Düsseldorf-Barcelona : Germanwings-Copilot startete Sinkflug schon auf Hinflug

Der Flugschreiber der verunglückten Germanwings-Maschine soll aufgezeichnet haben, wie schon auf dem Hinflug nach Barcelona ein Sinkflug eingeleitet wurde.

shz.de von
06. Mai 2015, 10:11 Uhr

Le Bourget | Der Copilot des abgestürzten Germanwings-Fluges hat den Autopiloten Ermittlern zufolge bereits auf dem Hinflug nach Barcelona mehrfach auf eine zu niedrige Flughöhe eingestellt. Dies sei während eines angeordneten Sinkflugs geschehen, heißt es im Zwischenbericht der französischen Untersuchungsbehörde Bea vom Mittwoch.

Bei dem Absturz der Maschine am 24. März waren alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Darunter waren nach Angaben des Auswärtigen Amts 72 Deutsche. Der Flug 4U9525 war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, als es in den französischen Alpen zur Katastrophe kam. Der Copilot wird verdächtigt, das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht zu haben.

Die Flugschreiber bestätigen aus Sicht der Behörde eine bewusste Handlung des Copiloten beim Absturz auf dem Rückflug. „Man kann daraus schließen, dass er handlungsfähig war und dass alle seine Handlungen den gleichen Sinn hatten, nämlich das Flugzeug auf den Boden stürzen zu lassen“, sagte Bea-Direktor Rémy Jouty in Le Bourget bei Paris.

Dem Zwischenbericht der Behörde zufolge bewegte der Copilot kurz vor dem Aufprall leicht das Steuer des Airbus - der Eingriff war jedoch nicht stark genug, um den Autopiloten außer Kraft zu setzen. Zuvor hatte der 27-Jährige den Autopiloten auf eine Flughöhe von gut 30 Meter eingestellt und mehrfach das Tempo erhöht.

Das kurzzeitige Einstellen niedriger Flughöhen war nach Piloten-Angaben außerhalb des Cockpits nicht zu bemerken. „Das hätte man weder als Passagier noch von der Flugsicherung her merken können“, sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Markus Wahl. Der Zwischenbericht zum Absturz der Germanwings-Maschine habe insofern nicht viele neue Erkenntnisse gebracht. Dennoch werde unter den Piloten jedes neue Detail, das zu dem Fall aufgedeckt werde, mit großer Bestürzung aufgenommen.

Wahl sagte, die nun aufgedeckte Tatsache, dass der Copilot bereits auf dem Hinflug nach Barcelona mehrfach auf eine zu niedrige Flughöhe eingestellt habe, hätte ausschließlich dem Piloten auffallen können - dazu hätte er aber im Cockpit sein müssen.

Fraglich sei trotzdem, ob die inzwischen eingeführte Zwei-Personen-Regel geholfen hätte, die Handlung des Copiloten auf dem Hinflug aufzudecken. Denn die zweite Person müsse qualifiziert sein, planmäßige und außerplanmäßige Handlungen voneinander zu unterscheiden.

Wahl sagte, um über Konsequenzen aus dem Absturz zu diskutieren, müsse der Abschlussbericht abgewartet werden. Aus den bisher vorliegenden Erkenntnissen Forderungen abzuleiten, sei verfrüht. Die Frage nach den Ursachen sei noch nicht ausreichend geklärt.

Der Copilot litt offenbar schon länger an Depressionen. Vor dem Hinflug informierte er sich im Internet über Möglichkeiten der Selbsttötung. Außerdem suchte er nach Sicherheitsmechanismen von Cockpittüren. Am Tag der Katastrophe war der Mann krankgeschrieben, was er aber offenbar verheimlichte.

Deutschland hatte am 17. April eine Trauerfeier im Kölner Dom abgehalten. Einsatzkräfte hatten Anfang April den Flugdatenschreiber gefunden.

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