Sommer 2015 : Gefahren durch Hitze: Waldbrand, Sonnenstiche und verendete Hunde im Auto

Sie sind die Schattenseiten des Hochsommers: Sonnenstiche, Feuer, Badeunfälle. Die Grundregeln zum Auffrischen.

shz.de von
03. Juli 2015, 16:00 Uhr

Achtung, Waldbrandgefahr beim Grillen!

Die Feuerwehren aus Prisdorf und Kummerfeld sind im Einsatz.
Foto: Plock
Die Feuerwehren aus Prisdorf und Kummerfeld sind im Einsatz.
 

Die anhaltende Hitze und Trockenheit lässt die Waldbrandgefahr steigen. Der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein weist darauf hin, dass teilweise bereits die Stufe 4 (zweithöchste Stufe) in Schleswig-Holstein erreicht wurde oder in den nächsten Tagen zu erwarten ist. Zwischen dem 1. März und 31. Oktober ist das Grillen im Wald, in der Heide und im Moor ohnehin verboten. Auch im Umkreis von 100 Metern gilt das Feuer- und Rauchverbot den Sommer über - mit Ausnahme auf ausgewiesenen Grillplätzen. Wer dort Scheite oder Kohle entzündet, muss möglichst Funkenflug vermeiden und das Feuer beim Verlassen des Platzes richtig löschen. Auch Müll kann gefährlich werden. Leere Bierflaschen oder Glasscherben können Brände auslösen. Denn im Sonnenschein wirken sie wie Lupen, erläutert die Initiative HolzProKlima. Abfälle von einem Picknick müssen daher immer wieder mit nach Hause genommen werden.

Autos nicht auf trockenem Gras parken

Autofahrer sollten nur ausgewiesene Parkplätze beim Ausflug in die Natur nutzen. Keinesfalls sollte man auf trockenem Gras parken: Grasflächen unter Fahrzeugen können sich durch heiße Katalysatoren entzünden. Die Katalysatoren unter den Fahrzeugen können je nach Betriebsdauer schnell bis zu 800 Grad heiß werden. „Trockenes Gras entzündet sich bereits bei 300 Grad“, erklärt Philipp Heisevom Auto Club Europa. Autofahrer sollten ihren Pkw in der Sommerhitze deshalb grundsätzlich auf Asphalt oder Schotter abstellen. Wichtig ist auch, die Zufahrten zu Wäldern, Mooren und Heideflächen freizuhalten: Sie sind wichtige Rettungswege.

Kippen nicht achtlos wegwerfen

„Die Zigarettenkippen sollten nicht einfach aus dem Fenster geworfen werfen“, rät Philipp Heise vom Auto Club Europa. Es besteht immer die Gefahr, dass die Zigarette auf trockenem Gras landet und einen Brand verursacht.

Hitzeerkrankungen – die Symptome

Schatten und ein kühles Getränk: Wer sich einen Sonnenstich geholt hat, sollte sofort für Abkühlung sorgen. Foto: Andreas Gebert dpa
Foto: Andreas Gebert
Schatten und ein kühles Getränk: Wer sich einen Sonnenstich geholt hat, sollte sofort für Abkühlung sorgen. Foto: Andreas Gebert dpa
 

Hautprobleme, Hitzemüdigkeit, Hitzekrämpfe, Hitzeohnmacht, Hitzeerschöpfung, Hitzschlag und Sonnenstich sind die Folgen zu großer Hitze oder zu starker Sonneneinstrahlung. Flüssigkeitsmangel und die Verschlimmerung bestehender Krankheiten können ebenfalls hitzebedingt auftreten.

Hitzeohnmacht Hitzeohnmacht ist gekennzeichnet durch das Absacken des Blutdrucks und das Versagen der Sauerstoffzufuhr zum Gehirn. Im Liegen tritt schnelle Erholung ein.
Hitzeerschöpfung Die Hitzeerschöpfung mit Flüssigkeitsmangel ist eine Folge zu starken Schweißverlustes bei zu geringer Flüssigkeitszufuhr, zum Beispiel nach Sport. Sie entwickelt sich bei älteren Pflegebedürftigen über mehrere Tage.
Lebensbedrohlicher Hitzschlag Die Symptome eines lebensbedrohlichen Hitzschlages sind: Ungewöhnliche Unruhe, eineheiße, rote, trockene Haut, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, starkes Durstgefühl, Krampfanfälle. Steigt die Körpertemperatur über 41 Grad, können Verwirrtheit und Bewusstseinstrübung hinzukommen.
Sonnenstich Ein Sonnenstich ist die Folge zu starker Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf und Nacken. Es kommt zu heftigen Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Ohrensausen bis hin zum Kollaps.

Verständigen Sie sofort einen Arzt, wenn sich jemand zu lange in der Sonne oder Hitze aufgehalten hat und Auffälligkeiten zeigt. Die betroffene Person sollte in einen kühlen Raum gebracht und, sofern keine Bewusstlosigkeit vorliegt, mit Flüssigkeit versorgt werden. Enge Bekleidung sollte gelockert, kühle Umschläge gemacht und für Luftzug gesorgt werden.

