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So schützen Sie sich : Giftköder für Hunde: Wenn das Leckerli zur Todesfalle wird

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Ob mit Rattengift, Glasscherben oder Rasierklingen: Präparierte Köder verletzen und töten immer wieder Hunde und andere Tiere. Die Taten scheinen zuzunehmen. Auch für Menschen kann das gefährlich werden.

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2015 | 10:38 Uhr

„Giftköder tötet Hund“, „Tierquäler spicken Wiener Würstchen mit Stecknadeln“, „Polizei warnt: Köder mit Rasierklingen ausgelegt“. Immer wieder gibt es solche Meldungen - und oft enden die Attacken für die Tiere tödlich. Sie verbluten innerlich, sterben unter Krämpfen und großen Schmerzen, wie die Tierrechtsorganisation Peta schildert.

Aber auch Menschen seien gefährdet, betont der Deutsche Tierschutzbund - etwa spielende Kinder, wenn sie mit Giftködern in Berührung kommen. Werden solche Straftaten in Deutschland häufiger? „Wir haben ganz klar den Eindruck, dass die Zahl der Fälle zunimmt“, hat Baden-Württembergs Tierschutzbeauftragte Cornelie Jäger kürzlich gesagt.

Peta spricht von einer bundesweiten Häufung, auch wenn offizielle Zahlen dazu rar sind. „Durch Medienberichte oder Hilferufe von Betroffenen erfahren wir fast täglich von Anschlägen durch mit Gift oder scharfkantigen Gegenständen präparierte Köder auf Tiere“, erläutert Judith Pein, Sprecherin der Tierrechtler von Peta.

In der Kriminalstatistik werden die Delikte als Verstöße gegen das Tierschutzgesetz erfasst, teils auch als Sachbeschädigung. Bei den Vergehen gegen den Tierschutz haben die Ermittler im vergangenen Jahr bundesweit 6719 Fälle erfasst - verglichen mit dem Jahr 2010, als 6521 Fälle registriert wurden, ist das ein Plus von gut drei Prozent.

Um welche konkreten Fälle es sich dabei handelt, lässt sich aus der Kriminalstatistik jedoch nicht ableiten. Aufschlussreicher sind hier Stimmen aus einzelnen Bundesländern.

Beispiel Bayern: Das Landeskriminalamt in München will Angriffe auf Hunde mit präparierten Ködern zwar nicht als Kriminalitätsschwerpunkt bezeichnen. Allerdings sei in Bayern seit dem Jahr 2011 mit rund 60 Fällen bis zum Jahr 2014 mit etwa 100 Fällen „ein kontinuierlicher Anstieg der Fallzahlen“ festzustellen. Diese Tendenz setze sich im laufenden Jahr fort. „Im ersten Halbjahr 2015 waren bereits 85 Fälle zu verzeichnen“, teilt ein Sprecher mit.

Weiteres Beispiel: Rheinland-Pfalz. „Die Fallzahlen für diesen Bereich stiegen in den Jahren 2008 bis 2014 mit verschieden hohen Zuwächsen fast ständig an“, heißt es aus dem dortigen Landeskriminalamt. Die Täter hatten Hunde mit Wurst und Fleisch geködert und die vermeintlichen Leckerlis mit Schneckenkorn, Rattengift, Rasierklingen, Nägeln oder Glasscherben präpariert. Die Köder fanden sich auf öffentlichen Plätzen, Straßen und Feldwegen oder wurden auf Privatgrundstücke geworfen.

Die Polizei im Saarland vermutet hinter den Delikten länger andauernde Streitigkeiten etwa zwischen Nachbarn, wie das Landespolizeipräsidium in Saarbrücken erklärt. Ähnlich sieht es der Deutsche Tierschutzbund: Oft würden zwischenmenschliche Konflikte über das Haustier ausgetragen. Opfer seien dabei längst nicht nur Hunde; so sei auch schon mit einem Luftgewehr auf Katzen geschossen worden. Die genauen Motive jedoch blieben ebenso wie die Täter meist unbekannt, bedauert der Tierschutzbund.

