Tesla-Chef Elon Musk : Getriebener, Selbstdarsteller, genialer Kopf

<p>Immer mehr unter Druck: Elon Musk.</p>

Immer mehr unter Druck: Elon Musk.

Elon Musk frustriert die Menschen, die für ihn und mit ihm arbeiten. Und doch ist er noch da.

shz.de von
10. August 2018, 19:24 Uhr

Fremont/Kalifornien | Der Mann strengt an. Darin sind sich die überarbeiteten Mitarbeiter in den Produktionshallen von Fremont (Kalifornien) einig mit den Investoren, die sich fragen, wann der große Selbstdarsteller endlich Geld verdient. Und auch die Reporter, die über ihn schreiben, hält er mit immer neuen Ideen und Tweets auf den Füßen.

Selber wirkt er nicht minder angestrengt. Die dunklen Ringe unter den Augen ließen die Pupillen in den vergangenen Tagen noch stechender hervortreten als gewöhnlich. Vielleicht hat er gerade wieder in seinem Büro in den kalifornischen Werkshallen geschlafen, auf dem Dach der Giga-Batterien-Fabrik in Nevada gecampt oder in der Hitze der Lackiererei bei der Fertigung mit angepackt, damit er das ehrgeizige Produktionsziel von 5000 Tesla der Modellserie 3 erreicht.

Wenn Elon Musk seine Aufgabe an der Spitze des Elektroauto-Pioniers Tesla als „Höllenjob“ bezeichnet, findet sich kaum jemand, der daran zweifelt.

Ein Getriebener

Musk muss liefern. Sprichwörtlich. Allen voran seinen 500.000 Kunden, die tausend Dollar auf das Elektroauto für den Massenmarkt angezahlt haben und sehnsüchtig auf ihr Modell-3 warten. Aber auch den Anlegern, die bisher noch kein einziges profitables Quartal gesehen haben. Zuletzt fuhr Tesla 743 Millionen Dollar an Miesen ein.

Dass es Musk mit einem halben Jahr Verspätung schaffte, das wöchentliche Produktionsziel zu erreichen, ist ein Lichtblick. Doch der gnadenlos ehrgeizige Tesla-Chef lässt nicht locker.  „Ich habe das Gefühl, dass wir noch mit einem Bein in der Hölle stehen.“ Seine knapp 40.000 Mitarbeiter feuert er an, im nächsten Quartal noch einmal tausend E-Flitzer zusätzlich vom Band laufen zu lassen. 

„Produzierte er so viele Gewinne wie Schlagzeilen, wäre alles im grünen Bereich“, lästert ein Beobachter der Branche über all die anderen Aktivitäten, mit denen der Tausendsassa aus dem Silicon Valley abzulenken versteht.

Twitter-Gedanken

Gerade erst dachte er auf Twitter laut darüber nach, Tesla zu privatisieren. Musk müsste dafür bis zu 70 Milliarden Dollar an Kapital mobilisieren. Doch Musk wäre nicht Musk, hätte er mit der Ankündigung via Twitter nicht Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Idee gesät. Der Börsenaufsicht SEC gefällt das gar nicht und verlangt nach Erläuterung.

Den Grundstock für seinen Erfolg legte der Physiker mit einem Start-Up-Unternehmen im Umfeld der Elite-Universität Standford im Herzen des Silicon Valley. Dessen Verkauf investierte Musk in die Gründung des Bezahlsystems Paypal. Dessen Veräußerung brachte ihm im Jahr 2002 einen Verdienst von 1,5 Milliarden Dollar ein.

Das Geld floss in die Raketenfirma SpaceX, die heute billiger als die NASA Satelliten ins All schießt. Dann stieg er bei dem jungen Elektroauto-Bauer Tesla in Palo Alto ein. Zuletzt investierte er in die „Boring Company“, die Los Angeles mit einem Netz aus Tunnels vor dem Verkehrsinfarkt bewahren soll.

Kreativ, kommunikativ, anstrengend

Musk sprüht nur so vor Ideen und fühlt sich zuweilen berufen, sich auch zu Dingen zu äußern, die gar nichts mit seiner Expertise zu tun haben. So brachte sich der fünffache Vater jüngst in die Bredouille, als er seine Dienste als Retter für die in einer Höhle eingeschlossene thailändische Fußball-Jugendmannschaft anbot.

Anstrengend für andere und selber angestrengt hat er im Alleingang eine alte Industrie herausgefordert. Obwohl es dort viele gibt, die ihn gerne los wären, hält er den Kopf trotz aller Widrigkeiten immer noch über Wasser. Mit Elon Musk muss unbedingt gerechnet werden.

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