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AB Inbev und SAP Miller : Fusion der Biergiganten - Größter Hersteller will zweitgrößten schlucken

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Pilsner Urquell , Beck's, Stella Artois oder Hasseröder: Die Biere kommen womöglich bald aus einem Haus. Heute entscheiden die EU-Behörden, ob die Fusion zulässig ist.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2016 | 12:38 Uhr

Leuven | Die Pläne für die größte Übernahme auf dem Biermarkt liegen auf dem Tisch - nun sind die Kartellwächter am Zug. Sie müssen entscheiden, ob sie den Megadeal gegen Wettbewerbsbedenken durchwinken. Der belgisch-amerikanische Branchenprimus Anheuser-Busch Inbev (AB Inbev) will den britisch-südafrikanischen Rivalen SABMiller kaufen. Dienstag rechnen die Konzerne mit einer ersten Aussage der EU-Behörden, andere Aufseher rund um die Welt folgen.

Zusammen brauen AB Inbev und SAPMiller fast jedes dritte Bier der Welt. Das sind über 650 Millionen Hektoliter Bier jährlich, erwirtschaftet werden mehr als 64 Milliarden US-Dollar Umsatz. Bier-Kenner fürchten um die schrumpfende Biervielfalt, Behörden haben Kartell-Bedenken.

AB-Inbev-Chef Carlos Brito hofft, die 71 Milliarden Pfund (91 Mrd Euro) schwere Übernahme bis Jahresende durchzupeitschen. Er hat den Aufsehern versprochen, dort Marken abzugeben, wo die Marktmacht zu groß würde: In Italien und den Niederlanden gehen Peroni und Grolsch für geschätzt 2,6 Milliarden Euro an den japanischen Brauer Asahi. In Osteuropa sollen Marken unter den Hammer kommen, die laut Analystenschätzungen mehr als 6 Milliarden Dollar wert sein könnten - darunter auch die tschechische Brauerei von Pilsner Urquell. Ob das der EU-Kommission reicht, dürfte sich am Dienstag zeigen.

Allerdings sehen Branchenexperten die Überschneidungen in anderen Regionen eh kritischer: In den USA verkauft SABMiller daher Anteile für 12 Milliarden Dollar. Die Zustimmung der US-Regulierer ist für Analyst Javier Gonzales Lastra von der Berenberg Bank die höchste Hürde.

 

Abgesehen hat es Brito auf die SABMiller-Braukessel in Afrika und anderen Schwellenländern. In den kommenden Jahren erreichen dort nicht nur viele Millionen Menschen das gesetzliche Mindestalter für den Bierkonsum - zusätzlich setzt der Brasilianer auf eine stetig wachsende, zahlungskräftige Mittelschicht. In Europa und Nordamerika indes ist der größte Durst gestillt; die Kunden greifen nun verstärkt zu Bierspezialitäten.

Auf Deutschland hat das Geschäft ohnehin vergleichsweise geringe Auswirkungen. Vor allem SABMiller ist auf dem vorrangig mittelständisch geprägten Markt hierzulande kaum vertreten. Der Verband der Privaten Brauereien Deutschlands erwartet daher auch keine großen Veränderungen im harten Wettbewerb um die Handelsregale. Geschäftsführer Roland Demleitner beobachtet „eine Rückbesinnung auf regionale Marken, bei denen der Verbraucher die Herkunft auch nachvollziehen kann“.

Aber Obacht! AB-Inbev-Chef Brito gilt als harter Hund, der die Dinge auch mal durchboxt. Bestärkt wird er darin von seinem Mentor, dem brasilianischen Milliardär Jorge Paulo Lemann, Mitgründer des umtriebigen Finanzinvestors 3G aus Rio de Janeiro. Gemeinsam mit anderen kontrolliert er große Teile von AB Inbev. Nach seinem Einstieg 1989 begann der Aufstieg des brasilianischen Brauers zur heutigen Weltmacht auf dem Biermarkt, die 2008 im Coup der Anheuser-Busch-Übernahme für 52 Milliarden Dollar gipfelte.

Mit dem geplanten Kauf der Nummer zwei der Branche kämen zu AB Inbevs Biersortiment Namen wie Foster's und Pilsner Urquell hinzu.

Mit dem geplanten Kauf der Nummer zwei der Branche kämen zu AB Inbevs Biersortiment mit Marken wie Beck's oder Budweiser bekannte SAB-Namen wie Foster's und Pilsner Urquell hinzu.

Foto: dpa
 

Nach der Übernahme von Anheuser-Busch strich Brito in den USA 1400 Arbeitsplätze und tauschte im Hauptquartier in St. Louis die obersten Führungsebenen aus. Im belgischen Leuven sind vor allem Gewerkschafter nicht nur voll des Lobes, wenn sein Name fällt. Investoren dürften das anders sehen: Brito lieferte ihnen über seine Amtszeit deutlich mehr Ertrag durch Aktienkursanstiege und Ausschüttungen als die direkte Konkurrenz.

Auch beim SABMiller-Zukauf könnten Arbeitnehmer die Zeche zahlen: Um die angestrebten Einsparungen zu erreichen, würden unter Umständen bestimmte Umbauten im Konzern nötig, hieß es bei der Vorlage des Angebots im November.

Die bekanntesten Marken des Bier-Riesen Anheuser-Busch Inbev sind Beck's, Budweiser, Stella Artois, Corona, Franziskaner Weissbier, Hasseröder, Diebels, Haake-Beck, Löwenbräu, Leffe, Hoegaarden, Spaten und PerfectDraft. Es werden zahlreiche weitere Marken hergestellt.

SAPMiller produziert unter anderem Pilsener Urquell, Foster's, Blue Moon, Bulmers Original, Cascade und Strongbow.

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