Vorsicht beim Baden

Allein in Nordrhein-Westfalen wurden in den vergangenen Tagen vier Tote nach Badeunfällen gezählt, am Donnerstag ein 20-Jähriger an einem See in Leverkusen. Die Feuerwehr in Hamburg warnt vor dem Baden in der Elbe. Der Gezeitenwechsel führe zu starken Strömungen. Die DLRG warnt an einigen Orten vor gefährlichen Unterströmungen. An einigen Stränden der Lübecker Bucht etwa sei besondere Vorsicht geboten. Wegen hoher Wellen und starker Strömung wurden an Stränden von Burg auf Fehmarn und Großenbrode am Donnerstag die gelben Flaggen gehisst.

Generell gilt: Nicht überhitzt ins Wasser rennen, sondern langsam an das kühle Nass gewöhnen. Baderegeln beachten.

Sonnenschutz

Foto: dpa
 

Sommer, Sonne, Sonnenbrand. Je nach Hauttyp reichen unter Umständen wenige Minuten, für die ungesunde und schmerzhafte Hautrötung. Deswegen sollte man nicht ohne Sonnenhut, Sonnenbrille und Sonnencreme ins Freie gehen. Für den Strand- oder Parkbesuch sollte ein Sonnenschirm im Gepäck sein. Autofahrern ohne Klimaanlage können Tönungsfolien an den Scheiben helfen, um die Temperaturen im Auto zu reduzieren. Wichtig ist: Die Folien dürfen nur auf der Heckscheibe und den hinteren Seitenfenstern aufgetragen werden. Zudem muss eine Prüforganisation die Verwendung der Folien genehmigen.

Eltern verwenden für ihr Baby am besten Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 30. Beim Eincremen gilt: Besser zu dick als zu dünn. Sonnencreme für Babys sollte weder Farbstoffe noch Konservierungsmittel oder allergieverdächtige Duftstoffe enthalten. Diese Anforderungen erfüllen etwa Produkte mit dem Siegel der Deutschen Haut- und Allergiehilfe (DHA). Direkte Sonne ist für Babys ohnehin tabu.

Die richtige Kleidung

Ungeeignete Kleidung verstärkt die Hitzebelastung zusätzlich. Denn: Wird dem Körper bei Hitze nicht ausreichend Flüssigkeit zugeführt, verliert er wichtige Minerale und Salze. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Körper austrocknet. Am besten eignet sich lange, locker sitzende helle Kleidung aus leichten Stoffen.

Besonders Eltern sollten auf die Kleidung ihrer Kinder achten: Im Sommer sollten Babys immer ein Mützchen oder eine Kappe tragen. Denn: Scheint die Sonne, braucht die zarte und empfindliche Haut Schutz. Der dünne Haarflaum reicht in der Regel noch nicht, sagt der Kinder- und Jugendarzt Ulrich Fegeler. Im schlimmsten Fall kann das sogar zu einem Sonnenstich - also einer Reizung der Hirnhäute - führen.

Wirkung von Medikamenten

Auch die Einnahme bestimmter Medikamente, wie zum Beispiel Schilddrüsenhormonpräparate, kann einen Einfluss auf die Thermoregulation des Körpers haben und so Hitzeschäden begünstigen. „Typische Anzeichen von Hitzebeschwerden können starkes Schwitzen, Rötung des Gesichts, Erschöpfung, Kreislaufschwäche, Übelkeit, Benommenheit, aber auch Kopfschmerzen und Schwindelgefühl sein“, zählt der Gesundheitsexperte auf.

Ausreichend trinken

Trinken Sie reichlich! Zwei bis drei Liter am Tag sind zu empfehlen. Wer körperlich arbeiten muss, sollte pro Stunde zwei bis vier Gläser trinken. Besonders gute Durstlöscher anheißen Tagen sind: Wasser und Mineralwasser, Saftschorlen, Kräuter- und Früchtetees. Die Getränke werden am besten bei Zimmertemperatur genossen, da sehr kalte Getränke die Wärmebildung im Körperinneren noch anregen.

„Gesunde Menschen müssen bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr in der Regel kein erhöhtes Risiko für ihre Gesundheit befürchten“, sagt Dr. Wolfgang Reuter von der DKV Deutsche Krankenversicherung. Dagegen kann extreme Hitze für Personen mit Durchblutungsstörungen, Säuglinge, Kleinkinder und Senioren wirklich gefährlich sein. Bei älteren Menschen ist die Regulierung der Körpertemperatur generell verlangsamt. Zusätzlich lässt ihr Durstgefühl nach.

Kinder und Tiere nicht im Auto warten lassen

Hitze kann töten! - Jedes Jahr sterben unzählige Hunde in überhitzten Autos, weil ihre Besitzer die Gefahr unterschätzt...

