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Sensation auf Fünen : Fund von Hobbyarchäologen könnte dänische Geschichte verändern

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Dennis Fabricious Holm findet ein Schmuckstück, das die Vorstellung davon verändern könnte, wie die Dänen Christen geworden sind.

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erstellt am 18.Mär.2016 | 14:31 Uhr

Avnslev | Dennis Fabricious Holm war an einem Freitagnachmittag mit seinem Metalldetektor in Ostfünen nahe der Stadt Avnslev unterwegs, als das Gerät anschlug. Im Boden fand der Hobbyarchäologe etwas, das Archäologen schnell als Sensationsfund betiteln: Ein vier Zentimeter langes und nur 13,5 Gramm schweres Schmuckstück in Form eines Kreuzes mit einer Jesusfigur darauf. Das berichtet die dänische Zeitung „Jydske Vestkysten“ am Mittwoch.

Um 900 bildete die Elbe weitgehend die Grenze zu den Heiden, die allerdings teilweise überschritten wurde – etwa in Böhmen. Erste Missionare zeigten sich zu dieser Zeit in Dänemark und Schweden. Um das Jahr 1000 wurden in Dänemark, Norwegen und auch in Island erste Durchbrüche erreicht. In Schweden wurde das Christentum erst im 12. Jahrhundert vollständig etabliert.

Der Landschaftsgärtner postete seinen Fund in einer speziellen Gruppe bei Facebook, wo ihn andere Nutzer ermutigten, das vermutlich 1100 Jahre alte Schmuckstück in ein Museum zu bringen, erzählt er Danmarks Radio (DR). Die Museumsdirektorin der Museen in Ostfünen, Malene Refshauge Beck, bestätigt ihm, dass der Fund außergewöhnlich ist.

Das Kreuz stammt demnach aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Ein früherer Fund einer nahezu identischen Figur in Schweden konnte relativ genau in diese Periode verortet werden. Diese wurde 1879 in Birka bei Stockholm in einem Grab entdeckt.

Die Datierung des Schmuckstücks aus Avnslev auf den Zeitraum 900 bis 950 sorgt nun für ein kleines geschichtliches Erdbeben in Bezug auf die Christianisierung Dänemarks. Bislang galten die Runensteine von Jelling – insbesondere der Große Jellingstein – als bedeutendste Steine zur Geschichte Dänemarks. Seit 1994 sind die Runensteine Weltkulturerbe der Unesco. Der Große Jellingstein – wahrscheinlich zwischen 960 und 985 errichtet – enthält unter anderem eine Christusdarstellung. Diese galt bis jetzt als älteste Abbildung von Jesus in Dänemark. Der neue Fund könnte den Zeitpunkt der Christianisierung in Dänemark nun vordatieren. Die meisten Dänen waren im Jahr 1050 christianisiert.

 

Der Große Jellingstein galt bislang als ältestes Indiz für die Christianisierung in Dänemark.
Der Große Jellingstein galt bislang als ältestes Indiz für die Christianisierung in Dänemark. Foto: Imago/UIG

„Derjenige der dieses Schmuckstück getragen hat, hat sich ohne Zweifel zum christlichen Glauben bekannt“, sagt Beck. Es habe bereits früher unvollständige Funde auf Omø und Als, in Form von Schmuck mit Kreuzen gegeben, keines sei aber so gut erhalten und eindeutig gewesen. Beck: „Fest steht, dass die Geschichtsbücher über die dänische Geschichte nach diesem Fund umgeschrieben werden müssen.“

Das Kreuz besteht laut Angaben von „Jyllandsposten“ aus reinem Gold und ist nicht bloß vergoldet, wie Beck und ihre Kollegen zunächst dachten.

Dennis Fabricious Holm verrät DR, dass er noch immer „leicht unter Schock“ stehen würde. Es sei schwer zu begreifen, dass der eigene Name künftig mit so einem wichtigen Ereignis zusammenhängen werde. Seit Freitag, 18. März ist das Kreuz im Wikingermuseum in Ladby ausgestellt. Dort soll es über Ostern zu sehen sein. Das Museum in Ostfünen wird den Fund danach genauer untersuchen und zur Konservierung schicken. Im Sommer soll es dann wieder in Ladby ausgestellt werden.

Frohe Ostern Dänemark!

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