Auch in Schleswig-Holstein gibt es immer wieder Fälle von vergifteten oder manipulierten Ködern. In Heikendorf bei Kiel fraß im April 2015 ein Retriever-Mischling mit Glasstücken gespickte Blutwurst. In Heide wurde Golden Retriever „Henry“ vermutlich Opfer eines Hundehassers. Der Hund verzehrte wohl vergiftete Wurst. In Flensburg legte ein Unbekannter vergiftete Fleischbällchen aus.

Für Peta-Sprecherin Pein steht indes fest: „Niemand, der psychisch gesund ist, möchte einem Lebewesen so etwas antun.“ Es sei „ein enormer Schritt“ von dem Punkt, sich nur über ein Tier zu ärgern, bis zu dem Punkt, es schließlich qualvoll zu töten.

Auch Sascha Schoppengerd - Mitinitiator des privaten Internetangebots „Giftköderradar“ - befürchtet ein großes Dunkelfeld. Auf der Website können sich Hundehalter über Giftköderfunde informieren, die den Betreibern gemeldet wurden. In diesem Jahr seien schon rund 1800 Meldungen aufgenommen worden (im Vergleich zu 1277 Meldungen im gesamten vergangenen Jahr), allerdings sei nur in rund 100 Fällen eine Anzeige bei der Polizei erstattet worden. „Und genau da liegt das große Problem“, sagt Schoppengerd.

Peta fordert seit längerem ein offizielles Melderegister, um Giftanschläge zentral zu dokumentieren. Ganz wichtig sei es jedenfalls, als betroffener Tierhalter Anzeige zu erstatten und Köder-Funde zu melden, empfiehlt Judith Pein.

So schützen Sie ihren Hund. shz.de mit Verhaltenstipps:

- Hunde sollten von Anfang an lernen, kein Futter ohne Erlaubnis von Herrchen oder Frauchen zu nehmen.

- Das Lieblingsspielzeug mit dabei: Sobald Hundehalter merken, dass das Tier etwas Essbares gefunden hat, kann man mit dem Spielzeug ablenken.

- Wenn es ich nicht vermeiden lässt, in einem Gebiet mit Giftköderwarnungen Gassi zu gehen, kann ein Maulkorb aufgesetzt werden. Bei bestehendem Verdacht auf eine Vergiftung muss aber das Maul frei beliben - das Tier droht sonst an seinem Erbrochenen zu ersticken.

- Hat der Hund einen verdächtigen Gegenstand im Maul, kann man ihm ein Leckerlie oder ein Spielzeug zum Tausch anbieten. Zeigt dies keinen Erfolg, kann man versuchen, mit der Hand den Köder zu entfernen. Allerdings besteht in beiden Fällen die Gefahr, dass der Hund seine Beute verschluckt.

- Besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, sollte sofort ein Tierarzt angerufen werden.

- Tierhalter sollten das Erbrechen nicht herbeiführen. Dabei könnten die Atemwege blockiert werden.

- Hat sich der Hund erbrochen, sollten die Reste zum Tierarzt gebracht werden. Er kann genau analysieren, ob und wenn ja, um was für ein Gift es sich handelt. Eine Untersuchung des Köders oder des Hundekots kann ebenso Aufschluss bringen.

- Ein Giftunfall-Erste-Hilfe-Set für Hunde kann Leben retten. Darin enthalten sein sollten Kohletabletten. Sie verhindern eine Ausbreitung von Giftstoffen im Kreislauf des Tieres. Die Dosierung liegt am Gewicht des Hundes. Der Tierarzt hilft bei der richtigen Dosierung.

- Die Telefonnummern der Notrufzentralen bei Vergiftungen: Hamburg, Tel.: 040/63853345(46), Kiel, Tel.: 0431/5974268

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