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Flugzeugabsturz über dem Schwarzen Meer : Getöteter Armeechor: Flugschreiber und erste Opfer geborgen

vom

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB bemühte sich, wachsende Spekulationen über einen Terroranschlag zu dämpfen.

shz.de von
erstellt am 26.Dez.2016 | 14:04 Uhr

Sotschi | Vor der russischen Schwarzmeerküste suchen Taucher weiter nach den Opfern des Flugzeugabsturzes mit 92 Toten. Die Bergungsarbeiten machten nach offiziellen Angaben des Verteidigungsministeriums Fortschritte. Bis zum Montagabend wurden insgesamt 13 Leichen geborgen. Auch die Blackbox konnte nach Medienberichten geborgen werden. Sie sei nahe der Flugkabine unter Wasser gefunden worden, berichtete am Dienstag die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Sie werde zur Auswertung in die Hauptstadt Moskau gebracht. Nach Angaben der Agentur Interfax wurde auch ein zweiter Flugschreiber gefunden, aber noch nicht geborgen. Einige Teile des Hecks der Tupolew Tu-154 wurden ebenfalls an Land gebracht.

Russland kämpft seit 15 Monaten in Syrien aufseiten des Präsidenten Baschar al-Assad und ist deshalb verstärkt ins Visier islamistischer Terroristen geraten. Der Flugzeugabsturz mit den Soldaten des Chores, Journalisten und Beamten gilt als Rückschlag für den Syrien-Einsatz.

Das Flugzeug des russischen Verteidigungsministeriums war am Sonntag auf dem Flug nach Syrien aus ungeklärter Ursache abgestürzt. An Bord waren mehr als 60 Sänger des Alexandrow-Armeechores, die mit ihrem Leiter Waleri Chalilow ums Leben kamen. In Russland galt deshalb am Montag Staatstrauer.

Bei den Sucharbeiten waren 200 Taucher und 45 Schiffe eingesetzt, wie ein Militärsprecher Agentur Interfax zufolge sagte. Obwohl die Taucher rund um die Uhr arbeiteten, gelang es bis Montagabend nicht, die Flugschreiber der Maschine zu finden. Als Ursache des Unglücks vermuten die russischen Behörden technisches Versagen oder einen Pilotenfehler. Der Inlandsgeheimdienst FSB trat Spekulationen entgegen, dass es einen Anschlag auf das Flugzeug gegeben haben könnte. Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, die Version eines Anschlags werde nicht vertieft. Sie stehe „bei weitem nicht an erster Stelle“.

Am Sitz des Alexandrow-Armeechores in Moskau legten Trauernde Blumen nieder. Auf der Uferpromenade des südrussischen Ferienortes Sotschi brannten Kerzen für die Opfer.

Ministerpräsident Dmitri Medwedew sprach von einer „fürchterlichen Katastrophe“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach Putin nach dem Unglück ihr Mitgefühl aus, teilte die Regierung in Berlin mit.

Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zeigte sich tief betroffen über den Absturz. „An diesem heiligen Tag sind meine Gedanken bei den Opfern, ihren Familien und Lieben“, sagte er am Sonntagabend in Brüssel.

Außer den Musikern waren acht Mann Besatzung, neun Journalisten der Fernsehsender NTW, Erster Kanal und Swesda an Bord, dazu Militärs und Beamte.

Russland kämpft seit Herbst 2015 im Syrien-Krieg aufseiten des Präsidenten Baschar al-Assad. Dieser sprach Putin sein Beileid aus. Der Absturz des Flugzeugs, das „gute Freunde“ an Bord hatte, habe große Trauer hervorgerufen, schrieb Assad nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. Anfang Mai hatte das russische Militär den Stardirigenten Waleri Gergijew und sein Orchester zu einem Konzert in die syrische Wüstenstadt Palmyra geflogen.

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