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Egyptair Flug MS 181 : Geiselnahme in ägyptischen Flugzeug auf Zypern beendet

vom
Aus der Onlineredaktion

Alle Passagiere haben das gekaperte Flugzeug verlassen. Der Entführer hat sich ergeben. Er trug eine Bombenattrappe.

shz.de von
erstellt am 29.Mär.2016 | 14:19 Uhr

Larnaka | Wenige Stunden nach der Entführung eines ägyptischen Passagierflugzeugs in Larnaka konnten die letzten Geiseln die Maschine verlassen; der Entführer hat sich ergeben. Das berichtete das zyprische Staatsfernsehen am Dienstag unter Berufung auf die Polizei. Der Flug des Airbus mit der Nummer 181 hätte nur etwa eine halbe Stunde gedauert - es ging von Alexandria nach Kairo in Ägypten, doch: Das Flugzeug der ägyptischen Gesellschaft Egyptair war auf einem Inlandsflug entführt und zur Landung in der zyprischen Hafenstadt Larnaka gezwungen worden.

Obwohl es sich nicht um einen Terroranschlag handelt, wird die Entführung erneut die Sicherheit an Flughäfen zum Thema machen. Besonders in der Kritik stehen Flughäfen in Ägypten. Etwa nachdem ein vom Badeort Scharm el Scheich gestarteter russischer Urlaubsflieger Ende Oktober 2015 nach einer Bombenexplosion über der Sinai-Halbinsel abgestürzt war. Alle 224 Insassen starben. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte sich zu der Tat bekannt.

Der Entführer des ägyptischen Passagierflugzeugs hat nach Angaben des zyprischen Außenministers Ioannis Kassoulides eine Bombenattrappe getragen. Er habe mehrere Handy-Hüllen miteinander verbunden, sie mitsamt Kabeln in eine Art Gürtel gesteckt und dies als Sprengstoffgürtel ausgegeben, sagte Kassoulides am Dienstag vor Journalisten im Flughafen von Larnaka. „Wir hatten diesen Verdacht, aber wollten auf Nummer sicher gehen.“

Dem ägyptischen zivilen Luftfahrtministerium zufolge stellte der Entführer bis zum Dienstagmittag keine klaren Forderungen. Der Präsident Zyperns, Nikos Anastasiades, schloss einen terroristischen Hintergrund aus. Der Entführer wollte Medienberichten zufolge mit seiner Ex-Frau - einer Zyprerin - sprechen.

Die Geiselnahme ging am frühen Nachmittag unblutig zuende. Der Entführer hatte sich ergeben und kam mit erhobenen Händen aus dem Flugzeug. Zuvor waren alle Geiseln freigelassen worden.

Bereits kurz nach der Landung in Larnaka hatte der Entführer fast alle Passagiere und Besatzungsmitglieder gehen lassen. Nach ägyptischen Angaben befanden sich danach noch sieben Geiseln in seiner Gewalt - der Flugkapitän, der Co-Pilot, eine Flugbegleiterin, ein Sicherheitsangestellter und drei Passagiere.

Unter den 55 Fluggästen befanden sich auch Ausländer, sagte Minister Scherif Fathi. Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums war unter den Geiseln auch ein 56 Jahre alter Niederländer. Das Außenministerium in Rom bestätigte, das eine italienische Geisel an Bord war. Der Niederländer wurde gegen Mittag freigelassen. Dem Mann gehe es den Umständen entsprechend gut. Er befinde sich in der Obhut der niederländischen Botschaft.

Die Piloten des Egyptair-Flugzeugs hatten dem zyprischen Staatsfernsehen RIK zufolge am frühen Dienstagmorgen bei den Fluglotsen in Larnaka eine außerplanmäßige Landung wegen einer Entführung beantragt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Maschine im zyprischen Flugkontrollraum. Die Maschine landete um 08.46 Uhr Ortszeit (07.46 Uhr MESZ) in Larnaka.

„Die Entführung hatte keinen terroristischen Hintergrund“, sagte Zyperns Präsident Anstasiades im Fernsehen. Auch das Staatsfernsehen RIK berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, der Mann habe die Maschine allen Anzeichen nach aus persönlichen Gründen in seine Gewalt gebracht. Er soll von der Polizei gefordert haben, einen Brief an seine Ex-Frau zu übergeben, die in Larnaka lebe. Der Entführer habe den Brief an seine Ex-Frau aus einem Fenster des Flugzeugs geworfen. Die Sicherheitsbehörden suchten die Frau, um sie zum Flughafen zu bringen.

Nach Angaben des ägyptischen Staatsfernsehens handelt es sich bei dem Entführer angeblich um einen Ägypter, Ibrahim S.. Ein veröffentlichtes Foto soll ihn an Bord der Maschine zeigen.

Auf TV-Bildern war zu sehen, wie etwa eine Stunde nach der Landung Dutzende Menschen über eine Treppe aus der vorderen Tür des Flugzeuges aussteigen konnten. Die Passagiere hatten zum Teil Handgepäck dabei und wurden mit einem Bus zum Flughafengebäude gebracht.

Zur Zahl der Menschen an Bord der Maschine gab es unterschiedliche Angaben. Die staatliche Nachrichtenagentur CNA sprach von 55 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern, das ägyptische Ministerium gab die Zahl der Passagiere mit 81 an. Egyptair sprach von 56 Passagieren, 7 Crewmitgliedern und einem Sicherheitsbeamten.

Israel ließ wegen des entführten Flugzeugs Luftwaffenjets aufsteigen. Damit sollte sichergestellt werden, dass die entführte ägyptische Passagiermaschine nicht in den israelischen Luftraum eindringt, wie die israelische Nachrichtenseite „Haaretz“ berichtete. Die Militärflugzeuge seien mittlerweile wieder gelandet. Die Armee wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Zypern hatte einen Krisenstab gebildet und den Kontakt zu den ägyptischen Behörden hergestellt. Der Flughafen Larnaka wurde geschlossen. Alle Flüge nach Zypern wurden zum Flughafen von Paphos im Westen der Insel umgeleitet.

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