Posted by VIER PFOTEN on  Freitag, 3. Juli 2015

An den heißen Tagen mussten deutschlandweit immer wieder Kinder aus überhitzten Autos gerettet werden. Auch Tiere sollte man nicht im Auto lassen – auch nicht für „nur“ zehn Minuten. Denn die meisten Haustiere können sich nicht über Schwitzen abkühlen. Beispielsweise Hunde haben nur an den Pfoten Schweißdrüsen, sie kühlen sich über Trinken und Hecheln ab. Deshalb sollten Halter unbedingt darauf achten, dass das Tier genug Wasser und einen schattigen Platz hat, rät der Deutsche Tierschutzbund. An heißen Tagen gehen Halter am besten morgens oder abends mit dem Hund Gassi.

Auf keinen Fall darf ein Haustier im Auto gelassen werden. Auch ein geöffnetes Schiebedach oder Fenster hilft nicht. Bekommt ein Tier einen Hitzeschlag, kann es daran sterben. Warnsignale sind eine tiefrote Zunge, Hecheln mit gestrecktem Hals und ein glasiger Blick. Weitere Symptome sind Erbrechen, Kreislaufprobleme oder sogar Ohnmacht. Dann muss das Tier schnellstens zum Tierarzt.

Elektronik im Auto kann leiden

Hohe Temperaturen sind nicht nur für Autofahrer ein unangenehmer Begleiter. Auch die Bordelektronik kann im Hochsommer streiken. „Wenn das Auto überhitzt, können Systeme wie ABS, ESP oder Airbags ausfallen“, sagt Eberhard Lang vom Tüv Süd. Sobald eine Kontrollleuchte im Cockpit ein Problem signalisiert, sollten Autofahrer den Wagen abstellen und einen Pannenhelfer rufen. Elektronische Bauteile wie Halbleiter sind nach Angaben des Tüv Süd häufig auf Temperaturen von bis zu 80 Grad ausgelegt. In der prallen Sonne kann der Bereich unter der Motorhaube jedoch bis zu 100 Grad aufheizen. Der Inneraum kann beim Parken ähnliche Temperaturen erreichen.

An heißen Tagen kann auch der Motor Schaden nehmen. Bei längeren Standzeiten oder im dichten Stadtverkehr gerät die Kühlung an ihre Grenzen. Experten raten zu einem unkonventionellen Trick: Damit das Kühlwasser nicht heiß wird, sollten Autofahrer kurz die Heizung anstellen. Das leitet die Wärme in den Innenraum des Fahrzeugs. Unterwegs genügt in der Regel der Fahrtwind, um den Motor kühl zu halten.

Autofahrer sollten im Hochsommer grundsätzlich einen Blick auf die Wassertemperaturanzeige im Cockpit werfen. Wenn der Zeiger in den roten Bereich gelangt, droht im äußersten Fall ein Motorschaden. Auch hier gilt es, den Wagen an den Straßenrand zu fahren und Hilfe zu holen. Mögliche Ursache kann zu wenig Kühlwasser sein. Wenn Autofahrer eine lange Fahrt bei Hitze antreten, empfiehlt Eberhard Land einen kurzen Besuch in der Werkstatt, um den Pegel und die Zusammensetzung der Kühlflüssigkeit zu überprüfen.

Schäden auf den Autobahnen

Wegen der Hitze lässt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verstärkt Autobahnen überwachen. Er habe einen Aktionsplan gegen Hitzeschäden auf den Autobahnen aufgelegt, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Spezielle Messfahrzeuge würden untersuchen, wo die Gefahr für Blow-ups - aufgeplatzte Straßenabschnitte - am höchsten sei. „Alle Schäden werden umgehend repariert“, sagte Dobrindt. An besonders gefährdeten Abschnitten wie der A3 bei Regensburg oder Teile der A92 und A93 seien bereits Tempolimits verhängt worden.

Hitze im Haus

Wer unter dem Dach lebt, hat es im Sommer besonders schwer. Das Schlafzimmer wird zur Sauna.
Foto: Imago
Wer unter dem Dach lebt, hat es im Sommer besonders schwer. Das Schlafzimmer wird zur Sauna.
 

Im Sommer kann das Zuhause manchmal zur Sauna werden. Mit ein paar kleinen Tricks kann man die Wärme jedoch bekämpfen. Tagsüber sollten die Fenster verdunkelt sein. Silberne Jalousien sind besonders gut, da sie das Sonnenlicht reflektieren. Am besten lüftet man abends, da sich die Luft dann etwas abgekühlt hat.

Blumen nicht mittags gießen

Kleingärtner Franz Piskorz hilft bei der Vermittlung leer stehender Gärten.
Foto: Michael Reichel
Kleingärtner Franz Piskorz hilft bei der Vermittlung leer stehender Gärten.

Wer mittags gießt, verbrennt seine Pflanzen. Denn Wassertropfen auf den Pflanzen wirken in der Sonne wie Brenngläser. Außerdem kann während der Mittagszeit 90 Prozent der Feuchtigkeit nach dem Beregnen einer Rasenfläche wieder verdunsten. Am Morgen werden dem Boden laut Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) nur 25 bis 30 Prozent entzogen. Die beste Zeit zum Gießen ist laut dem Bundesverband Einzelhandelsgärtner (BVE) zwischen 3 und 4 Uhr morgens. Dann hat der Boden seine maximale Abkühlung erreicht. Aber natürlich geht es auch noch gut ein paar Stunden später.

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