Corona-Forschung : Geboren in der Pandemie: Entwicklung bei Säuglingen beeinträchtigt

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Schaden die Auswirkungen der Corona-Pandemie Säuglingen bereits im Mutterleib? Eine US-Studie legt dies jetzt nahe.

Eine Studie der Columbia-Universität hat sich mit den Folgen von Corona-Infektionen und Pandemiestress werdender Mütter für ihre Babys beschäftigt. Die Ergebnisse sind überraschend.

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21. Januar 2022, 19:24 Uhr

Die Auswirkungen der Pandemie könnten bereits ungeborene Säuglinge betreffen. Egal, ob die Mutter eine Covid-Infektion hatte oder nicht. Eine US-Studie hat Beeinträchtigungen in der Entwicklung von Babys festgestellt, die während der Pandemie geboren wurden. Was steckt dahinter?

US-Forscher: Pandemie-Babys etwas hintendran

Eine Studie der Columbia-Universität wollte herausfinden, welchen Einfluss eine Corona-Infektion der werdenden Mutter auf das Baby hat. Hier können Eltern schon mal aufatmen: Denn die Forscher fanden keine Unterschiede in der Entwicklung dieser Kinder, im Vergleich mit denen nicht infizierter Mütter. Allerdings lieferte die Studie in anderer Hinsicht überraschende Ergebnisse.

Der Entwicklungsstand von 255 Babys, die zwischen März und Dezember 2020 zur Welt gekommen waren, wurde zu Forschungszwecken mit denen von Säuglingen verglichen, die vor der Pandemie geboren worden waren. Das Ergebnis: Im Alter von sechs Monaten wiesen die Pandemie-Babys in Bezug auf Grob- und Feinmotorik sowie auf soziale Fähigkeiten einen etwas schlechteren Entwicklungsstand auf.

„Bei Kindern, die im Bauch von Müttern waren, die die Pandemie erlebt haben, stellten wir leicht niedrigere Punktzahlen in Bereichen wie Motorik und soziale Fähigkeiten fest”, berichtet Dani Dumitriu, leitende Forscherin der Studie. Sie ist Kinderärztin und Neurowissenschaftlerin an der Columbia-Universität. Die Entwicklungshemmnisse waren laut Dumitriu am stärksten bei Babys ausgeprägt, wenn deren Mütter im ersten Schwangerschaftstrimester waren, als die Pandemie ausgebrochen war.

Leichte Abweichungen könnten signifikante Folgen haben

Laut Dumitriu betreffen die Unterschiede in der Entwicklung von Corona-Babys nicht alle Bereiche. So seien in Entwicklungsfeldern wie Problemlösung oder Kommunikation keine Einschränkungen aufgefallen. Auch seien die Entwicklungshemmungen zwar nicht signifikant, so die leitende Forscherin, bedürften aber dennoch erhöhter Aufmerksamkeit. „Sie könnten signifikante Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben”, so Dumitriu. „Das kennen wir von anderen Pandemien und Naturkatastrophen”, erklärt sie.

Pandemiestress als möglicher Auslöser

„Die Ergebnisse legen nahe, dass der große Stress, den schwangere Mütter in diesen Zeiten erleben, eine Rolle gespielt haben könnte”, gibt Dani Dumitriu an. Dass sich Stress während der Schwangerschaft negativ auf das Baby auswirken kann, ist schon lange bekannt. Demnach erhöht er das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Auch Entwicklungsdefizite sind in diesem Zusammenhang keine Seltenheit.

Sich während einer Schwangerschaft genügend auszuruhen und Stress zu vermeiden, ist auch abseits von Corona wichtig. Dennoch gestaltet sich das in einer Pandemie oft schwer, da hier viel psychischer Stress hinzukommt.
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Sich während einer Schwangerschaft genügend auszuruhen und Stress zu vermeiden, ist auch abseits von Corona wichtig. Dennoch gestaltet sich das in einer Pandemie oft schwer, da hier viel psychischer Stress hinzukommt.

Stress als Hauptauslöser für die Entwicklungshemmungen könnte auch erklären, wieso sich gerade bei Babys, deren Mütter bei Pandemieausbruch im ersten Trimester waren, die schlechtesten Ergebnisse zeigten. So belegten vorangegangene Studien bereits, dass Stress im früheren Stadium der Schwangerschaft deutlich mehr Auswirkungen auf das Kind hat, als es in fortgeschrittenen Trimestern der Fall ist, wie Dumitriu erklärt.

Vorerst kein Grund zur Sorge für Eltern

Die Studienergebnisse müssten laut Dumitriu nicht bedeuten, dass die neue Generation Heranwachsender tatsächlich im späteren Leben beeinflusst sein wird. Da die Entwicklungsabweichungen bereits so früh festgestellt wurden, gäbe es noch genügend Zeit zu intervenieren und die Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen, so die Kinderärztin.

Darüber hinaus gäbe es sicherlich auch Aspekte der Pandemie, die sich positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirken könnten, bringt die Co-Autorin der Studie, Lauren Shuffrey, an. Zum Beispiel könne förderlich sein, dass viel mehr Eltern zu Hause bei ihren Kindern sein könnten, als noch vor einigen Jahren ohne Homeoffice, so die Forscherin der Columbia-Universität in New York.

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Dani Dumitriu ergänzte auf Twitter, die Ergebnisse zeigten, dass die Pandemie gefährlicher für Babys sei als die Infektion der Mutter während der Schwangerschaft. Auf dieser Grundläge könne nun weitere Forschung ansetzen.

Zusätzlich postete die Studienleiterin einen kleinen Guide, wie Eltern die Entwicklung ihrer Kinder stärken können. Ihre drei Tipps sind: Mit dem Baby sprechen, singen und ihm vorlesen, Vieraugenkontakt ohne Maske und mit dem Baby draußen auf sichere Art und Weise die Umgebung erkunden.

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