eine gigantische Eismasse in der Antarktis steht kurz vor dem Abbrechen: Satellitenbilder der europäischen Weltraumbehörde Esa zeigen, dass ein seit langem beobachteter Riss im Larsen-C-Schelfeis nur noch 13 Kilometer von der Eiskante entfernt ist.

In den letzten zwei Jahrzehnten sind bereits sieben Schelfeise von insgesamt zwölf an der Antarktischen Halbinsel zerfallen oder stark zurückgegangen. Grund dafür ist vermutlich der Klimawandel. Glaziologen vermuten, dass bereits andere Schelfeisflächen durch warmes Wasser von unten angeschmolzen wurden, das könnte auch beim Larsen-C-Schelfeis ausschlaggebend sein.

Der Eisgigant nehme Fahrt auf, schreibt der britische Leiter des Antarktis-Projekts Midas, Adrian Luckman, auf Twitter: „Er bewegt sich unaufhaltsam zum Kalben.“ Wann der Koloss sich vom Schelfeis löst, können Forscher nicht genau vorhersagen. „Es kann sein, dass es heute passiert oder noch ein oder drei Monate dauert“, sagte Daniela Jansen vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven.

 

Der Eisklotz wird mit rund 5000 Quadratkilometern doppelt so groß sein wie das Saarland. Nach Angaben des AWI wird er zu den fünf größten Eisgiganten der vergangenen 30 Jahre zählen. „Wenn er sich gelöst hat, wird es keine zwei Jahren dauern, bis er vollständig geschmolzen ist“, so Jansen. Eine Gefahr für Menschen oder für die Schifffahrt besteht aber nicht. Auch der Wasserspiegel würde nach einer Schmelze gleichbleiben, da der Eiskoloss bereits auf dem Wasser schwimmt und somit Wasser verdrängt. Würde das Schelfeis jedoch weiter zurückgehen und den dahinterliegenden Gletscher freilegen, würde dessen Schmelzwasser direkt in den Ozean fließen und damit die Pegel anheben.

Schelfeise sind auf dem Meer schwimmende Eismassen, die von Gletschern gespeist werden und mit ihnen noch verbunden sind. Dass davon Eisberge kalben, also abbrechen, ist ein natürlicher Prozess. Im Januar war der Riss im Schelfeis Larsen C schon 175 Kilometer lang, dann tat sich zunächst nichts mehr. „Anfang Mai setzte sich der Spalt dann nicht an seiner alten Spitze fort, sondern verzweigte sich“, so Jansen.

Die Grafik zeigt, wie sich der Riss bis Januar 2017 ausgebreitet hat. Nun verzweigt sich der Riss, eine Spitze bewegt sich schnell in Richtung Meer.

Die Grafik zeigt, wie sich der Riss bis Januar 2017 ausgebreitet hat. Nun verzweigt sich der Riss, eine Spitze bewegt sich schnell in Richtung Meer.

Foto: dpa
 

Innerhalb weniger Tage wuchs der Riss um 17 Kilometer. Vor gut einer Woche verlängerte er sich um weitere 16 Kilometer und änderte die Richtung: Seine Spitze zeigt jetzt Richtung Meer. Die Wissenschaftler hatten diese Entwicklung erwartet. „Es gibt Vorzugswege, die Risse nehmen“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Das hat etwas mit der Spannung im Eis zu tun.“

Für die Forscher ist weniger der Abbruch des Eisberges spannend als die Entwicklung des Schelfeises im Anschluss. „Uns interessiert, ob die neu entstandene Front stabil bleibt oder sich immer weiter zurückzieht und das Schelfeis schließlich zerbricht“, sagt Jansen. Eine Abspaltung dieses Ausmaßes könnte laut Midas das gesamte Schelfeis bedrohen. Andere Teile des Larsen-Schelfeises sind bereits dem Abbruch zum Opfer gefallen: Larsen-A löste sich bereits im Januar 1995, Larsen-B verlor 2002 einen Großteil seiner Fläche.

Die Grafik zeigt das Larsen-Schelfeis. Larsen-A und B sind bereits Geschichte.

Die Grafik zeigt das Larsen-Schelfeis. Larsen-A und B sind bereits Geschichte.

Foto: A. J. Cook and D. G. Vaughan/CC BY 3.0
 
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