zur Navigation springen

Fünf Jahre unschuldig in Guantánamo

vom

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eine Pritsche, ein Klo - und eine Echse. Sie gehören zu den quälend langen Tagen in Murat Kurnaz Welt. Im Spielfilm "5 Jahre Leben" wird der Leguan aus dem Abwasserkanal für einige Zeit zum engsten Freund des Guantánamo-Häftlings. Jahre, in denen Kurnaz geknebelt, gepeinigt und gefoltert wird. Regisseur Stefan Schaller hat das Schicksal des Bremers mit türkischem Pass nacherzählt, der mit 19 Jahren in das US-Gefängnis auf Kuba gebracht wurde und es nach 1725 Tagen als unschuldiger Mensch wieder verließ.

Wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA war der junge Mann nach Karatschi geflogen. Bei einer Routinekontrolle in Pakistan wird Kurnaz festgenommen und den Amerikanern in Kandahar übergeben.

Guatánamo, wohin Kurnaz wenig später ausgeflogen wird, ist ein Flecken ohne Recht. Kurnaz wird einer von fast 800 Gefangenen in dem Camp und der einzige aus Deutschland. Daheim werden Vorwürfe laut, Kurnaz sei an der Bildung einer "terroristischen Vereinigung" beteiligt gewesen. Bald wird ihm das Stigma des "Bremer Taliban" angehängt.

In "5 Jahre Leben" steht das Leiden des Murat Kurnaz im Mittelpunkt. Der Film "nach einer wahren Geschichte" beruht auf Kurnaz Buch "Fünf Jahre meines Lebens", das die Zeit in Guantánamo nachzeichnet. Das Drama kreist um die Verhöre, denen Kurnaz (Sascha Alexander Gersak) ausgesetzt ist. Verhörfachmann Gail Holford (Ben Miles) treibt mit ihm ein Katz-und-Maus-Spiel - mal als netter Helfer, mal als ungnädiger Sadist. Kurnaz soll ein Geständnis über Verbindungen zu Osama bin Laden ablegen. Nur wenn er spreche, werde er ihm auch helfen können.

Kurnaz soll gebrochen werden. Stunden-, ja tagelang muss er mit anderen Häftlingen unter der brütenden Sonne in Drahtkäfigen knien. Rund um die Uhr wird er mit lauter Musik unter Neonröhren beschallt, am Schlaf gehindert oder mit eiskaltem Wasser übergossen. Selbst eine Freilassung wird vorgetäuscht.

In Rückblenden zeichnet Schaller die Verhältnisse in Bremen nach, den Wunsch des jungen Mannes, sich der Enge der Familie zu entziehen, die Suche nach einem Ausweg in einen streng ausgelegten Islam. Von Kurnaz geht eine eigentümliche Stärke aus. Er will keine Schuld bekennen, die er nicht hat. Er schweigt und versucht, seine Würde zu behalten. Und mit dem Leguan kann Kurnaz einige Zeit lang etwas Menschlichkeit ausleben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen